Unterwegs in Japan und Korea

Teil 3

Hiroshima, der erste Seetag und Kagoshima

Nach dem Schrecken wegen des verlorenen Passes zog es mich noch ein wenig schneller in die Bar als sonst. Allerdings hatte ich bei der Rückkehr an Bord doch auch noch ein erfreuliches Erlebnis. Bei der Handtaschendurchleuchtung wurde ich angewiesen, zur Seite zu gehen und auf eine gründlichere Besichtigung zu warten. Das fand ich gar nicht gut, aber bis ich die Handtasche vom Band gesammelt hatte, hatten die offenbar schon wieder vergessen, dass auf dem Bildschirm sich wohl etwas abgezeichnet hatte, was verdächtig nach 2 Flaschen Sake aussah…

Man scheuchte mich aus dem Weg, und mein Proviant erreichte unbehelligt de Kabine.

Ich habe noch kurz der Verabschiedungszeremonie am Kai zugeschaut, nachdem ich die Flaschen verstaut hatte und strebte dann zur Bar. Alexander, der Barkeeper wartete schon und fing gleich an, eine Margarita zu mixen, als er mich durch den Eingang kommen sah. Damit war ich gewappnet für einen ganz besonders lustigen Abend im Speisesaal. Nicht nur musste ich mir die üblichen Witzchen  wegen unserer Asylpolitik anhören – selbst demokratische Amerikaner, oder die, die sich dafür halten, machen sich mit grösster Begeisterung über uns lustig -, viel schlimmer waren der Maître d‘ und der – mutmassliche – Chefkoch dran. Sie waren wieder einmal an den Tisch zitiert worden, um sich unsere Klagen anzuhören.

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Mit einer Engelsgeduld…

Und nach dem Essen ging es zu den beiden Mädels mit der elektronischen Geige und dem elektronischen Cello, den Fiesta Strings. Allzu lange blieb allerdings keiner von uns, denn am nächsten Tag würden wir in Hiroshima sein – darauf waren wirklich alle sehr gespannt.

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Die meisten Ausflüge, die für Hiroshima angeboten wurden, befassten sich natürlich mit Erinnerungen an die Bombe. Ausserdem gab es noch einen Ausflug mit dem Bullet Train zur Kintai-Brücke und einen nach Miyajima. Den hatte ich mir ausgesucht, denn von dieser Insel hatte ich schon viel gehört. Sie sollte bezaubernd sein. Und das war sie auch. Schon die Überfahrt an Unmengen von Austernbänken vorbei

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und umgeben von enorm braven Schulkindern machte trotz des Nieselregens grossen Spass. Und je näher wir dem riesigen Tori kamen, desto neugieriger wurden wir.

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Für diesen Ausflug hatte ich dieselbe Führerin wie am Vortag. Das war höchst erfreulich, denn von allen Führern, die ich bis dahin erlebt hatte, war sie mit Abstand die beste.

Nachdem die Fähre angelegt hatte, führte sie uns zunächst einmal zu einem grossen freien Platz und erklärte, was auf uns wartete: natürlich der Tori, und wir hatten Glück, denn es war Ebbe. Bei Flut kommt man nicht in die Nähe. Eine enorm ausgedehnte Tempelanlage, eine Pagode und dann – ja ein Bummel, bei dem wir unbeaufsichtigt bleiben sollten und die – sehr touristischen – Gässchen vom Tempel zur Anlagestelle erforschen könnten. Es gäbe dort auch Restaurants…

Weil, nämlich, der Ausflug beinhalte kein Mittagessen…

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Zunächst zeigt sie uns noch eine Skulptur mit einem Loch in der Mitte, welches genau auf den grossen roten Tori ausgerichtet war, und natürlich fotografierten wir ihn alle, ohne Ausnahme, durch dieses Loch – er wirkte allerdings sehr winzig, was wir aber wohl alle erst später beim Ansehen der Fotos bemerkten.

 

Dann wanderten wir gemütlich am Wasser entlang, sahen Rikschas,

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Touristen, das Meer, noch mehr Toris und Skulpturen und jede Menge überaus unverschämte Rehe. Die Viecher rissen den Umherwandernden ganz ungeniert alles aus der Hand, sogar Bücher und Stadtpläne. Und sie liessen sich das auch nicht mehr abnehmen – sie frassen einfach alles!

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Es war einmal ein Stadtpan

Eigentlich sollten wir als Gruppe zusammen bleiben, aber ich bitte euch, wie kann man gute Fotos machen, wenn man in einer Gruppe läuft. Und es war viel interessanter, zu schauen, welche Tiere in dem Priel lebten, der durch den Tori abfloss,

 

_IGP4090.JPGzu schätzen, wie hoch hier die Tiden sind (sehr hoch!) und zu versuchen, einen Moment zu erwischen, in dem die Füsse des Tori nicht von Menschenmassen umringt waren.

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Und dann machte es auch mehr Spass, allein in der Tempelanlage herumzuwandern.

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Und schliesslich, in den Gässchen, brauchte ich dann wirklich niemand mehr.

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Es war Essenzeit, ich hatte Hunger und traf gelegentlich auf gleichfalls hungrige und leicht verunsicherte Mitglieder meiner Gruppe. Die Richtung, in der ich zuerst unterwegs war, bot essensmässig nichts sonderlich Interessantes, aber eine wunderbare Guanyin. Sie war perfekt!

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Sie war so wunderschön, dass ich meinen Hunger total vergass. Sie war genau das, was ich suchte! Aber es war kein Preisschild dran. Also fragte ich den sehr alten Herrn, dem der Laden wohl gehörte, und er war ziemlich unfroh – die sei nicht zu verkaufen, das sei seine Guanyin und die gebe er nicht her. Ich kann ihn ja verstehen, ich hätte sie auch nicht mehr hergegeben, aber vielleicht dachte er auch nur, an so eine Touristin sei so viel Perfektion doch nur verschwendet. Wie sollte er wissen, dass ich seit vielen, vielen Jahren Buddhas sammle und nur eine einzige japanische Guanyin, die gemäss ostasiatischer Auffassung weibliche Inkarnation des Buddha, besass und dass die dringend Gesellschaft brauchte…

Schade, schade.

Enttäuscht kaufte ich ihm noch einen Papierfächer mit Hokusais Welle ab und erinnerte mich daran, dass ich hungrig war. Es gab sehr, sehr viele kleine Restaurants, Garküchen, Stände. An den meisten gab es Austern in jeder nur denkbaren Zubereitungsart,

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aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Austern nicht mag. Egal, wie sie zubereitet sind, egal, wie teuer und edel sie auch sein mögen – ich mag sie nicht! Das machte es etwas schwierig, denn für alles andere musste man sich irgendwo hineinsetzen, und es war Mittagszeit, das Frühstück lag nicht nur für mich schon lange zurück, die Restaurants waren gerammelt voll. Aber wer sucht, der findet. Da gab es noch ein winziges Restaurantchen mit gerade einmal 5 Tischen, das etwas unauffälig zwischen zwei grossen, schrill bunten Läden mit ziemlich grässlichen Souvenirs eingeklemmt war, und das war noch fast völlig leer. Ich bestellte Tempura-Shrimps und ein Bier. Das japanische Bier schmeckte ausgesprochen gut, allerdings war die grosse Flasche beim besten Willen nicht leer zu kriegen. Was dann allerdings als „Shrimps“ auf den Tisch kam, war gigantisch. Ob die Dinger dort schon immer so gross geworden sind? Man denkt doch unwillkürlich an Strahlung, Mutationen und dergleichen Beunruhigendes mehr.

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Begleitet wurden sie von Suppe, Reis, einem Riesenberg Kartoffelsalat und diversen Kleinigkeiten. Gekostet haben sie sehr wenig. Geschmeckt haben sie ganz wunderbar.

Nach dem Essen schleppte ich mich mit meinem sehr vollen Magen doch noch in ein paar Läden und fand tatsächlich noch eine aus Holz geschnitzte Guanyin für meine Sammlung, nicht so perfekt wie die andere, aber auf ihre Art ebenso schön. Und es gab einen Matcha-Laden, wo unvergleichliche Süssgkeiten aus Matcha-Tee verkauft wurden. Zu schade, dass es die zuhause nicht gibt – die machen sicher nicht so dick wie Schokolade…?

Alles in allem ein wirklich schöner Ausflug, auch wenn ich von Hiroshima selbst nur ein paar Hauptstrassen gesehen habe.

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Zurück an Bord das übliche Spiessrutenlaufen durch die Reihen der mit Desinfektionsspray bewaffneten Mädels. Amerikaner scheinen zu glauben, dass in allen anderen Ländern die Leute aussätzig sind, oder doch zumindest enorm schmutzig. Dabei ist nun Japan wirklich das sauberste Land, das ich je gesehen habe. Da können wir uns alle eine gewaltige Scheibe abschneiden…

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Panoramafunktion, leicht verbogen

Das Wetter hat seit heute früh mehrere Jahreszeiten ausprobiert: zuerst sonniger Frühling, dann diesiger, nieseliger Herbst, jetzt geht es auf den Winter zu. Da ist es geradezu gut, dass wir von Hiroshima nicht ganz so sensationell verabschiedet werden wie in den anderen Städten. Ein einzelner Trommler legt sich am Kai gewaltig ins Zeug. Er ist sicher sehr gut und soll auch fürchterlich berühmt sein, aber bei dieser Eiseskälte fällt es nicht so schwer, sich in die warme Kabine zurückzuziehen wie bei den tollen Shows, die sie anderswo veranstaltet haben.

Morgen soll es Wind und Seegang geben. Bin sehr gespannt – mir macht das ja Spass, aber morgen ist Seetag, da wäre doch eine gute Gelegenheit, einmal die Pools, Whirlpools und so auszuprobieren. Und bei starkem Seegang werden die ja gesperrt L

Habe mich getraut und zum Abendessen mein Selbstgenähtes angezogen. Hat grossen and anscheinend aufrichtigen Beifall erhalten. Der Schneider, der meine Fehlleistungen korrigiert hat, hat gute Arbeit geleistet…

Seetag.

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Wie schön. Ausschlafen, faulenzen, schwimmen. Im Thalasso-Pool herumliegen. Im Whirlpool herumsitzen.

 

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Schwätzen. Meine Tischgenossin, die Zoologin, hält einen Vortrag über Affen. Sehr anrührend. Mache mir ja eigentlich nichts aus Affen, sie erinnern gar zu sehr an uns, aber der Vortrag war wirklich gut.

Heute war auch eine gute Gelegenheit, all den Papierkram, Tagesprogramme, Werbung und so durchzusehen.

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Danach habe ich einmal die Läden durchstöbert. Bei meiner Armbanduhr hat die Batterie aufgegeben, und ich hatte gehofft, für wenig Geld etwas Hübsches zu finden. Aber hübsche Uhren gab es nur für sehr, sehr viel Geld. Diejenigen, die man so mal auf die Schnelle als Ersatz hätte kaufen können, haben sich dermassen gegenseitig an Plumpheit und Hässlichkeit übertroffen, dass es mich geschüttelt hat. Beim Juwelier muss man mich für sehr reich gehalten haben – erstaunlich, was sie mir alles als grande occasion unterjubeln wollten. Aber vielleicht hielten sie mich auch nur für blöd. Kann natürlich auch sein.

Bei Kleidung war es ähnlich wie bei den Uhren. Nur ein paar hübsche Tops von Ribkoff gab es. Aber hübsch waren sie nur, bis man sie anfasste; das Material war bemerkenswert schlecht, dafür waren die Preise exorbitant hoch. Und dann gab es natürlich, wie immer auf diesen Schiffen, den Wühltisch. Naja, breiten wir den Mantel des Schweigens über die „Schnäppchen“.

Abends sollten wir uns alle möglichst schön machen. Also Abendkleid, ordentlich gekämmt und dreimal so viel Makeup wie sonst. Überall lauerten Bordfotografen. Ich habe einem besonders Aufdringlichen geschildert, was ich von den Fotos halte, die von ihm oder seinen Kollegen bis jetzt von mir gemacht worden waren. Daraufhin schwor er Stein und Bein, das sei nicht er gewesen, er würde ganz tolle Fotos von mir machen. Habe sie mir am nächsten Tag angesehen und hoffe sehr, dass ich so nicht wirklich ausgesehen habe.

Aber es war allerhand los an Bord. Wir haben unseren schüchternen Kanadier zum Tanzen geschleift, den Fiesta Strings zugehört, nachdem eine Gruppe Osteuropäer dort den Bartresen geräumt hatte – solange die da waren, konnte man nämlich absolut gar nichts hören.

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Und natürlich sind wir zum Schluss in meiner Lieblingsbar gelandet, wo eine recht kindliche Quiz-Veranstaltung für Stimmung sorgen sollte.

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Zeit zum Schlafengehen.

Und aufwachen im Hafen von Kagoshima. Auf den Ausflug, den ich hier gebucht hatte, war ich sehr gespannt: Samurai-Gärten, Sandbad und Vulkane bis zum Abwinken.

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Also die Samurai-Gärten sind eigentlich nicht die Parks, die wir erwartet hatten. Es handelt sich hier um eine Siedlung im Städtchen Chiran, in der nur Samurai wohnten bzw. immer noch wohnen. Die Siedlung ist durch Mauern und Hecken vom Rest des Ortes abgetrennt und in sich geschlossen.

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Hier stehen die Häuser einer Reihe von Samurai-Familien. Und zu jedem Haus gehört ein Garten, meistens eher klein, aber was die alles aus so einem bisschen Grundstück herausholen, Wahnsinn.

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Da gibt es auf engstem Raum einen Teich mit Koi-Karpfen, einen Bachlauf, wunderschöne Steine, die ein Gebirge in Miniatur darstellen, Skulpturen, Steinlaternen,

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sorgfältig mit dem Rechen bearbeitete Sandflächen, fotogen verkrüppelte Bäume und hohe Hecken, die die Nachbargrundstücke ausblenden. Und wo man über die Hecken in das entfernte Gebirge schaut, ergänzt die Form der Hecken den Verlauf der Bergkette auf wundersame Art.

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Und jedes Gärtchen ist anders…

 

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Und einmal lief auch ein Mann herum, der so aus-

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sah, wie wir uns einen Samurai in Zivil vorstellen. Weiss nicht, ob der echt war?

Hier hätte ich noch lange umherwandern können, aber da sollte ja noch das Sandbad kommen. Ich hatte keine Ahnung, was das sein sollte, und mit dieser Ahnungslosigkeit befand ich mich auch in bester Gesellschaft.

Aber man sah schon während der Fahrt, dass diese Insel wohl besonders nah an der Subduktionszone liegt. Vulkane, wohin man auch schaute.

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Und Teeplantagen
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Und eine Denkmalrakete (Raketendenkmal?)

 

 

 

 

 

 

Das Sandbad stellte sich als vulkanischer Sand heraus, der durch Thermalwasser, das von unten heraufquoll, erhitzt wurde. In diesem Sand wurden wir eingebuddelt, nachdem wir vorher einen langen Marsch durch einen gewaltigen rosa Hotelkasten absolviert hatten und uns in  sogenannte Yukatas hüllen mussten.

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Wir dachten ja, das wären Kimonos, aber nein, es waren Yukatas, darauf bestand man. Seeeehr bequem. Und sie sahen auch noch irgendwie gut aus, sehr lässig. Wenn das Hotelmanagement soweit gedacht hätte, die zum Kauf anzubieten, hätte ohne Zweifel jede und jeder Einzelne im Bus mindestens eine gekauft. Aber sie haben nicht gedacht. Schade.

Im diesem heissen Sand eingebuddelt zu liegen fühlte sich überaus heilsam an und für die ersten paar Minuten auch sehr gut. Aber lange hielt man das nicht aus. Dann freute man sich über das kalte Wasser im Pool. Wäre sicher eine sehr schöne Idee für einen Senioren-Wellness-Urlaub. Kampf den Zipperlein.

Danach Mittagessen im rosa Hotel. Japaner scheinen sich darauf eingeschossen zu haben, dass man Gästen aus dem westlichen Ausland Schnitzel anbieten muss. Aber hier war es wenigstens aus Kalbfleisch.

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Und das Dessert war zwar undefinierbar, aber sehr hübsch angerichtet und schmackhaft.

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Nur als ich dem Kellner sagte, ich hätte gerne ein Glas japanischen Weisswein, wurde er ungehalten – den könne man nicht trinken, der tauge nichts, ich solle Pinot Grigio trinken. Er wollte mir partout nicht glauben, dass der Wein aus Sapporo besser ist als sein Pinot Grigio. Meine Tischnachbarn tranken Schnaps aus Süsskartoffeln. Habe ich probiert. Muss ich nicht wirklich haben.

(Übrigens, ich probiere immer erst einmal, was man mir vorsetzt, wenn es nicht zu schnell wegläuft. Danach kann ich immer noch sagen, dass ich es nicht mag. Von vornherein ablehnen, mit der Begründung, dass ich das nicht mag, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was und wie es ist, halte ich für, hm, sagen wir mal, nicht sonderlich schlau. Ich hätte viel zu viel Angst, etwas zu verpassen!)

Danach fuhren wir spazieren, genossen prächtige Ausblicke auf Seen und Vulkane,

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einschliesslich eines sehr aktiven solchen, dem Sakarojima. Mal hatte er eine kleine, mal eine grosse Rauchfahne,

_IGP4490.JPGeine Zeitlang sogar zwei.

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Das muss schon spannend sein, dort zwischen lauter Vulkanen in einem derart aktiven Gebiet zu wohnen.

Einmal hielten wir unterwegs noch an, um eine Raststätte an einem See mit besonders schönem Ausblick auf einen perfekten Vulkan zu besuchen.

 

_IGP4459.JPGErsatz für den Fujiyama, der sich ja vor uns versteckt gehalten hatte. Dort gab es Schnitzereien zu kaufen, Schnitzereien, sage ich…

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Nur schnell weg, ehe es wieder teuer wird…

 

 

 

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Übrigens, Kagoshima bot wieder eine ganz tolle Show zum Abschied:

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Noch ein letzter Blick auf den eifrig qualmenden Sakarojima:

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Und nun zum Rezept:

Tempura-Garnelen mit Kartoffelsalat

Tempura-Garnelen

Rohe Garnelen, möglichst gross und so viele, wie ihr schafft

Kopf, Panzer und Darm entfernen, Schwänze dranlassen. Gut abtropfen lassen.

Für den Teig:     Fertige Teigmischung

oder

1 Eigelb

ca. 300 ml Eiswasser

ca 250 g Tempuramehl

Vermischen und leicht aufschlagen.

Garnelen mit Mehl bestäuben, danach in den Teig tunken und in 170°C heissem Öl fritieren. Anschliessend auf Haushaltspapier abtropfen lassen.

 

Kartoffelsalat (für 4 Personen)

8-10 mittelgrosse , mehlig kochende Kartoffeln

2 Waschmöhren

1 kleine Gurke (am besten sind die kleinen Einmachgurken, wenn sie gerade Saison haben, aber davon dann 2)

1 Ei

1 Zwiebel

2 EL junger Gemüsemais

Japanische Mayonnaise nach Geschmack (gibt es bei Amazon)

1 Schuss Milch

½ Tl Wasabi (oder weniger, wer’s nicht so scharf mag

Kartoffeln in der Schale kochen, danach pellen und grob zerdrücken; es sollten noch hie und da Stücke erkennbar sein. Ei hart kochen und danach sehr fein hacken. Karotten raspeln und in kochendem Wasser blanchieren, abschütten. Zwiebel und Gurke in hauchdünne Scheibchen schneiden und mit Salz kneten, damit überschüssiges Wasser, Bitterstoffe und Schärfe austreten und die Scheiben elastisch werden. Anschliessend gründlich abspülen und auf Haushaltspapier abtropfen lassen. Alle Zutaten vermischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und abkühlen lassen.

 

 

 

Unterwegs in Japan und Korea

Teil 2

Shimizu, Kobe und Kochi

Nach dieser anrührenden Ausfahrt aus dem Hafen von Yokohama kam zunächst einmal die obligatorische Seenotrettungsübung. Bisher lief das immer so ab, dass man sich die Schwimmweste aus dem Schrank schnappen und zum Treffpunkt laufen musste. Von da ging es dann in der Gruppe, die in ein Rettungsboot passen sollte, weiter auf’s Promenadendeck, wo alle die Schwimmweste anlegen mussten und nach ein paar mehr oder minder lustigen Worten wieder entlassen wurden. Hier hat man sich den Teil mit den Rettungswesten und dem Promenadendeck gespart. Wir haben uns in einem bestimmten Bereich des Theaters versammelt, hörten eine kurze Ansprache an und durften wieder gehen.

Für das Abendessen konnte man wählen zwischen „Early Seating“ um 18 Uhr, „Late Seating“ um 20 Uhr und „Open Seating“ – da konnte man selbst entscheiden, wann man hungrig war. Ich hatte mich für das Open Seating entschieden, alldieweil ich ein freiheitsliebender Mensch bin, ging aber vorher noch kurz in die Bar, die mir bei der ersten Besichtigung am besten gefallen hatte – ganz vorne und weit oben im Schiff mit einer riesigen Fensterfront. Ich bestellte mir eine Margarita, nachdem ich erfreut festgestellt hatte, dass die in meinem Getränkepaket in unbegrenzten Mengen enthalten war und tat mein Bestes, um mit dem Barkeeper Freundschaft zu schliessen. Erstens war er sehr nett und zweitens bietet das beachtliche Vorteile: man kriegt immer einen Platz an der Bar, auch wenn sie eigentlich geschlossen ist wegen irgendeiner Veranstaltung, zu der man eigentlich keinen Zutritt hat…

Nach der Margarita schritt ich dann mutig zum Speisesaal – und schleunigst wieder weg: die Schlange war mir denn doch zu lang. Offenbar wollten viele Leute, so wie ich, frei und unabhängig zu Abend essen und mussten nun anstehen, bis irgendwo ein Platz frei wurde. Also noch einmal zum Bufettrestaurant, irgendetwas gegessen, was keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat (das ist mir dort auch nur ein einziges Mal passiert, als ich chinesische Bratnudeln „spicy“ probierte – also, ich kann wirklich scharf, aber das war ungeniessbar!) und zurück zur Bar. Noch ein bisschen geschwätzt und ab ins Bett.

Am nächsten Morgen sind wir in den Hafen von Shimizu eingelaufen. Der Name sagte mir bei der Buchung, ehrlich gesagt, absolut gar nichts, aber von hier aus sollte es Ausflüge mit gutem Blick auf dem Fujiyama geben. Und ich hatte auch einen gebucht, der in den höchsten Tönen angepriesen wurde. Fahrt zum Hakone National Park, sensationeller Rundgang durch ein  geothermisches Gelände, romantische Minikreuzfahrt auf dem romantischen Ashi-See in dem sich der Fuji so wunderschön spiegelt.

Das Wetter war grauslich, die Wolken hingen tiefer als meine Augenlider (schlecht geschlafen). Die Fahrt zum vulkanischen Gebiet zeichnete sich dadurch aus, dass man meistens nicht viel sah, weil die Autobahnen von Schall- und Sichtschutzwänden flankiert wurden. Allerdings wurde sie durch eine kurze Pause an einer Autobahnraststätte unterbrochen, und die fand ich nun wirklich sensationell. Und muss jetzt auf ein etwas degoutantes Thema eingehen: Toiletten! Wer schon gelegentlich einmal in Asien unterwegs war, weiss, dass die häufig ein Thema sind, über welches man den Mantel des Schweigens und des Vergessens breiten möchte. Nicht in Japan, jedenfalls nicht in den nördlicheren Gefilden Japans. Ich kam aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus. Eine riesige Toilettenanlage, extrem sauber, geradezu luxuriös eingerichtet und, wie schon in Tokio und Yokohama beobachtet, alle Toiletten mit Intimdusche, modernster Technik und einer „Musikanlage“ versehen, mit der genante Personen die Geräusche übertönen konnten, welche sie auf dem stillen Örtchen produzierten. Zur Wahl standen Klassik oder Wellenrauschen…

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                                    Wahnsinn!

 

 

Dann ging es weiter zum Vulkanismus. Schlechte Sicht, wohin man schaute, Dampfsäulen, die aus Fumarolen emporstiegen und sich, so schnell sie konnten, mit dem Nebel vermischten.

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Näher heran durften wir nicht, da gerade gesteigerte Aktivität konstatiert worden war – also fiel der Rundgang aus. Man schaute sich eine Skulptur eines in Schwefelwasser gekochten Eis an: die werden von aussen schwarz, sollen innen aber ganz normal aussehen und schmecken und wurden für seeehr teures Geld im Souvenirladen verkauft.

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Zum Glück gab es ein kleines Museum, in dem die besonderen geologischen Bedingungen Japans und dieses Gebietes erklärt wurden und man sich auch informieren konnte, für welche Beschwerden und Erkrankungen welche vulkanischen Emissionen (Dämpfe, Thermalquellen, Erden) gut sein sollten.

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Vom Fujiyama war nichts zu sehen, obwohl wir alle die Schilder belagerten, welche die besten Aussichtspunkte anzeigten und angestrengt in die Wolken starrten.

Die Weiterfahrt zum Ashi-See wurde vom Führer mit Anekdoten über seine Schwiegermutter gewürzt. Dann ging es zur Anlegestelle. Der See ist recht gross und auf ihm fahren Fähren in Form von ziemlich grossen Piratenschiffen hin und her. Was ein Piratenschiff auf einem japanischen Binnensee verloren hat, erschloss sich niemand so richtig, aber wir hatten ja immer noch Hoffnung, einen  Blick auf den Fuji zu erhaschen, vorzugsweise mit Spiegelung im See.

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Deshalb rasten wir alle hinauf auf das höchste Deck, wo wir trotz kaltem Fahrtwind und Nieselnebel dicht aneinandergepresst standen und uns gegenseitig zeigten, wo wir den Berg vermuteten. Weiter vorne im  Schiff war bis auf ein indisches Hochzeitspärchen alles leer, aber das war nur für Passagiere Erster Klasse – da durften wir nicht hin. Aber auch von da hätten wir den Fuji nicht gesehen.

Am anderen Ende des Sees ging es dann wieder zum Bus, der gemütlich, warm und leer  um den See herumgefahren war und nachdem auch die letzte Dame endlich eingesehen hatte, dass es keinen  Sinn machte, nach einem Souvenirladen zu suchen, weil nämlich keiner da war, zurück zum Schiff. Unterwegs sahen wir, wie überall in Japan, enorm viele Golfplätze, das sind verhältnismässig kleine Plätze mit sehr hohen Zäunen drum herum, wo man auf einer Seite in mehrstöckig auf- und aneinandergereihten Verschlägen stehen und sein Golfbälle schlagen konnte.

Zurück im Hafengebäude gab es dann eine Ecke, wo Touristen traditionelle japanische Kleidung anprobieren – und kaufen – konnten. Da hatten viele Leute sehr viel Spass, weil sie in der Aufmachung schon recht lustig aussahen und die japanischen Verkäuferinnen ihnen auch sehr liebevoll halfen, die richtigen Accessoires auszuwählen.

2018-10-15 13.36.59 HDR.jpgEin paar Verkaufsstände gab es auch, wo man lokale Souvenirs, gewaltigen Kitsch, Jacken, Stolen und Tischläufer aus zerschnittenen alten Kimonos und auch richtige Kunst kaufen konnte. Ein ziemlich alter Mann sass über seine Tuscharbeiten gebeugt und produzierte sehr feine Repliken bekannter japanischer Kunstwerke, für die er erschreckend wenig Geld haben wollte. Als ich ihm ein paar abkaufte und mir Sorgen machte, dass er sich die Augen kaputt macht, hat er mir gleich noch eins dazu geschenkt.

Und wieder auf’s Schiff. Frisch machen und auf zur Bar.

Heute war ich schlauer und ging kurz vor Beginn des Late Seating zum Speisesaal, wo ich den Maître d‘ (= Oberkellner) bat, mir einen Platz an einem Tisch mit lustigen Leuten auszusuchen. Er schaute mich etwas zweifelnd an und strebte dann gemessenen Schrittes zu einem Tisch, den er für geeignet ansah. Es war eine ausgezeichnete Wahl!

Am Tisch sassen bereits 2 Amerikanerinnen, eine Anwältin und eine Biologin, und noch ein amerikanisches Ehepaar, beides Ingenieure, die ursprünglich aus Rumänien in die USA eingewandert waren. Alle vier freuten sich sehr über den Zuwachs und meinten, der Tisch sei gar zu leer gewesen, denn ausser ihnen gehöre nur noch ein Kanadier dazu, der aber entsetzlich schüchtern sei. Der kam dann auch bald, und wir bemühten uns mit vereinten Kräften, ihn von seiner Schüchternheit zu befreien (nach 3 Abenden hatten wir ihn so weit, dass er Twist tanzte – und gar nicht mal so schlecht…) Ausserdem gehörte noch eine Inderin zu uns, die mit phantastischem Schmuck, grosser Eleganz und sehr lässiger und humorvoller Überlegenheit glänzte. Unter ihrer kenntnisreichen Anleitung haben wir die – sehr schlecht ausgebildeten – Kellner langsam aber sicher in den Wahnsinn getrieben.

Ein paar Tage später stiess dann noch ein weiterer Kanadier dazu, aber der liess sich nicht oft am Tisch blicken. Ich nehme an, er war zu enttäuscht von uns. Wir haben ihn wohl nicht im gewünschten Ausmass bewundert, denn am ersten Abend schwadronierte er uns gewaltig etwas vor über seine und seiner nicht mitgereisten Ehefrau Gutheit. Sie seien sehr wohlhabend und nähmen aus der Güte ihres Herzens Kinder kanadischer Indianer auf, die man ihren Eltern weggenommen hätte, da diese Menschen, die er als Aborigines bezeichnete, nicht in der Lage wären, Kinder zu ordentlichen Menschen zu erziehen. Statt des erwarteten Beifalls erntete er aber zu seiner grossen Enttäuschung Empörung. Ich nehme an, dass er deshalb die meisten Abende irgendwo verbrachte, wo er andere Passagiere beeindrucken konnte. Inzwischen habe ich ein bisschen recherchiert und herausgefunden, dass die kanadischen Indianer tatsächlich von vielen als Aborigines bezeichnet werden, was wir stark bezweifelt hatten. Auch die Praxis, ihnen die Kinder wegzunehmen wegen ihrer behaupteten Unfähigkeit, hat es wohl lange Zeit gegeben; die Kinder wurden dann in Erziehungsanstalten gesteckt. Wie gut das den Kindern getan hat, darüber möchte ich  lieber nicht spekulieren. Aber inzwischen habe man das aufgegeben und liesse Kinder und Eltern in Frieden, heisst es bei Wikipedia. Übrigens lese ich gerade ein Buch zu diesem Thema, Indian Horse, von Richard Wakamese, das ich alles Interessierten nur wärmstens empfehlen kann – man ist wirklich sehr, sehr unmenschlich mit diesen Leuten umgegangen.

Wir andern hatten sehr viel Spass und verliessen den Speisesaal meist erst lange nach allen anderen, hörten unterwegs noch ein wenig Musik, tanzten, wenn es an irgendeiner Ecke Tanzmusik gab. Am liebsten blieben wir bei zwei jungen Musikerinnen hängen, die auf ihren skelettartigen elektronischen Instrumenten von Klassik bis Pop alles spielen und zwar überaus gut.

Die Ankunft in Kobe war spektakulär – schon von Weitem leuchtete uns eine feuerrot angestrichene Brücke entgegen, die sich neben der Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe über die Hafeneinfahrt schwang. Als wir näher kamen, sah ich dann, dass an der Anlegestelle riesige Netze mit Luftballons festgehalten wurden und während wir anlegten, wurden diese Ballons in den Himmel entlassen.

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Hier würden wir über Nacht bleiben, was mir sehr recht war, denn ich war wild entschlossen, in Kobe herauszufinden, was es mit dem berühmten Kobe-Beef auf sich hat. Zuhause hatte ich das ja schon einmal ausprobiert, aber keinen gravierenden Unterschied zu normalen Steaks gefunden.

Aber zunächst einmal ging es nach Osaka. Zuerst besichtigten wir einen Shinto-Schrein, den Sumiyoshi Taisha, der sich durch eine bezaubernde Bogenbrücke auszeichnete.

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Wie bei allen diesen Schreinen = Tempeln geht es durch einen Tori und dann an einem Brunnen vorbei, wo man rituell die Hände waschen und den Mund ausspülen soll.

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Leider habe ich sonst nicht so viel über die Bedeutung der einzelnen Gebäude mitbekommen, denn unsere Führerin  sprach bemerkenswert schlecht Englisch. Und, wohl um das auszugleichen, wiederholte sie jede Äusserung bis zu fünfmal. Sehr ermüdend und irgendwann haben wir wohl alle abgeschaltet und uns abgeseilt. Schön ist die Anlage auf jeden Fall.

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Votivgaben der etwas anderen Art

 

 

 

 

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Anschliessend ging es durch die Stadt _IGP3525.JPG

und an vielen Pachinko-Palästen (da

frönen viele Japaner gerne dem

Glücksspiel) vorbei

 

 

zum Schloss, das Shogun Toyotomi Hideyoshi 1583 in Fornm einer riesigen Pagode erbauen liess. Das Schloss mit der gleichzeitig errichteten umgebenden Siedlung wurde sein Verwaltungssitz.

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Allerdings wurde es schon 1617 anlässlich eines Krieges völlig zerstört. Und wieder aufgebaut. Im Innern des Schlosses geht es über viele Etagen voller wunderschöner Kunstwerke, interessanter Artefakte und lesenswerter Erklärungen hinauf zum Rundgang in der obersten Etage, von wo der Ausblick über Osaka wirklich sehr prächtig ist.

 

 

 

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Ein gewaltiger Stein

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Und abends wollte ich in die Stadt, Kobe-Beef essen. Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, mit einem Taxi zu fahren, aber direkt an der Anlegestelle gab es eine Haltestelle der Monorailbahn von Kobe. Und ein bisschen Abenteuer muss ja auch sein (ich kenne mich mit dem ÖPNV nicht so aus – da, wo ich wohne, ist der nicht so toll organisiert). Also auf zum Bahnhof. Fahrkarte kaufen. Fahrkartenautomat. Immerhin, nach einer Weile stand ich freudig überrascht da mit einer Fahrkarte in der Hand. Und eine Japanerin, die meine Bemühungen milde lächelnd beobachtet hatte, versicherte mir, dass ich tatsächlich alles richtig gemacht und eine Rückfahrkarte gekauft hätte. Der Durchgang zum Bahnsteig war offen, aber als ich hindurchgehen wollte, schnellte mir plötzlich eine Barriere ziemlich schmerzhaft in den Bauch. Meine Japanerin erklärte mir, dass ich die Fahrkarte in einen  Schlitz stecken musste, damit die Schranke wieder aufgeht. Und begleitete mich fortan, bis sie mich an der richtigen Station nach draussen expediert und in die richtige Richtung gedreht und mir auch noch erklärt hatte, wie ich wieder zurück komme. Spitze!

Ich lief also durch das frühe Nachtleben von Kobe, aber meine Richtung hatte ich bald verloren, denn unter den Gleisen breitet sich ein enges, aber lichter- und farbenfrohes Gässchen nach dem anderen aus. Es gab ja so viel zu gucken. Und überall stand „Kobe-Beef“ angepriesen.

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Nun hatte man mir ja auf dem Schiff geraten, mein Testessen in Chinatown durchzuführen, da es dort sehr viel preisgünstiger wäre. Chinatown musste ja ganz in der Nähe sein, ich konnte es aber nicht identifizieren, alles war bunt, die Leuchtreklamen zuckten und waberten. Die Schriftzeichen liessen auch keine eindeutige Identifikation zu, und es gab so viel zu gucken – also, ich hatte mich schlicht und einfach verlaufen.

Nachdem ich vergeblich versucht hatte, ein paar Passanten nach dem Weg zu fragen, dachte ich es sei am besten, erst einmal in Richtung Geschäfte und Kaufhäuser zu gehen. Nach kurzer Zeit kam ich dort auch an einen Info-Stand, wo mir zwei hilfsbereite Frauen erklärten, dass ich ganz in der Nähe von zwei hervorragenden Spezialrestaurants sei und malten mir auf einen kleinen Stadtplan, wo ich war und wo die Restaurants waren. An denen war ich schon ein paar Mal vorbeigelaufen, aber die hatten keine auffällige Leuchtreklame. Macht ja auch Sinn; wenn sie zu den besten ihrer Art gehören, haben sie das nicht nötig. Ich ging also in eines hinein und bat um einen Tisch. Reserviert hatte ich natürlich nicht, so dass ich keinen Platz an der Teppanyaki-Theke bekommen konnte, aber einen normalen Tisch hatte man für mich, weiter oben. Das Restaurant, das Morya hatte eine winzige Grundfläche, aber dafür eine Menge Etagen.

Die Kellnerin, die meine Bestellung aufnehmen wollte, sprach glücklicherweise etwas Englisch und beriet mich, denn man konnte zwischen verschiedenen Fleischstücken wählen und Menus mit 2 oder 3 Gängen nehmen. Nach einem verschreckten Blick auf die Preise waren mir 2 Gänge genug. Jetzt ging es zu den Getränken: Wasser natürlich, aber ich wollte auch probieren, ob in einem derart exklusiven Restaurant nicht nur das Fleisch, sondern auch der Sake besser war als zuhause. Ich bestellte also Sake als Aperitif und Riesling zum Essen, was die Kellnerin mit seltsamen Blicken quittierte. Nachdem wir geklärt hatten, dass ich Sake wollte, den man kalt trinkt – der wäre besser als der, den man warm trinkt – zog sie los, und ich lehnte mich in froher Erwartung zurück und beobachtete die Vorgänge an der Teppanyaki-Theke.

Nach ein paar Minuten kam sie wieder, und ich verstand sehr schnell die seltsamen Blicke ob meiner Getränkewahl. Hier gibt es Sake nicht in einem winzigen Gläschen! Sie brachte eine kleine Flasche, einen Kühl-Decanter und ein Glas und zelebrierte das Servieren des Sake. Und ich bestellte meinen Riesling schleunigst wieder ab!  2018-10-16 19.08.54.jpg

Es dauerte nicht lange und meine Vorspeise kam an. Keine Ahnung, was das war, aber es schmeckte hervorragend.

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Als ich damit fertig war, kam sie wieder, zeigte mir ein unglaublich perfekt marmoriertes Stück Fleisch, roh, und erkundigte sich besorgt, ob mir dieses gefiele.

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Oh ja, und ob. Wenig später kam sie wieder, das Fleisch war kurz gebraten, duftete einfach köstlich, war eigentlich nur von ein paar Gewürzen (helle Sojasauce, mildsüsse Chilisauce, Meersalz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer und geröstete Knoblauchscheibchen), und ein paar Scheibchen gegrillter Zucchini, Lotoswurzel und Shiitake umgeben – und unvergleichlich.

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Gleich danach kam sie noch mit einem Tellerchen Sprossen, die mit den kleinen Fleischfetzchen gebraten worden waren, die beim Trimmen des Steaks angefallen waren.

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Ich kann leider nicht in Worten beschreiben, wie gut das alles war – es gibt dafür keine Worte, glaube ich.

Nach dem Essen wollte ich natürlich noch ein wenig herumlaufen, aber es war noch Sake übrig. Was tun? Zurücklassen wollte ich ihn nicht. Austrinken konnte ich ihn nicht. Und auf’s Schiff mitnehmen durfte ich ihn nicht. Hm. Aber halt, Wasser darf ich mitbringen zum Schiff. Also fragte ich die Kellnerin, ob sie mir den Rest in ein kleines Wasserfläschchen umfüllen  könne. Sie war höchst amüsiert, dass ein erwachsener Mensch seinen Sake verstecken muss, aber so ist es nun einmal auf Kreuzfahrtschiffen…

Sie füllte mir den Sake in ein sehr edles kleines Perrier-Fläschchen, und ich brachte ihn sicher und geborgen in meiner Handtasche zum Schiff.

Übrigens, beim Abendessen am nächsten Tag haben zwei meiner Tischgenossinnen erzählt, dass sie sich auf die Empfehlung verlassen hatten, Kobe-Beef in Chinatown zu essen, und sie waren bitter enttäuscht. Wäre völlig normales Steak gewesen.

Bin ich froh, dass ich Chinatown nicht gefunden habe…

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Am nächsten Tag ging es dann nach Kyoto und Nara.

Und ich muss gestehen, dass ich enttäuscht bin. Gut, es war klar, dass all die Lobgesänge auf Kyoto sich auf die Kirschblütenzeit beziehen, und im November blühen auch in Japan keine Kirschbäume – aber trotzdem habe ich mehr Parks und mehr Atmosphäre erwartet.

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Vielleicht muss ich noch einmal hin und die Stadt allein erkunden. Laut Internet gibt es Parks und Atmosphäre sehr wohl…

Immerhin war der Todaiji-Tempel sehr interessant

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und in dem umgebenden Nara-Park konnten wir uns alleine bewegen, viele kleinere Schreine, Tori und Steinlaternen ansehen

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und versuchen, mit den zahllosen Hirschen ins Gespräch zu kommen, die aber wenig Wert auf eine Unterhaltung legten – die wollten gefüttert werden und machten das auch unmissverständlich klar.

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Auch japanische Eltern putzen ihre Kinder zu besonderen Anlässen gerne ein wenig heraus

Da Nara die erste echte Hauptstadt Japans war, vermutet man im Boden des Parks noch zahlreiche Fundamente ehemals wichtiger Bauten und Artefakte. Die Archäologen sind hier eifrig am Werk.

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Die anderen Schreine haben nur eine schwache Erinnerung hinterlassen, nur der Goldene Pavillon in Kyoto, der zweiten Hauptstadt Japans, der sich so wunderschön in seinem Teich spiegelte, hat einen bleibenden Eindruck gemacht.

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Und zu allem Überflusss wurden wir für das Mittagessen in ein Hotel einer amerikanischen Kette verfrachtet und bekamen „Wiener Schnitzel“aus Hühnerfleisch. Ich wird es nie verstehen!

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Laut Wikipedia gibt es sowohl in Nara als auch in Kyoto noch unglaublich viel zu bestaunen – vielleicht lässt sich ja doch einmal ein Besuch zur Kirschblütenzeit einrichten…

Immerhin habe ich im Souvenirladen zwei Paar prachtvolle Stäbchen ergattert – aber ich fürchte, sie sind nur zum Sammeln geeignet, ich würde nie wagen, damit zu essen. Sie sind viel zu schön!

Am nächsten Tag legten wir in Kochi an. Dort hatte ich einen Ausflug nach Sakawa gebucht, der als „Walking-Tour“ angepriesen wurde. Warum, weiss ich allerdings nicht, denn man musste bei allen Ausflügen ziemlich viel laufen und mir taten immer ein wenig die Gehbehinderten leid, die auf Krücken und im Rollstuhl unterwegs waren und tapfer die Warnhinweise missachtet hatten, dass die jeweilige gebuchte Tour erforderte, dass man gut zu Fuss ist. Sie mussten ziemlich oft unten oder draussen bleiben. Ist natürlich nicht wirklich schlau, derartige Hinweise zu missachten, aber andererseits macht man ja eine derartige Kreuzfahrt nicht, um auf dem Schiff zu hocken. Das wäre billiger und bequemer gegangen.

Aber immerhin, die Bezeichnung „Walking Tour“ hat funktioniert: wir waren eine sehr kleine Gruppe in einem sehr grossen Bus.

Hier hatten wir eine sehr sympathische und kundige Führerin, die auch einwandfrei Englisch sprach. Sie brachte uns zuerst zu einem wunderschönen Aussichtspunkt und der Statue eines lokalen Helden

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und anschliessend hinunter zu einem prächtigen Strand, an dem man leider wegen starker Unterströmungen nicht schwimmen durfte. Wir hatten unser Badezeug ganz umsonst mitgeschleppt.

Danach fuhren wir durch beschauliche Landschaften mit Bergen und Seen, Reisfeldern und Bambushainen und kamen schliesslich bei dem kleinen Städtchen Sakawa an. Ein echtes Highlight!

Nicht nur war hier überwiegend traditionelle Architektur zu bewundern, _IGP3856.JPGman durfte auch in die Häuser, also in einige,

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und in die Sake-Brauerei

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und in den buddhistischen Tempel.

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Guan Yin, weibliche Inkarnation des Buddha

Ich lernte hier mit meinen Sandalen umzugehen, die sich so schlecht schliessen lassen. Wenn man alle paar Minuten die Schuhe aus- und wieder anziehen muss, hat man irgendwann eine gewisse Übung. Wir wurden geführt von 2 Honoratioren des Ortes, die sich uns zu Ehren als weise alte Männer (nehme ich an!?) herausgeputzt hatten.

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Ich habe nicht so ganz mitgekriegt, welche Funktionen sie wirklich hatten, aber einer war wohl der Chef der Brauerei. Und führte auf eine überaus liebenswerte Art und Weise. Es war nicht zu übersehen, wie stolz er auf sein Städtchen und seine Brauerei ist.

Zur Einstimmung durften wir ein Modell des Zentrums bewundern, sehr liebevoll von den Einwohnern gestaltet.

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Dann ging es in die Brauerei zum Schauen und Probieren, in den Dorfladen, wo viel Selbstgemachtes angeboten wurde, in den Tempel, in das eine oder andere Wohnhaus samt zugehörigem Gärtchen

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und zum krönenden Abschluss ins Restaurant, wo man uns etwas servierte, was ich nur als japanische Tapas bezeichnen kann. Auf grossen Platten und Schüsseln kamen Unmengen verschiedenster Kleinigkeiten auf den Tisch, äusserst liebevoll zubereitet und angerichtet und von hervorragender Qualität.

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Da waren, Sushi, Pastetenscheiben, Tempura, alle möglichen Gemüse, Meeresfrüchte einschliesslich Hummer, Schnecken und so manches, was wir nicht identifizieren konnten. Dazu konnten wir den Sake bestellen, den wir gerade gründlich verkostet hatten, und als zum Ende der Mahlzeit der Koch erschien, um unser Urteil zu hören, waren wir uns alle einig: der Junge soll nach New York kommen, oder München, oder, oder…

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Aber er wollte nicht. Er fühlte sich verpflichtet, das Restaurant weiterzuführen, das sein Vater, sein  Grossvater, sein Urgrossvater, usw., auch schon geführt hatten und seine Fähigkeiten weiter zu verbessern. Schade, sehr schade.

Zurück am Hafen hing an einem der Zelte ein Schild, dass man hier Wifi habe, also hinein, Mails gelesen und geschrieben, Whatsapp-Nachrichten ditto und zufrieden zurück zum Schiff. Sehr lange hielt die Zufriedenheit allerdings nicht vor, denn bei der Personenkontrolle stellte ich fest, dass Pass und Bordkarte weg waren. Voller Panik meine Tasche umgekrempelt und dann zurückgerannt, zu dem Wifi-Zelt, denn anderswo konnte ich sie eigentlich nicht verloren haben – hoffte ich! Und tatsächlich, als ich näher kam, stand da ein freundlich lächelndes indisches Ehepaar und wedelte mit meinem Pass. Uff, noch mal gut gegangen. Ist doch gut, dass man so oft mehr Glück als Verstand hat!

Übrigens wird in Kochi am Hafen gerade ein gewaltiger Tsunami-Damm gebaut. Sehr hoch ist er allerdings nicht. Unsere Führerin klang da auch recht besorgt.

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Tja, jetzt fehlt zu diesem Beitrag nur noch ein Rezept. Für Kobe-Beef wird es keines geben, denn da fehlt hier die wichtigste Zutat.

Aber ich hätte da ein schönes Rezept für

Gegrillte Auberginen

2-3 Auberginen

1 cm geraspelter Ingwer

3-4 EL Brühe

1-2 EL helle Sojasauce

An den Auberginen den Stiel kurz abschneiden, die Haut der Auberginen mehrmals der Länge nach von der Spitze bis zum Stiel einritzen. Auberginen auf den heissen Grill legen, mehrmals wenden, damit alle Seiten gleichmässig gar werden. Wenn die Haut braun ist und sich ablöst, Auberginen in Eiswasser legen, Haut abziehen. Brühe und Sojasauce vermischen, über die kleingeschnittenen Auberginen verteilen. Mit Petersilienblättchen und einer kleinen Menge Bonitoflocken bestreuen.

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Unterwegs in Japan und Korea

Teil 1

Anreise, Tokio und Yokohama

 
Nach Japan wollte ich ja schon immer mal. Und vor nicht allzu  langer Zeit habe ich wieder einmal James Clavell’s Buch „Shogun“ gelesen und war ordentlich angefixt. Da kam  mir eine Werbung des Reiseveranstalters„Dreamlines“ gerade recht: Eine Kreuzfahrt, die fast alle Stätten in Japan berührte, die ich mir gerne einmal ansehen wollte und als kleines Leckerle obendrauf 3 Häfen in Südkorea und zum Abschluss eine Stippvisite in Shanghai.

Selten so schnell gebucht, denn ich gewann den Eindruck, dass das Angebot sich grosser Beliebtheit erfreute und bald ausgebucht sein würde. Das stellte sich dann zwar als eine Fehlinterpretation meinerseits heraus, denn bei der Kreuzfahrtgesellschaft direkt gab es noch reichlich Kabinen, aber mit den Arrangements von Dreamlines hatte ich schon öfter sehr gute Erfahrungen gemacht. Also teilte ich meine Sonderwünsche mit – vorher ein bisschen Tokio, ohne Führungen, aber mit Transfer zum Hotel und zum Schiff und nachher in Shanghai erst recht keine Führungen, aber Transfers zum Hotel und zum Flughafen und ein ganz besonderes Hotel.

Es fiel den Mitarbeitern von Dreamlines nicht ganz leicht, mit meinem Verzicht auf Führungen klarzukommen, aber sie akzeptierten es schliesslich schweren Herzens und buchten mir ein zentral gelegenes Hotel in Tokio und mein Wunschhotel  in Shanghai: das Peace Hotel, das mit der berühmten Jazzband. Da wollte ich schon immer einmal wohnen, aber bisher hatte sich das nie ergeben. Früher war es unter chinesischer und nicht sehr professioneller Leitung und dann wurde es eeeewig umgebaut. Aber jetzt ist es fertig, gehört zur Fairmont-Gruppe und die Jazzband spielt wieder Jazz, wie ich gehört hatte und wie sich das gehört.

 Am 9. Oktober packte ich also meine Koffer – Herbst: erfahrungsgemäss waren auf diesen Breitengraden so einige kalte Tage und im Süden Japans auch ein paar warme zu erwarten = arg viel Gepäck!  -,  brachte den Hund ins Hundehotel und flog am 10. ab. Dreamlines hatte mich auf die Fluggesellschaft von Hong Kong, Cathay Pacific, gebucht, damit war ich sehr zufrieden. Der Abflug fand bei gutem Wetter statt, so dass es mir gelang, sogar ein paar gute Fotos von Frankfurt aus der Luft zu schiessen.

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Los geht’s

 

Und kurz vor der Landung in Hong Kong solche vom Sonnenaufgang zwischen 2 dicken Wolkenschichten,

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ansonsten war der Flug recht bequem, das Essen gut, vor allem merkwürdigerweise die Tomatensuppe; ich liebe Tomaten in jeder nur erdenklichen Form, ausser in Tomatensuppe, aber an die hätte ich mich gewöhnen können. Und der Flug war genau so, wie ein Flug sein soll: kein bisschen aufregend.

 Die Ankunft in Tokio war angenehm, die Passkontrolle freundlich, auffällig war nur, dass ein Beamter wohl der festen Überzeugung war, dass ich unbedingt etwas Verbotenes dabei haben müsste: er zeigte mir wieder und wieder Bildchen von Waffen, Hasch und Ecstasy-Pillen und fragte, ob ich wirklich ganz sicher sei, das nicht bei mir zu haben. Aber schliesslich musste er doch lachen, als ich sagte, er solle mal genau hinschauen, ob ich wirklich so gefährlich aussehe.

 Das Wetter wirkte etwas trübselig, aber es war angenehm warm, mein Hotel, das Park Hotel Tokyo, lag genau so zentral und günstig, wie mir Dreamlines das versprochen hatte, denn ich erlaufe mir fremde Städte ganz gern, und das ist ja schon schwierig, wenn man irgendwo weitab wohnt. Allerdings war das gebuchte Zimmer so winzig, dass entweder mein Gepäck ODER ich hineingepasst hätten, und das Fenster ähnelte stark einer Schießscharte, aber gegen einen geringen Aufpreis durfte ich umziehen in ein sehr hübsches – und grosses – Zimmer mit einem traumhaften Ausblick über die Stadt. Und weil man kein Einzelzimmer verfügbar hatte, das meinen Wünschen entsprach und mir deshalb ein Doppelzimmer mit Zusatzbett (die perfekte Kofferablage! ;-))  geben musste, bekam ich zum Trost noch eine Schachtel wunderbare Pralinen…

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Verhaltensanweisungen für alle Fälle,

einschliesslich Erdbeben – sehr beruhigend!

 

 

 

Ja, hm, Tokio. Ich war ja davon ausgegangen: Stadt wie jede andere; ein ganzer und zwei halbe Tage langen dicke: bisschen Ginza, bisschen Palast und kaiserliche Gärten, vielleicht noch irgendein Tempel und aus.

Also, gelegentlich irre ich mich.

Doch, das kommt vor!

 Am ersten, halben, Tag war ich voll damit beschäftigt, die verschiedenen Ebenen zu untersuchen, auf denen sich Leben und Verkehr dort abspielen,

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Fussgängerebenen

und natürlich die ersten paar hundert Meter Ginza. Am zweiten, ganzen, Tag, einem Freitag, zog es mich zu den kaiserlichen Gärten.

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Freitags haben die zu!

 

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Die Kaiserlichen Gärten von

aussen.

 

 

 

 

 

Der dritte, halbe, Tag wurde weitestgehend darauf verschwendet, das Chaos im Koffer, das ich an den beiden vorangegangenen Tagen angerichtet hatte, halbwegs transportabel zu gestalten.

Fazit? Ich muss noch  mal nach Tokio! Nicht mal den Tempel, den ich von meinem Fenster aus klar und deutlich sehen konnte, habe ich geschafft! Und auch nicht den rot angemalten Eiffelturmverschnitt, auf den man dort offenbar mächtig stolz ist!

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Hoffentlich wirft mein Blog irgendwann einmal genug ab für einen extensiven Besuch in Tokio.

Ich muss mehr arbeiten…

Aber jetzt erst einmal ein paar Eindrücke.

Japan ist ganz und gar nicht, was ich erwartet habe, wirklich nicht.

Schon allein diese extreme Sauberkeit und Ordnung! Und auch der Gesamteindruck – wenn da nicht die fremdartige Schrift überall wäre, käme man gar nicht auf die Idee, in Asien zu sein.

Und dann die Leute!

Ich glaube, hilfsbereitere und höflichere Leute gibt es nirgendwo. Und noch dazu denken sie, ehe sie ihre Hilfeleistung in Angriff nehmen.

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Zum Beispiel war ich zutiefst beeindruckt von einer Verkäuferin im Ginza-Kaufhaus Matsuya Ginza: ich trinke ganz gerne abends ein Gläschen Wein, vorzugsweise trockenen Riesling. In der Minibar in meinem Zimmer gab es Wein, aber der Preis war doch arg astronomisch. Ich machte mir die grössten Sorgen, dass ich jetzt abstinent leben müsste. Geht zwar, aber…

Also führte mich mein Initialausflug über die Ginza zu besagtem Kaufhaus. Übrigens, ich kann kein Japanisch. Aber ich fand den Weinverkauf im Kaufhaus. Und es gab deutschen Weisswein. Und es gab eine Verkäuferin. Die konnte eher wenig Englisch.

Aber auf Nachfrage kannte sie das Wort Riesling. Und fand mir einen erstklassigen Deidesheimer. Sie suchte sodann im Kühlschrank, weil sie sich dachte, dass ich den Wein bald trinken möchte. Wurde  fündig. Hat die Flasche mit Kühlpacks und Folie umwickelt, in eine Tragetasche gepackt und mit viel Zeichensprache strahlend mitgeteilt, dass ich sie gleich geniessen kann, wenn ich wieder in meinem Zimmer bin.

Der Wein war teuer. Aber im Vergleich zur Minibar? Und das Erlebnis, eine solche umsichtige und fürsorgliche Verkäuferin kennenzulernen, ist sowieso mit Geld nicht zu bezahlen.

Überhaupt umsichtig: es gibt in Tokio an allen Ecken und Enden „rest houses“, wo der erschöpfte Touri sich erholen kann. In manchen KANN man etwas zu essen oder zu trinken bestellen, aber man muss nicht. Ist das nicht super? Einfach bequem an einen Tisch setzen, schauen, was die Leute ringsum so treiben, Fotos auf dem Kamerachip kontrollieren. Und, wenn die Füsse nicht mehr weh tun, weiterlaufen.

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So schön kann man auf der Terrasse eines „rest houses“ sitzen und sich erholen, ohne dass man auch nur einen einzigen Yen ausgeben muss.

 

 

Am zweiten Tag, als ich zu den -geschlossenen – kaiserlichen Gärten wanderte, war ich dafür ziemlich dankbar.Man läuft ja nicht schnurgerade zum Ziel, man sieht hier was, denkt, man habe dort etwas gesehen und muss natürlich gleich nachschauen. Gut, dass es im Hotel erstklassige Stadtpläne zum Mitnehmen gab. (Die Strassenschilder sind glücklicherweise alle zweisprachig.) So konnte ich nach der Enttäuschung mit den Gärten leicht zum Bahnhof und der darunter befindlichen Ramenstrasse finden.

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Ramen kennt ihr doch? Diese herrlichen Nudelsuppen. Und unter dem Tokioter Bahnhof folgt ein Ramen-Restaurant auf das andere. Ich bin fast ganz sicher, dass das, wo ich endlich einen freien Platz fand, koreanisch war. Aber die Nudelsuppe war auch dort überwältigend. Es gab halt Kimchi dazu. Schön scharf.

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Und unterwegs all die sehr disziplinierten Schulklassen auf Ausflug…

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Faszinierend!

Faszinierend fand ich auch ein italienisches Restaurant, das sein Speisenangebot in Plastik nachgebildet hatte, so wie es hierzulande manche asiatischen Restaurants tun – sehr exotisch!

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Und Baumkuchen…   Foto 12.10.18, 13 17 56.jpg

 

 

 

 

Und elegante Damen im Kimono…

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Überhaupt sind die meisten Japanerinnen sehr, sehr chic, wenn auch eher selten im Kimono.

Abends habe ich dann im Hotel gegessen: Wagyu-Rind. Ist schon etwas anderes als das, was hierzulande gelegentlich als Wagyu verkauft wird.

Und es gab einen erstklassigen Wein dazu, japanischen! Chardonnay aus Sapporo. Auch das kam etwas unerwartet.

Überhaupt kann ich das Hotel samt seinem Restaurant nur wärmstens empfehlen. Die Lage ist perfekt, das Zimmer war gemütlich und der Service hervorragend. Vor allem der Concierge war unübertrefflich. Wenn ich wissen wollte, wo oder wie etwas geht und seine Erklärung nicht verstand, ist er kurzerhand mit mir losgezogen und hat mir gezeigt, was ich wissen musste.

Nach dem Abendessen wollte ich noch in meinen Unterlagen nachschauen, wann ich am nächsten Tag abgeholt werde. Alle Unterlagen waren spurlos verschwunden!

Panik!!!

An der Rezeption meinten sie, das könnte  locker das Zimmermädchen gewesen sein, das meine Unterlagen für Altpapier gehalten hätte. Schwer vorstellbar, aber auch in Japan gibt es Probleme, in der Gastronomie qualifiziertes Personal zu bekommen. Und ich war schon ziemlich sicher – trotz Jetlag -, dass ich sie am Vorabend noch in der Hand hatte, aber in dem Zustand macht man manchmal auch komische Sachen… Ich denke, die Hotelleute hielten sich an die Regel „der Gast hat immer Recht“.

Jedenfalls hatte ich zum Glück alles fotografiert, und die Jungs an der Rezeption haben mir alles ausgedruckt und ihre Kollegin hat mich getröstet und mein „Risikomanagement“ schwer bewundert.

Falls ich es wirklich noch einmal nach Tokio schaffe, werde ich ganz sicher wieder dort wohnen wollen.

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Beim Frühstück am letzten Morgen in Tokio traf ich noch ein Ehepaar aus Hamburg, die Interessantes und Erschreckendes über die Rote Flora und den G20-Gipfel zuberichten wussten – die schwarzen Kohorten dort hätten ein ganzes Jahr im Voraus Krawall trainiert, sich auf ihren grossen Tag vorbereitet und die Polizei hätte nur zugeschaut… es sei auch allgemein bekannt, dass dort schwarze Geschäfte am laufenden Band getätigt werden, aber selbst das Finanzamt hätte Angst. Wenn es doch nur vor mir auch Angst hätte…

Bin schon doch ganz froh, dass ich dort nicht leben muss.

Nachdem ich dann meine Koffer irgendwie gezwungen hatte zuzugehen, mich am Empfang des Park Hotel Tokyo und beim Concierge herzlich verabschiedet und versichert hatte, dass ich ganz gewiss wiederkomme, wurde ich nach Yokohama zur Anlegestelle meines Schiffes gebracht.

Also, wann Tokio aufhört und Yokohama anfängt, lässt sich beim besten Willen nicht feststellen. Interessantes zum Gucken gab es auf der ganzen Strecke nicht, da war es gut, dass mein Fahrer hervorragend Englisch sprach – er hatte lange Zeit in Kalifornien gelebt – und sehr kommunikativ war. Und natürlich kamen wir auch auf die Politik zu sprechen. Er bedauerte uns Deutsche zutiefst, weil wir doch das mit den Flüchtlingen hätten. Bei ihnen in Japan könnte sowas zum Glück nicht passieren, bei Inseln könnte man halt die Grenzen besser schützen. Was sollte ich dazu sagen, man muss ja auch wollen…

Die Einschiffung war hervorragend organisiert. Da muss ich Celebrity Cruises wirklich ein Kompliment machen. Ich war in Rekordzeit an Bord der Millennium. Aber leider nicht in der Kabine,  die war nicht fertig, und sie sollte auch noch eine ganze Weile nicht fertig werden. Aber das war nicht weiter schlimm, ich habe mir ein Gläschen Wein an einer der Deckbars geholt (zu meiner Kabine gehörte ein Getränkepaket) und dem Treiben am Kai zugeschaut.

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Yokohama hat die Anlegestelle für Kreuzfahrer wirklich sehr attraktiv gestaltet. Und den Japanerinnen zuzuschauen, wie sie Hula trainierten, war höchst unterhaltsam.

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Übrigens,das Getränkepaket, ich hatte sowas vorher noch nie und wusste nicht so recht,  wie es funktioniert, und bis zur Einschiffung hat man mich pausenlos mit Mails traktiert, in denen ich aufgefordert wurde zuzuzahlen, damit ich ein besseres Getränkepaket kriege. An Bord habe ich dann herausgefunden, dass ich die meisten Weine und Cocktails, frischgepresste Säfte und Wasser, Kaffee und Tee sowieso in unbegrenzten Mengen trinken kann – für was braucht man da ein Upgrade? Ich kann doch nicht extra für die eine Reise zum Alkoholiker mutieren!

Nun, irgendwann war mein Glas leer und die Kabine fertig, das Gepäck stand vollzählig davor, aber der Schlüssel funktionierte nicht. Habe bei Guest Relations um Hilfe gebeten, wurde beschieden, dass sofort jemand kommt– aber es kam niemand. Warten, warten, warten, schliesslich habe ich den Kabinensteward erwischt, und der hat den zuständigen Kollegen herbeizitiert. Der arme Kerl war ziemlich genervt, die Frau von Guest Relations hatte ihn unter der Dusche erwischt, wusste, dass es dauern würde, war aber nicht schlau genug, jemand anderen zu schicken. Naja, jetzt schloss er mir auf, programmierte den Schlüssel korrekt. Ich zog ein und fand als Nächstes, dass der Safe nicht funktionierte. Auch das wurde behoben und irgendwann hingen die Kleider im Schrank, die Koffer waren unter dem Bett und ich konnte mein vorübergehendes Heim inspizieren.

Die Kabine sah aus, wie solche Kabinen halt aussehen: ein schmaler Schlauch, vorne auf einer Seite Schränke, auf der anderen Seite eine winzige Nasszelle, dann weitet sich der Schlauch so weit, dass Platz ist für ein Bett, an dem man sich gerade so vorbeizwängen kann, dann noch auf einer Seite ein kleiner Frisier(oder Schreib-)tisch, auf der anderen ein Minisofa mit Minitischchen, ein kleinerBalkon.

Sah alles schon ein bisschen abgenutzt und verrostet aus. Aber was soll’s, das Bett war bequem, die Dusche funktonierte, wenn sie auch gerne etwas mehr Druck hätte haben können. Und es war ja nicht für immer…

Jetzt war es Zeit für eine Informationsrunde durch das Schiff – die Millennium ist ja schon arg gross: 294 m lang, 32,2 m breit, 999 Mann Besatzung, Platz für 2460 Passagiere. Da  gibt es viel zu erkunden. Zunächst ging ich mal zurück dahin, wo die ganzen Schalter sind, an denen Passagiere Rat und Hilfe finden sollen und stellte erfreut fest, dass es geschickt war, meine Ausflüge schon zuhause am Computer zu buchen. Die Schlangen am Ausflugschalter waren gewaltig, und man hörte nur immer wieder „sorry, this excursion is already fully booked“

Dann musste ich nachschauen, wo die Pools sind, was für Sportmöglichkeiten es gab, welche Restaurants und welche Bar mir am besten gefallen würden. Auch das Theater musste ich besichtigen, denn erfahrungsgemäss wird man da immer wieder mal hingeschickt, um sich für einen Ausflug, eine Übung oder einen Vortrag zu versammeln.

Noch ein kurzer Schaufensterbummel (Glück gehabt, da scheint es nichts zu geben, was ich dringend brauche, ohne dass ich das vorher gewusst hätte) und dann Abendessen im  Bufettrestaurant, ein Glas Wein und ab ins Bett, endlich das Jetlag wegschlafen.

In Yokohama blieb das Schiff über Nacht vor Anker,

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und für den nächsten Morgen hatte ich schon einen kleinen Ausflug gebucht. Es ging zum Sankeien-Park, gefolgt von einer kleinen Stadtrundfahrt.

Auf den Park war ich sehr gespannt, denn ich liebe die alten Parkanlagen in China und hegte die Hoffnung, dass die Japaner das mindestens genauso gut könnten und die Schönheit des Parks noch durch die Herbstfärbung des Laubs gesteigert würde. Nun, der Park ist wirklich sehr schön, aber von buntem Herbstlaub konnte noch keine Rede sein.

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Auch in Japan hat das Wetter dieses Jahr verrückt gespielt, und die meisten Bäume waren der festen Überzeugung, es sei nochSommer. Nur der Lotosteich hatte schon aufgegeben und sah recht zerrupft aus. _IGP3153.JPG

 

Zum Ausgleich durften wir uns das historische Wohnhaus eines hochrangigen Samurai anschauen. Zwar nur von aussen, aber die Shoji waren zurückgeschoben,so dass sich die Räume weit nach draussen öffneten.

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Ach so, Shoji: das sind Schiebetüren, oder eigentlich eher Schiebewände, aus Holz, im oberen Teil mit „Fensterscheiben“, die traditionell aus Papier bestehen. Heute verwendet man allerdings meist Glas, wenn man noch im traditionellen Stil baut.

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Während der Stadtrundfahrt erzählte der Führer, dass wir in Kyoto noch viele schöne Parks sehen würden, und ich hörte mit Staunen, wie auf den Sitzen hinter mir ein Mann fragte: „Do we go there?“ (kommen wir dahin?) und eine Frau antwortete: „I don’t know, must check the list! But I’ve seen that word, I think…“ (Keine Ahnung, muss auf der Liste nachsehen, aber dieses Wort habe ich gesehen, glaube ich…) Gut vorbereitet …

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Wir waren noch am Vormittag wieder zurück im Hafen, so dass jede Menge Zeit war, Yokohama noch ein wenig auf eigene Faust zu erkunden. Als erstes musste ich ganz dringend zum Oktoberfest!

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Ja, Ihr lest richtig! Oktoberfest! Das kam schon etwas unerwartet, wie so vieles hier. Man musste Eintritt bezahlen und dann kam man auf einen Festplatz mit Bierzelten und Bratwurstständen und Japanern in Lederhosen und Japanerinnen im Dirndl, beide verunziert durch einen grellen hohen Plüschhut in Form eines Bierkruges.

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Faszinierend!

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Umrahmt war der Festplatz von zwei langen Gebäuden aus Ziegelsteinen, ehemals Warenlager, heute gefüllt mit interessanten kleinen Läden und Restaurants. Das war schon eher etwas und hier fand ich auch schon die ersten 2018-10-14 12.00.59.jpgReisemitbringsel: Küchengeräte! Kühlschrankmagnete, die Tempurashrimps, Chilies und angebissenen Schokoladetafeln zum Verwechseln ähnlich sahen!

Und noch dies und das für die Zuhausegebliebenen. Mittagessen gab es im Bufettrestaurant, eine wilde Mischung aus Ost und West: Tom Yam Suppe (Thailand),  Tacos (Mexiko), Fisch und Seafood (Japan), Spaghetti marinara (Italien), Kaffeegelee mit geröstetem Tofupulver (Asien, aber wo?) und eine wunderbare Eiskrem mit Geschmack nach geröstetem grünem Tee (China? Japan?) Hochinteressant, und ich werde im Frühjahr definitiv versuchen, diese Eiskrem nachzubasteln…

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Im Restaurant: die Artefakte waren unbeabsichtigt, da sind Leute vorbeigelaufen…

Satt und zufrieden lief ich dann noch ein wenig herum, bewunderte Tanzgruppen in traditionellen Kostümen (zumindest nehme ich an, dass es traditionelle Kostüme waren – was weiss schon ein Tourist…) 2018-10-14 11.06.19.jpg

und landete schliesslich noch in einem wirklich sehenswerten Seidenmuseum. Ausser mir war da nur noch der Eintrittskartenverkäufer. Man erfuhr nicht nur alles über die Seidenherstellung und –verarbeitung, es waren auch wunderbare Stoffe und Gewänder ausgestellt. Leider Foto 12.10.18, 13 27 32.jpgwar das Licht nicht zum Fotografieren geeignet, so dass ich hier nur einen besonders hübschen Kimono zeigen kann, den ich in Tokio in einem Schaufenster gesehen hatte.

Aber dann wurde es auch bald Zeit, zum Schiff zurückzu- kehren. Man möchte ja nicht gleich am ersten Tag mit hängender Zunge als Letzte einlaufen.

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Nach dem Auslaufen sollte noch die obligatorische Seenotrettungsübung stattfinden, aber bis dahin war noch reichlich Zeit zu beobachten, was so am Kai alles vor sich ging. Es wurde wieder getanzt, in einer anderen Ecke versammelten sich festlich gekleidete Menschen zu einer Hochzeitsfeier.

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und im Lauf der nächsten Stunde zogen immer mehr Menschen heran, die mit leuchtend gelben Tüchern und Fähnchen bewaffnet waren.

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Und als wir dann mit Musikbegleitung ausliefen, winkten uns alle diese Menschen mit ihren gelben Tüchern und Fähnchen begeistert zu und riefen „Sayonara  = Auf Wiedersehen“. _IGP3333.JPG

Das war so rührend, dass eine Menge Leute an Bord feuchte Augen kriegten –

ich auch.

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Nun, ich denke an dieser Stelle werde ich den ersten Abschnitt meines Berichts beenden. Aber da meine Webseite ReisenFuttern(Nach)kochen heisst, kommt schon mal ein erstes Rezept. Natürlich für Ramen, habe schliesslich gleich nach meiner Heimkehr ein erstes Rezept ausprobiert: Tonkotsu Ramen. Soweit ich es überblicken kann, heisst Tonkotsu Schweinefleisch, und ich habe mir damit mit dem mir eigenen Geschick ein ungewöhnlich schwieriges Ramen-Rezept ausgesucht. Deshalb gibt es auch kein Foto davon, denn das Ergebnis meiner Bemühungen war zwar äusserst schmackhaft, war aber nichts für’s Auge…

Tonkotsu Ramen

Man braucht für 1 grosse oder 2 kleine Portionen:

500 ccm Brühe

2 Päckchen Ramen-Nudeln (gibt es getrocknet oder frisch zu kaufen)

2 EL Shiodare:

            50 g Meersalz

            300-350 ccm Wasser

            4 kleingeraspelte Zwiebeln mittlerer Grösse

            5 zerdrückte Knoblauchzehen

            3 cm frischer Ingwer, fein gehackt

 Alles vermischen, aufkochen, 10 Minuten reduzieren. Reste lassen sich gut portionsweise einfrieren.

1 EL Schweineschmalz

 172 TLKatsuobushi-Salz:

             10 g Bonito-Flocken

              10 g grobes Meersalz

Bonito-Flocken leicht anrösten und zusammen mit dem Salz im Mörser oder Mixer fein zermahlen.

200 g Chashu in Scheiben:

            200 g Schweinelende

            Marinade:       25 ccm Sojasauce

                                        50 ccm Sake

                                         50 ccm Mirin-Essig

                                        15 g Zucker

                                        2 grob gehackte Frühlingszwiebeln

                                        1 grosse zerdrückte Knoblauchzehe

                                         1 ½ cm Ingwer, grob gehackt

                                         1 Echalotte, grob gehackt

Fleisch in Scheiben schneiden. Die einzelnen Scheiben aufrollen und mit Kordel binden. Marinade in eine hitzebeständige Schale geben, Fleisch hineinlegen und zugedeckt im Backofen bei ca. 80°C für ca. 2 ½ Stunden garen. Abkühlen lassen. Die zusammengerollten Fleischscheiben ihrerseits in feine Scheiben oder Streifchen schneiden und in etwas Butter von allen Seiten anbraten.

2 Frühlingszwiebeln, der Länge nach in dünne Streifen geschnitten

Einige Nori-Blätter

Brühe, gekochte Nudeln, Shiodare, Chashu und Katsuobushi-Salz müssen vorab vorbereitet sein.

Laut Originalrezept soll man Schweinefleischbrühe verwenden, aber ich habe meine Brühe aus gemischten Fleischsorten verwendet, die ich immer eingefroren vorrätig halte.

Brühe erhitzen. Nudeln in Salzwasser garen.

Shiodare in eine Suppenschale geben, Schweineschmalz und Katsuobushi-Salz darüber. Etwas heisse Brühe dazugiessen. Nudeln darüber und zuoberst das Chashu-Fleisch. Jetzt mit der kochenden Brühe aufgiessen. Mit den Frühlingszwiebelstreifen und einem Nori-Blatt dekorieren. Fertig.

Man kann auch noch ein pochiertes Ei auf die Suppe gleiten lassen und etwas Erdnusspulver darüber geben.

 

Es gibt zweifellos einfachere Ramen-Suppen. Am einfachsten sind natürlich die aus der Tüte. Ich liebe die mit Seafood-Geschmack von Nissin. Natürlich darf man da nicht nach dem Nährwert fragen. Aber sie schmecken…

Wahrscheinlich fragt Ihr Euch jetzt, wo man all diese Zutaten herkriegen soll.  Im Rhein-Main-Gebiet gibt es da eine hervorragende Adresse, nämlich das Asialand in Frankfurt-Höchst, Hostatostrasse 20. Das ist ein regelrechter Asien-Supermarkt, und Ihr findet dort sämtliche Zutaten ausser Frischfleisch und der Brühe und werdet auch noch sehr gut beraten. Und ich bin sicher, anderswo gibt es vergleichbare Adressen.

 

 

Dieses war der erste Teil, der zweite mit meinen Erlebnissen in Shimizu, Kobe (vor allem Kobe!) und Kochi ist bereits in Arbeit.

Ein paar Tage in Rio

 

 

Eigentlich wollte ich jetzt zuerst über meine Antarktiskreuzfahrt schreiben, oder über die Maremma.

Aber ich habe gerade einen akuten Sehnsuchtsanfall:

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Rio de Janeiro

Es war ein Traum von frühester Jugend an, und endlich konnte ich dort sein.

Nur ein paar Tage, aber die Sehnsucht wird mich wohl nie wieder loslassen.

Genau jetzt, im verschneiten Wald, umgeben von Nebel und nasser Kälte, möchte ich wieder an der Copacabana sitzen, Caipi trinken und dem Leben um mich herum zuschauen.

Ich möchte mich wieder von Pedro durch die Stadt kutschieren lassen und mit ihm über das Leben – seins und meins – diskutieren.

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Ich möchte wieder stundenlang durch die Stadt stromern und einfach nur Schönheit geniessen.

Ich möchte wieder am Kai sitzen und den Möwen zuschauen und mit wildfremden Menschen wild philosophieren.

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Ich möchte wieder in dieser unglaublich überladenen und zugleich unglaublich schönen Kirche sitzen und leicht zerrupften gregorianischen Gesängen lauschen. Und dabei den innigen Glauben und die Hingabe der Menschen um mich herum geradezu körperlich spüren.

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Rio war so lange ein Sehnsuchtsort. Nun war ich dort und es ist mehr denn je ein Sehnsuchtsort…

Aber von Anfang an:

Ich hatte Dreamlines gebeten, mir im Anschluss an die Kreuzfahrt noch zwei Anschlussprogramme zu organisieren – Iguazu (das wird ein eigener Beitrag, war so überwältigend, muss ich erst noch verkraften) und Rio.

Ich landete in Rio bei strömendem Regen – IMGP2568.JPGnicht so ganz das, was man erwartet. Aber der Fahrer war nett, hat unterwegs viel erklärt und viele nützliche Tips gegeben

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und mich dann zu einem sehr gepflegten Mittelklassehotel direkt an der Copacabana gebracht, dem Windsor Excelsior Copacabana.

 

Ok, der Blick auf Meer und Strand war ein bisschen schräg, aber Zimmer und Bad IMG_9382.JPGwaren komfortabel und gut ausgestattet, das Frühstück war hervorragend und die Mitarbeiter(innen) an der Rezeption erste Sahne.

Und wie wohl alle, die in Rio in ein Hotel einchecken, erhielt ich ein kleines Geschenk und eine Einladung von H. Stern. Man freue sich so sehr darauf, mich kennenzulernen. Ach ja. Hätte ja die Einladung nur zu gerne angenommen, aber ich kenne mich: Versuchungen kann ich nur widerstehen, wenn sie abwesend sind. Das Risiko war mir viel zu gross.

 

Am ersten Nachmittag wollte ich sowieso nur eins – das leichteste Fähnchen anziehen, das ich dabei hatte, Sandalen, die leicht auszuziehen waren, ein kleines bisschen Bargeld in die Tasche und – COPACABANA!

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Trotz Regen war das erfreulicherweise kein Problem, denn es ist nicht wie hier bei uns; Regen heisst nicht eisige Kälte, scharfer Wind,  Schüttelfrost und Schniefnase. Hier heisst Regen einfach nur, dass die herrlich warme Luft nass ist und man auf’s Kämmen getrost verzichten kann. Also, los.

Zwischen der Copacabana und mir lag nur eine breite Strasse, die schnell überquert war. Dann kam eine Reihe von Strandlokalen, die sich nach rechts und links hinzogen, soweit das Auge reichte. Hm, soll ich erst zum Wasser gehen oder soll ich erst Speisekarten studieren? Erst mal ans Wasser!

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Hier gab es richtig schöne Wellen, die grün wie Jade leuchteten. Ein paar Surfer waren auch da. Über ihnen ein grosser Vogelschwarm, der wohl nachschauen wollte, ob es da etwas zu futtern gäbe; aber bei näherer Betrachtung waren ihnen die Surfer vielleicht doch einen Tick zu gross.

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Für Sport ist hier sehr gut gesorgt – es gibt alles, was man braucht, um Fussball, Beachvolleyball, Badminton und was weiss ich was noch zu spielen.

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Nach einer Weile wurde mir das Stapfen durch den nassen Sand aber dann doch etwas zu mühsam und ich beschloss, erst einmal Speisekarten zu studieren.

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Caipi und Corona gab es so ziemlich überall. Da musste ich nur noch

untersIMG_9444.JPGuchen, wo die Caipi am besten schmeckte. Essen war schon schwieriger. Da half nur durchprobieren.

 

Ich setzte mich also an einen der heute sehr vielen freien Tische, schaute auf’s Meer und die Wolken, hörte dem Regen zu, der auf den Plastiksonnenschirm plätscherte und bestellte erst einmal eine Caipirinha. Danach galt heftiges Überlegen: auf jeden Fall die Cassavatasche mit Shrimpfüllung, ach ja, und dazu die fritierten Calamari. Der Berg war riesig, und alles schmeckte sehr, sehr lecker.

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Aber danach brauchte ich dringend noch eine Caipirinha! Und dann war es auch schon Zeit zum Schlafengehen.

Hoffentlich würde das Wetter morgen besser…

Am nächsten Morgen ein hoffnungsvoller Blick Richtung Meer. Ach herrje, es regnet immer noch. Was soll ich denn jetzt mit dem Tag anfangen? Nach dem reichhaltigen Frühstück mit ganz hervorragendem Kaffee und sehr, sehr aufmerksamem Service ging ich dann erst einmal zur Rezeption und erkundigte mich nach den Möglichkeiten, eine Stadtrundfahrt zu machen.

Einen Hop-on-hop-off-Bus gibt es nicht. Sonst gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber alles klingt nicht so recht befriedigend. Da hat die Rezeptionistin noch eine weitere Idee: warum miete ich nicht ein Auto mit Fahrer – ist nicht so teuer, ich sehe in kürzerer Zeit viel mehr und habe es viel bequemer. Und der Fahrer würde anhalten, wann immer ICH das will.

Das klang richtig gut.

Der Preis war schnell ausgehandelt. Sie rief an, und eine halbe Stunde später stand Pedro am Empfang, um mich zu seinem frisch gewienerten Auto zu geleiten.

Das war wirklich die perfekte Methode, eine Stadt anzusehen. Wahrscheinlich habe ich eine ganze Menge Dinge nicht gesehen, zu welchen Touristen normalerweise geschleift werden. Aber dafür habe ich alles gesehen, was Pedro als Einheimischer besonders schön und sehenswert fand. Und noch dazu konnte ich mich mit ihm über das Leben in Rio unterhalten.

Das Leben in Rio scheint nicht gerade einfach zu sein. Zum einen gibt es übermässig viel Kriminalität. Mein Entschluss, nur in einem schlichten Sommerfähnchen oder Jeans herumzulaufen, ohne Uhr, ohne jeglichen Schmuck, ohne Karten, ohne grosse Kamera und nur mit einem kleinen Geldbetrag bewaffnet, war goldrichtig. Pedro meinte: “Dress like a carioca and they will think you are a native. Natives never carry anything valuable when they walk through town. So, the thieves know they’d be wasting their time.” Zum anderen sind die Einkommensunterschiede schon extrem. Dagegen ist die Schere, die hier nach Ansicht so vieler Leute so fürchterlich weit zwischen Arm und Reich klafft, einfach nur ein Witz, und nicht mal ein guter. Und es gibt allem Anschein nach kein soziales Netz, welches die Leute auffängt, die sich aus irgendeinem Grund nicht nach oben kämpfen können. Krank geworden? Pech gehabt. Zu alt zum Arbeiten? Dumm gelaufen. Eine Menge hungrige Kinder? Ja, und?

Es gibt in dieser wunderschönen Stadt mehr Armut und Elend, als man sich hierzulande vorstellen mag. Vielleicht habt ihr einmal den Film „Orfeo Negro“ gesehen? Die Geschichte von Orpheus und Eurydike im Karneval von Rio. Ein wunderbarer Film mit bezaubernder Musik, der nicht nur ausserordentlich spannend ist, sondern schon auch einen Eindruck davon vermittelt, wie die meisten Menschen hier leben.

Ich hätte mir ja gerne auch einmal die Favelas angesehen, oder wenigstens eine. Aber Pedro hat sich strikt geweigert. Sein Auto ist sein Lebensunterhalt, da kann er kein Risiko eingehen.

Stattdessen hat er mir viele wunderbare Ausblicke über  die Stadt IMGP2590.JPGund  die vielen Inseln und über das Meer gezeigt.

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Und die Innenstadt mit all den prächtigen Bauten.IMG_9573.JPG

Die allerdings zwei Tage später, bei Sonnenschein deutlich besser aussahen…

Und eine unglaubliche Treppe  mit ganz vielen verschiedenen Kacheln aus aller Welt. IMGP2707.JPG

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Eine Strasse, in der es kein Haus ohne Graffiti gibt.

 

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Den Zuckerhut von unten.IMGP2607.JPG

 

Das Sambadrom (menschenleer und bei dem Mistwetter wirkt es doch sehr betrüblich). IMGP2659.JPG

 

Eine hochmoderne Kirche mit Wahnsinnsfenstern – und ganz ohne Türen.

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Der Kirchturm steht daneben, als sei er dem Architekten gerade noch so im letzten Moment eingefallen. Und Märkte, auf denen man keinen einzigen Touri sieht. Und den riesigen Binnensee mitten in der Stadt.

 

 

Und San Bento, eine alte Klosterkirche, völlig überladen mit Gold und Schnitzarbeiten.

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Eigentlich kitschig, aber gerade, weil sie so total überladen ist, doch schon wieder schön.  San Bento ist berühmt für seinen Mönchschor: Gregorianische Gesänge. Das muss ich auch hören.

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Am Tag unserer Stadtrundfahrt gibt es keinen Gottesdienst, aber in 2 Tagen. Pedro will mich hinfahren.

Aber jetzt näherte sich unsere Stadtrundfahrt leider schon dem Ende. Ich muss auch gestehen, dass ich ziemlich erschlagen war von all den Eindrücken. Das schlechte Wetter hatte ich schon fast vergessen. Zurück im Hotel zog ich trockene Sachen an, denn inzwischen hatte es etwas aufgeklart, und überlegte, wo ich zu Abend essen wollte. Sowohl der Fahrer, der mich nach der Ankunft ins Hotel gebracht hatte, als auch die nette Rezeptionistin hatten mir Restaurants in der näheren und weiteren Umgebung empfohlen, aber eigentlich dachte ich, das Beste sei doch eine kleine Strandwanderung mit anschliessendem Essen in einer der Strandbars. Restaurants gibt es zuhause auch. Und wenn auch die Speisekarte in Rio sicher anders aussieht als in Frankfurt oder München, einen weltberühmten Strand und die dazugehörige Atmosphäre gibt es dort nicht.

Ich bin also wieder ein wenig durch den nassen Sand gestapft, habe den wenigen Enthusiasten bei der Leibesertüchtigung zugeschaut

 

und dann wieder Speisekarten studiert. Die Wahl fiel auf eine wilde Mischung aus allen möglichen Zutaten. Wurst, Seafood, allen möglichen Gemüsen und Pommes Frites. Wie das alles serviert würde, ging aus der Speisekarte nur so halbwegs hervor. Es sah dann so aus:

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Ein Riesenberg, den auch ein grösserer Mensch nicht geschafft hätte. Schon ein bisschen zum Fürchten, hat aber überraschend gut geschmeckt. Als ich satt war, den Berg kaum angekratzt hatte und kein Essen mehr sehen konnte, kam der Kellner und erkundigte sich, ob er meine Reste für die Bettler einpacken dürfe. Ja, natürlich durfte er. Daraufhin packte er alles vorsichtig in eine Plastiktüte und zwar so, dass es nicht unappetitlich wurde. Das machte schon nachdenklich…

Nach einer weiteren Caipirinha wanderte ich noch ein bisschen durch die Strassen der Umgebung. Aus vielen kleinen Lokalen drang Musik, die Berufstätigen eilten noch durch die Geschäfte, und ein Mitarbeiter eines sehr teuren Juweliers nicht weit vom Hotel fand offenbar, dass ich sehr wohlhabend wirkte und wollte unbedingt, dass ich in den Laden komme und etwas kaufe. Aber dummerweise hatte ich gerade so gar keine Zeit. Nächstes Mal ganz bestimmt…

Am Tag darauf hat es nicht mehr geregnet, dafür hingen die Wolken sehr tief, man sah vom Zuckerhut gar nichts. Der Christus auf dem Corcovado tauchte gelegentlich schemenhaft aus den Nebelschwaden auf,IMGP2595.JPG

so dass ich den Mut aufbrachte, mich zu erkundigen, wie man dorthin kommt. „Am besten mit den Sonderbussen, die ein Stück weiter am Strassenrand stehen.“ Ich musste eine Karte kaufen, dann zu den Minibussen gehen, die in Reih und Glied parkten und wurde dort einem Bus zugeteilt. Der fuhr durch die Stadt und durch ein nicht besonders verlockendes Viertel, dann durch ein Villenviertel, das schon ziemlich hoch oben lag. Dann musste man umsteigen in einen anderen Bus, und damit ging es dann ganz hinauf. Alles sehr gut durchorganisiert. Oben war dicke Waschküche. Man hatte mich ja bei der Kartenverkaufsstelle gewarnt, es sei heute kein guter Tag für den Corcovado, aber was soll man tun, wenn man nur so wenige Tage hat…

Ich stolperte recht unzufrieden zum Aussichtspunkt, beschloss, nicht in das dort geschickt positionierte Schnellrestaurant zu gehen – hatte eh keinen Hunger, und ohne Aussicht machte es irgendwie keinen Sinn, sich dorthin zu setzen – und stand eine Weile unschlüssig an der Brüstung herum.

Und Ihr werdet es kaum glauben, aber die Wolken rissen auf!

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Nicht lang, aber doch lang genug, um zu sehen, wie herrlich die Stadt mit ihrer wundervollen Bucht da unten liegt.

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Als die Wolken sich wieder schlossen, ging ich dann hoch zur Statue. Unterwegs war die ganze Anlage der Stadt mit Topographie und vielen Informationen zu besichtigen. Dann ging es viele Treppen hoch, zum Schluss auch noch eine IMGP2759.JPGRolltreppe und dann – Nebel. Während ich die Rolltreppe hinauf fuhr, kam immer mal schemenhaft ein riesiger, gespenstischer Umriss zum Vorschein.

Und plötzlich stand dann tatsächlich diese gewaltige Christusstatue in ihrer ganzen unnachahmlichen Hässlichkeit vor mir. Umgeben von Tausenden Touristen aus aller Welt.

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An strategischen Punkten hatte eine fürsorgliche Touristikbehörde (oder so) Matten ausgelegt. Auf diese Matten legten sich dann die Leute mit ihren Handies und fotografierten ihre Begleiter/innen aus dem Liegen vor der Statue.  Sehr merkwürdig.

 

 

IMGP2776.JPG Viele haben versucht, einen Eiffelturmeffekt zu erzielen, indem sie vorgaben, mit der Hand die Statue zu stützen, aber ich glaube nicht, dass die Perspektive dafür so recht geeignet war.

Ich habe mich damit begnügt, das hässlichste Souvenir zu kaufen, das ich jemals gesehen habe. Der Cristo Redentor (so heisst die Statue) mit samtiger Oberfläche in knallpink. Habe lange geschwankt zwischen Giftgrün und besagtem Knallpink, aber das Pink hat gewonnen, es war doch das Scheusslichere von den beiden. Die Idee dabei war eigentlich, das Ding jemand zu schenken, den ich nicht mag, aber zuhause musste ich dann feststellen, dass ich niemanden kenne, den ich SO wenig mag. Jetzt steht es auf der Fensterbank im Treppenhaus neben einer Queen Elizabeth mit Solarpaneel auf der Handtasche und Winkearm. Die hatte ein Nachbar gespendet, der wohl ähnlich motiviert war wie ich. Weiss nicht wer, niemand bekennt sich schuldig. Jetzt dürfen sich alle Hausbewohner an den beiden Mitbringseln erfreuen.

Die Rückfahrt zog sich dann etwas hin, die war offenbar nicht so perfekt organisiert. Man musste lange Schlange stehen, bis ein Bus kam, mit dem man hinunter zur Umsteigestation fahren konnte. Dort ging es dann allerdings flott. Und irgendwann am Nachmittag war ich wieder an der Copacabana und bin ein bisschen über die Touristenmärkte dort geschlendert. Dort gab es viele hübschere Souvenirs für die Leute, von denen ich auch unterwegs wusste, dass ich sie mag. Vögel aus Halbedelsteinen, Lederarbeiten, erstaunlich viel Macramé (dachte, das wäre längst aus der Mode…). Auf die prachtvollen Hängematten musste ich schweren Herzens verzichten – zu schwer für’s Flugzeug. Ausserdem müsste ich dafür ja zwei Bäume haben…

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So allmählich wurde es wieder Zeit für Caipirinha und Abendessen.

Heute wurden es Shrimps mit Bratkartoffeln, einer Art Mayonnaise und einem merkwürdigen Bällchen aus Cassavamehl (= Maniokmehl) mit Nüssen. Hat überraschend gut geschmeckt.

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Als ich fast fertig war und von den Bratkartoffeln (in sehr grossen Stücken) noch fast alles übrig war, kam eine Frau mit einem kleinen Mädchen an den Tisch, erkundigte sich höflich, ob ich ihr erlaube, die Kartoffeln zu nehmen. Und als ich „ja“ sagte, nahm sie sich eine Papierserviette, faltete sie sorgfältig auf und nahm sich damit die Kartoffelstücke ganz vorsichtig und geradezu elegant vom Teller.

Wow!

Darauf gleich noch eine Caipi!

Der Himmel fängt an, immer vielversprechender auszusehen. Vielleicht haben wir morgen, an meinem leider schon letzten Tag, endlich richtig gutes Wetter.

Ja! Gleich beim Aufwachen habe ich aus dem Fenster geschaut. Das war schon ein anderes Bild als am ersten Tag! Die Strasse war trocken, das Meer war blau, die Luft war klar und die Palmen wurden von einer sanften Brise leicht gewedelt. Jetzt aber schnell fertigmachen und frühstücken, damit ich Pedro nicht warten lassen muss, wenn er mich zu den Gregorianischen Gesängen abholt.

Bei der Kirche war ziemlich viel Andrang. Ich ging schon hinein, um einen Platz IMGP2638.JPGzu suchen und auch für Pedro einen freizuhalten, während er einen Parkplatz suchte. Aber er kam und kam nicht, und die Kirche wurde immer voller. Den Platz noch länger freizuhalten war ganz unmöglich. Während des Gottesdienstes kam immer wieder eine Einlage mit Gesängen; allerdings waren die sicher eindrucksvoller, als es im zugehörigen Kloster noch mehr Mönche gab. Und diese vielleicht auch ein bisschen jünger waren. Die paar alten Männlein und die hervorragende Akustik der Kirche gaben ihr Bestes, aber was bei mir im hinteren Teil der Kirche ankam, war doch recht schwächlich und dünn, ein bisserl zerrupft halt. Trotzdem war der Gottesdienst ein Erlebnis, denn die meisten Anwesenden schienen von so tiefer Religiosität und Inbrunst erfüllt, dass diese fast greifbar schienen.

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Danach fuhr Pedro mich noch zu einem Markt, den er besonders interessant fand für mich und entliess mich unter tausend Warnungen aus dem Auto – hier müsste ich meine Brieftasche ganz besonders festhalten! Das tat ich denn auch, obwohl ich öfter an mein Geld musste als erwartet – hier gab es wirklich schöne kunsthandwerkliche Arbeiten. Da mussten doch noch ein paar Mitbringsel gekauft werden. Dann musste ich mich von Pedro verabschieden, denn er hatte für den Nachmittag einen Auftrag.

Ich fuhr dann mit einem Taxi ins Zentrum und lief dort ein paar Stunden herum. Schon sehr eindrucksvoll. Selbst hier keine Stadt wie jede andere. Und als ich an einem düsteren Torbogen vorbei kam, hörte ich laute Musik und Lachen.IMG_9561.JPG Da musste ich natürlich nachschauen: allem Anschein nach ein Strassenfest. Eine Band spielte, viele Leute hatten viel Spass bei Barbecue, Rotwein und Bier. Am liebsten hätte ich mich dazugesetzt, aber es gab noch so viel zu gucken! Schliesslich, als ich müde wurde, setzte ich mich für eine Weile auf eine Bank am Hafen, schaute den Möwen zu und den Schiffen, die gelegentlich weiter draussen vorbeizogen und freute mich auf’s Abendessen.

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Das wurde dann – wie überraschend! – Caipirinha, fritierte Calamari mit Cassava in noch einer anderen Variante

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und heute, da Sonntag war, auch Musik und Tanz (bei dem ich allerdings nur zuschaute. Manchmal ist es doch ein Nachteil, allein unterwegs zu sein).

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Am Strand war heute richtig viel los. Alle Möglichkeiten, Sport zu treiben, wurden lebhaft genutzt.

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Viele machten Picknick unter Palmen. IMG_9602.JPGVerkäufer liefen von einem zum anderen und versuchten, Erdnüsse und Souvenirs Made in China an den Mann und an die Frau zu bringen.

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So hatte ich mir die Copacabana eigentlich auch vorgestellt. Schade, dass das schon mein letzter Abend war…

 

Und jetzt zu ein paar Rezepten.

 

Das wichtigste ist natürlich die

Caipirinha

Ist zwar nicht zum Essen, aber dafür mit dem vielen Vitamin C sicher unheimlich gesund.

1 Limone in Spalten oder Stücke schneiden, Rohzucker nach Geschmack dazu geben.

Limonen mit dem Zucker gründlich im Glas stampfen, bis der Zucker weitgehend im Limonensaft gelöst ist, mit Eiswürfeln auffüllen, Pitu oder Cachaça dazu. Ein bisschen umrühren.

Wie stark ihr sie macht, müsst Ihr selbst entscheiden.

Rezepte für fritierte Calamari oder Shrimps muss ich euch sicher nicht aufschreiben.

Aber ich denke, der grosse Berg, mit dem ich nicht fertig wurde, das war so eine Art

Feijoada.

In den Rezepten steht die zwar immer als so eine Art Eintopf, eher suppig, aber sie soll sehr variabel sein. Ich habe sogar ein Rezept für Feijoadaklösse gefunden, aber das schiebe ich noch vor mir her. Sonst habe ich halt ein bisschen herumprobiert, und das ist dabei herausgekommen:

Zutaten:

300 g Bohnen, grosse schwarze oder Kidney

5-600 g verschiedene Fleischsorten: Schwein, Rind, gerne auch teilweise gepökelt oder geräuchert

200 g Paprikawurst, Cabanossi oder Chorizo in Scheiben

100-150 g Bacon, gewürfelt oder in kleine dünne Scheiben geschnitten

Wahlweise eine Handvoll Garnelen, mit oder ohne Schale

1 Zwiebel, fein gehackt

2-3 Knobauchzehen, zerdrückt

4 El Olivenöl

Frischgemahlener Pfeffer

1 Lorbeerblattt

1 Prise Kreuzkümmel, frisch gemörsert

1 Prise Koriandersamen, frisch gemörsert oder gemahlen

Und zur Dekoration:

1 paar Basilikumblätter

und eine unbehandelte Orange, beides zur Dekoration

 

Zubereitung:

Am Vortag die Bohnen gründlich waschen und in reichlich Wasser einweichen. Das Fleisch würfeln und mit dem zerdrückten Knoblauch und frisch gemahlenem Pfeffer, evtl. auch einem Schuss mildem Essig vermengen und über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Vormittags die Hälfte der gehackten Zwiebeln mit dem Bacon, Lorbeerblatt und Kreuzkümmel anbraten, die Bohnen samt Einweichwasser dazugeben und 1-2 Stunden köcheln. Währenddessen die restlichen Zwiebeln und das Fleisch in Öl andünsten und ca. 1 ½ Stunden schmoren. Dann zu den Bohnen geben, die Wurstscheiben dazu und alles zusammen mit gerade so viel Flüssigkeit, dass nichts anbrennen kann, köcheln, bis die Bohnen weich sind.

Was sich bei meinen Versuchen gut gemacht hat, war, mit Rotwein aufzugiessen, wenn die Flüssigkeit verdampft war.

Zum Schluss die Garnelen in Öl braten, bis sie schön rosig sind, und in die Mischung aus Fleisch und Bohnen geben – nicht mehr kochen! Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Anrichten mit Orangenscheiben und Basilikumblättern dekorieren.

Das ist jetzt nicht so trocken wie in der Strandbar, aber ich finde, es schmeckt besser…

 

Und der merkwürdige Ball war

Farofa.

Denke ich.

Zutaten:

 200 g Maniokmehl

50 g feingehackten Bacon

50 g Schweineschmalz oder Palmöl (manche Rezepte verlangen sogar Butter, aber ein neutrales Öl tut es auch)

50 g gehackte Erdnüsse

Salz

Zubereitung:

Das Maniokmehl trocken in der Pfanne anbraten, allmählich das Schmalz zugeben, bis das Mehl gerade anfängt, sich zu bräunen. Separat den Bacon und die Erdnüsse rösten.

Beides mit dem Maniokmehl vermischen. In kleinen Schälchen, die mit Schmalz oder Butter ausgestrichen wurden, formen, stürzen und mit ein paar gerösteten und gehackten Erdnüssen garnieren.

 

Toskana: Florenz

Mit dem Auto nach Florenz – also, ich weiss wirklich nicht, ob ich mir das noch einmal antue.

Beim vorletzten Besuch wurde ich von TomTom und einer ausgiebigen Wegbeschreibung meines Gastgebers „unterstützt“. Aber das Navi habe ich ziemlich bald abgeschaltet, weil es in den engen Altstadtgässchen noch verwirrter war als ich.

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Die Anleitung meines Gastgebers schien aber sehr gut zu sein, bis ich an eine Stelle kam, wo stand, ich solle links abbiegen – aber da war eine Kette über die Strasse gespannt. Links abbiegen ging einfach nicht. Ich habe es mehrmals versucht, weil ich dachte, ich hätte irgendwo vorher etwas falsch gelesen, bin aber immer wieder an dieser Stelle gelandet. Als ich es satt hatte, immer wieder durch die gleichen Gassen zu kreuzen – es wimmelt dort von Fussgängern, die ungehalten werden, wenn man sie stört – rief ich im Hotel an, gab an, wo ich stand, und 2 Minuten später waren mein Gastgeber und sein Gehilfe zur Stelle, stellten erregt fest, dass in der Anleitung „rechts“ hätte stehen müssen. Zunächst wurde also die Schuldfrage geklärt, wobei der Gehilfe eher schlechte Karten hatte. Dann wandte der Chef sich mir zu, zuckte mit den Schultern, ächzte “Ach, das Personal…“ und forderte mich auf, hinter ihm herzufahren. Er ging vor meinem Auto her, einmal rechts, einmal links und noch einmal rechts und wir waren da.

Mitten in der Altstadt von Florenz, ein paar Schritte vom Duomo und der Signoria entfernt, ganz ruhig in einer winzigen Seitengasse – ein ehemaliger Palazzo, der unten zu ein paar grossen Läden und oben zu wunderschönen Appartements umgebaut war. Besser kann man dort meiner Ansicht nach nicht wohnen. Ich war so begeistert, dass ich gleich für den nächsten Besuch ein Appartement reservierte. Die Anfahrt wurde dieses Mal von Google unterstützt – auf die Wegbeschreibung hatte ich vertrauensvoll verzichtet. Aber in italienischen Altstädten ist Google keine Hilfe. Ich bin mehrmals um jeden Block rund um Dom und Signoria gefahren, während Google sich immer wieder mitten im Satz unterbrach, um das Gegenteil anzuordnen von dem, was ich vorher tun sollte. Schliesslich stand ich an einer Kreuzung, wo ich eigentlich nur rechts fahren konnte, aber Google verlangte störrisch, ich solle geradeaus fahren. Dort hing aber ein grosses, rundes, rotes Schild mit einem weissen Querbalken. Ich hatte Hemmungen, aber schliesslich gehorchte ich doch, bzw. ich wollte gehorchen. Ein Polizist, der dekorativ dort herumstand, bemerkte mein Vorhaben, kam anstolziert und machte mich auf besagtes Schild aufmerksam. Ich versuchte ihm zu erklären, dass Google wollte, dass ich dort hin fahre. Er fand das wohl eher komisch. Aber nach einer Weile hatte er Mitleid und fragte, wo ich denn eigentlich hin wolle. Als er hörte, dass ich zum Cavalieri Palace wollte, schickte er mich nach rechts, dann sollte ich noch einmal nach links (wenigstens war ich an einer anderen Ecke gescheitert als beim letzten Mal!), und dann wäre ich da. Ich war nur wenige Sekunden von meinem Ziel entfernt…

Ah, endlich zuhause. Herzliche Begrüssung durch Signore Grillini, dann trug mir „das Personal“ das Gepäck in den Aufzug und ins Appartement, Signore Grillini zeigte mir, was alles im Kühlschrank steckt für Frühstück, Durstanfälle, usw. Und dann – Entspannung pur. Ein bequemes Bett, ein gemütliches Wohnzimmer, gut ausgestattete Küche, chices Bad – hier fühle ich mich wirklich zuhause.

Nach einer kleinen Pause und dem Auspacken konnte es dann losgehen: Speisekarten studieren. In unmittelbarer Nähe gibt es eine ganze Reihe netter kleiner Lokale, alle mit Tischen draussen, gutem Wein und gutem Essen. Am besten gefiel mir das gleich um die Ecke, Restaurant.jpgwo ich mir dann auch einen grossen Teller getrüffelte, hausgemachte Pasta, ein Glas kühlen Wein und zum Nachtisch Panna Cotta gönnte.

Ich brauchte allerdings noch ein bisschen Bewegung – zum Ponte Vecchio war es nicht weit, an den meisten Schaufenstern konnte ich mir noch die Nase platt drücken, anschliessend schnell  zurück und ins Bett. Die Fahrt war ja doch ziemlich lang!

Es gibt so unglaublich viel zu sehen und zu tun hier! Einfach nur mit den Menschenmassen treiben lassen, Schaufenster gucken, am Fluss entlang wandern, Arno 6.jpgeinkaufen, Museen. Fangen wir mal mit den Museen an: für die wichtigsten hatte ich die Karten schon zuhause über das Internet gekauft. Praktisch ist, dass sie immer für eine bestimmte Zeit gelten. Unpraktisch ist, dass man zuhause nur eine Art Berechtigungsschein ausdrucken kann. Mit dem muss man sich dann pünktlich vor der Kartenausgabe anstellen und mit der Karte steht man dann vor dem Eingang noch einmal Schlange – aber zugegeben, die Schlangen der Besucher ohne Vorabreservierung sind deutlich länger.

Und bei den Uffizien klappt das auch ziemlich gut. Man hat eine echte Chance, in etwa zu dem gebuchten Zeitpunkt hineinzugelangen.

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Bei der Galleria dell’Accademia – da, wo der David steht –

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sieht das allerdings völlig anders aus:

 

 

 

Da herrscht das nackte Chaos!

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Man kommt mit hängender Zunge und voller Sorge, sich zu verspäten, an und was erblickt man? Das totale, nackte Chaos. Lange, lange Schlangen. Menschen, die besorgt auf ihren Berechtigungsschein sehen. Menschen mit Eintrittskarten. Menschen ohne irgendwelche Karten. Und in der Nähe des Eingangs Menschen in Uniform, die man nun fragt, wo man hin muss, um die gekaufte und bezahlte Eintrittskarte zu erhalten, mit der man in ca. 10 Minuten am Einlass antreten soll.

Man wird zu einem Gebäude am anderen Ende der Strasse geschickt.

Dort schütteln die Leute den Kopf: nein, nein, Sie müssen ein Stück zurück und auf die andere Strassenseite, Karte abholen und dann in die Schlange mit den Leuten, die schon eine Karte haben. Auf der anderen Strassenseite ist auch eine Schlange. Auch lang. Zurück zu dem Typen, den man zuerst gefragt hat. Ach, stellen Sie sich einfach ohne Karte in die Schlange mit den Karten. Aber ich muss doch jetzt hinein. Die müssen alle jetzt hinein, also, bis auf die, die schon vor längerer Zeit hinein mussten…

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Man steht und steht – es wird immer wärmer, die Füsse tun weh, allmählich verbrüdern sich alle, die da so herumstehen. Ab und zu geht es einen Meter voran, oder einen halben. Aber irgendwann ist man dann doch drin – es hat sehr lang gedauert, und der einzige Trost, den man hat ist der, dass die Schlange der Menschen, die völlig unvorbereitet gekommen sind, sich überhaupt nicht bewegt hat in der ganzen langen Zeit. Also, insofern hat es sich wohl doch gelohnt, die Karte vorab im Internet zu kaufen.

Und wenn man einmal drinnen ist, hat sich auch die Warterei gelohnt.

Wenn die Organisation in Ordnung wäre, würde ich hier auch gerne immer wieder herkommen, so wie ich es mit den Uffizien halte – man findet immer wieder Neues, immer wieder Details, die man vorher nicht bemerkt hat.

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Schade, dass das bei der Accademia so gar kein verlockender Plan ist.

Besser ist es dann beim Besuch des Archäologischen Museums – gar keine Schlangen, auch drinnen herrliche Ruhe – und so viele wunderschöne Sachen.

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Vor allem die etruskischen Goldarbeiten sind von unglaublicher Schönheit.

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Nun ist es so, dass man auf der Suche nach dem Eingang ins Archäologische Museum Hinweise auf eine „Lederschule“ bemerkt,  die Scuola del Cuoio. Die ist definitiv auch einen Ausflug wert. Nicht nur gibt es eine Ausstellung herrlicher Lederarbeiten, man kann auch zuschauen, wie Leder be- und verarbeitet wird – und es gibt eine Verkaufsausstellung. Es ist schon erstaunlich, was man aus Leder alles machen kann…

Hochinteressant!

Aber nicht billig…

Überhaupt das Einkaufen in Florenz.

Es gibt natürlich alle die Läden, die es überall gibt, teure Designer und billige Filialisten. Aber dazwischen verstecken sich dann immer wieder kleine unabhängige Lädchen, wo man zu durchaus bescheidenen Preisen Klamotten, Schuhe, Schmuck kaufen kann, die einem Designer durchaus Ehre machen würden. Sehr verlockend. Vor allem die Ledersachen. Unter den vielen Florentiner Märkten ist möglicherweise der um die Kirche San Lorenzo der mit dem grössten und auch durchwegs preisgünstigen Angebot an Lederwaren, insbesondere Jacken, Capes und Taschen aller Art. Aber legt Euch nicht zu schnell fest. Morgen seht Ihr vielleicht in einer unscheinbaren Boutique das perfekte Stück und bedauert, dass Ihr Euer Geld schon ausgegeben habt…

So gesehen kann es sich auch lohnen, einmal nicht auf den Weg zu achten – ich bin auf der Suche nach einem Ausweg aus den engen und lauten Autostrassen, in die ich mich verlaufen hatte und wo keine Touristen zu sehen sind, über ein Schaufenster mit richtig schöner Kleidung aus den verschiedensten Arten von Spitze gestolpert. Preise? Hier? Hier kommt keiner hin. Man hat sich riesig gefreut, überhaupt eine Kundin zu sehen.

Nicht weit vom Ponte Vecchio gibt es übrigens auch ein Spezialgeschäft für Kinderkleidung – es nennt sich TAF. 1a Qualität. Braucht man ja auch manchmal. Ich habe dieses Mal ein Festkleid für ein kleines Mädchen gebraucht und habe nach langer vergeblicher Suche zuhause dort gleich 3 geeignete Kleider gefunden (aber nur eins gekauft!) und ein Mädchen sehr glücklich gemacht. Für italienische Verhältnisse ist es recht teuer, aber wenn man aus Deutschland kommt…

Die Schmuckgeschäfte auf dem Ponte Vecchio sind aber dann wirklich  nur noch zum Anschauen geeignet.Viele, viele schöne Dinge, aber so unglaublich überteuert, dass ich mich auf’s Naseplattdrücken beschränke –

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wenn’s auch schwerfällt!

 

Zum Essen in Florenz kann ich nur sagen: einsame Spitze. Zunächst habe ich mich an die Empfehlungen von Signore Grillini gehalten und in Bistecca alla Fiorentina, Bistecca.jpg

getrüffelter Pasta, Seezungen und Doraden geschwelgt. Aber nach ein paar Tagen habe ich auf dem Rückweg von den Bardini-Gärten am Ufer des Arno das perfekte Restaurant gefunden.

Terrasse über dem Fluss. Blick auf den Ponte Vecchio.

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Nicht nur hervorragende, sondern auch äusserst originelle Küche. Obwohl man eigentlich ausser einem Glas Wein gar nichts bestellen müsste. Gleich nach dem Hinsetzen kriegt man ein Tablett hingestellt mit allen möglichen Kleinigkeiten darauf, die durchaus reichen, um satt zu werden. Signorvino 3.jpgAber es gibt zu viele interessante Angebote aus der Küche. Und während man da sitzt, den Sonnenuntergang geniesst, den Ruderern nachschaut, mit anderen Gästen Erfahrungen und Tips austauscht, ein Glas Wein nach dem anderen trinkt und sich verwöhnen lässt, möchte man die ganze Welt umarmen.

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SignorVino – merkt Euch den Namen und reserviert einen Tisch auf der Terrasse für die Zeit kurz vor dem Sonnenuntergang…

Aber natürlich, Ihr werdet Euch fragen „hat die Frau denn ausser Genuss und Shoppen gar nichts im Kopf?“ Zugegebenermassen nicht viel, aber es gibt da noch so manches in Florenz, wo Essen und Trinken eher Nebensachen sind – umsonst sind allerdings auch die nicht…

Da wäre zum Beispiel der Palazzo Pitti. Er wirkt ja wirklich schon von aussen nicht nur irgendwie bedrohlich, sondern vor allem unglaublich imposant.

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Und drinnen auch. Pitti 2.jpg

Es gibt dort eine ganze Reihe von Ausstellungen. Was mich besonders interessiert hat, war eine Ausstellung historischer Kostüme. Da gab es phantastische Kleider zu sehen, wunderschön, aber ob man sich darin bewegen konnte? Sie müssen Tonnen wiegen.

 

Ausserdem gelangt man durch den Palazzo Pitti in die Boboli-Gärten.

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Und die sind nun wirklich einen langen, langen Spaziergang wert. Wunderschöne Anlagen, lauschige Wege, prächtige Ausblicke, Springbrunnen und Statuen – ganz egal, wie oft und wie lange man sich dort herumtreibt, man findet immer wieder etwas, was man Boboli 2.jpgvorher nicht gesehen hatte.

 

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Und als ob das noch nicht genug wäre, kann man von den Boboli-Gärten gleich weiter gehen in die Bardini-Gärten, anders und auf ihre Art genau so schön.

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Und der Clou ist, dass es dort am höchsten Punkt ein Restaurant Bardini 6.jpgmit einer prachtvollen Aussicht über Florenz gibt. Hier möchte man ewig bleiben, einen Cappuccino trinken, oder ein Glas Wein – von hier geht es ja nur noch gemütlich bergab, hinunter zum Ufer des Arno.

 

Über den Dom und die zahllosen anderen Kirchen muss ich wohl nicht reden.Dom 1.jpg

Ich bin wirklich keine leidenschaftliche Kirchenbesichtigerin, aber hier ist so viel Kunst und Pracht, es erschlägt einen fast.

Dom 3.jpgZumindest beim Dom lohnt es sich während der Hauptreisesaison durchaus, eine Eintrittskarte schon im Voraus zu buchen.

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Die Piazza della Signoria ist fest in Touristenhand, ein Restaurant am anderen, einfach treiben lassen über den Platz und von einem Gässchen zum anderen. Das Schönste in Florenz, wenn man einmal die Liste der Must-dos und Must-sees abgearbeitet hat, sind die Winkel und Ecken, die Kleinigkeiten, die man übersieht, wenn man nur von Highlight zu Highlight hastet.

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Wie das:

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Oder das:  Unterwegs 15.jpg

 

 

 

 

Und das:

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Das auch:Unterwegs 6.jpg

Jetzt muss ich natürlich noch ein paar Worte über das Essen in Florenz loswerden.

Zunächst einmal: Eiscreme, Eiscreme, Eiscreme – so oft und so viel, wie man kann. Hier gibt es keine Eisdielen, hier gibt es Eiscremepaläste… Und die Qualität ist entsprechend. Über die Figur kann man später wieder nachdenken.

 

Das bekannteste Gericht hier dürfte wohl die Bistecca Fiorentina sein. Manchmal erkennt man die darauf spezialisierten Lokale ganz leicht:

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Aber mein Rezept dafür habe ich ja schon in Siena beschrieben, deshalb hier ein paar andere Spezialitäten, die ausserhalb Italiens nicht sonderlich bekannt, einfach zuzubereiten und sehr, sehr gut sind.

Panzanella ist ein Brotsalat der etwas anderen Art. Man benötigt für 4 Personen;

150-200 g altbackenes Weissbrot (Baguette, Ciabatta, Brötchen…)

2-3 grosse, aromatische Tomaten

1kleine Salatgurke oder (besser) 3-4 Einmachguken

1 Bund Basilikum

Petersilie nach Geschmack

Frühlingszwiebeln nach Geschmack

1-2 Knoblauchzehen

Milden Rotweinessig

Olivenöl – etwa doppelt so viel wie Essig

Salz

Frischgemahlener schwarzer Pfeffer

In den meisten Rezepten wird nur verlangt, das Brot in mundgerechte Stücke zu schneiden und dann 15 Minuten lang in Wasser einzuweichen.

Ich finde, es wird leckerer, wenn ich die Brotstücke vor dem Einweichen röste, vorzugsweise mit etwas Butter und einer von den beiden Knoblauchzehen.

Nach dem Einweichen das Brot gut ausdrücken.

Gurke, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Petersilie fein hacken, Basilikum grob in Streifen schneiden.

Essig mit Salz und Pfeffer gut mischen, Öl unterschlagen.

Alles gründlich vermischen und vor dem Servieren 1 Stunde oder auch länger kalt stellen.

Ein angenehm frischer Sommersalat, der zudem auch noch sättigt.

 

 

Ribollita ist eine Bohnensuppe, eher schon ein Bohneneintopf. Man nehme:

 

200 g weisse Bohnen (die aus der Dose gehen, aber mit den getrockneten schmeckt es besser)

2-3 Scheiben altbackenes Weissbrot oder eine grosse altbackene Semmel

1 Handvoll Grünkohl

1 Handvoll Spinat

1 Handvoll Wirsing

1 Zwiebel

1 Karotte

1-2 Knoblauchzehen

Rosmarin

Olivenöl

Salz

frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Getrocknete Bohnen am Vortag gut waschen und dann einweichen.

Im Einweichwasser ca. 40 Minuten kochen, abschütten und das Kochwasser aufheben. Einen Teil der Bohnen pürieren.

Brotscheiben anrösten und eine feuerfeste Schüssel damit auslegen.

In 1-2 EL Olivenöl Zwiebelringe, Rosmarin, Karottenscheiben,Grünkohl und Wirsing anrösten, mit Knoblauch würzen und mit der Bohnenbrühe ca. ½ Stunde köcheln, Spinat und Bohnen (gemahlene und ungemahlene) zugeben, kochen, bis die Bohnen weich sind.

Mit Pfeffer und Salz abschmecken, über die Brotscheibe geben und noch ca. 15 Minuten im Backofen gratinieren.

Ribollita lässt Unmengen an Variationen zu:

Schon beim Gemüse sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt – alles geht.

Man kann gebratenen Bacon oder Schinken oder sogar Bratenreste untermischen.

Man kann mit Käse oder ohne Käse gratinieren

Und vor dem Servieren macht es sich sehr gut, wenn man feine rote Zwiebelringe und/oder fein gehackte Petersilie überstreut.

Sehr schmackhaft und seeehr nahrhaft – ein gutes Winteressen, das weniger Arbeit macht, als man beim Lesen des Rezepts zunächst glaubt.

 

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Büdingen

Eine ganz kleine Reise

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Gestern war ich in Büdingen: bezaubernd, absolut bezaubernd. Die Altstadt ist ja riesig!

Eigentlich wollte ich ja schon lange einmal hierher fahren, aber immer war irgendetwas – kein Parkplatz, ein Fest mit allzu grossem Publikumsandrang, plötzliche Meinungsänderung…

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Aber heute musste es sein; herrliches Cabriowetter, die Fahrt über kleinere Nebenstrassen führt durch überaus idyllerische Landschaften (wie meine dänische Freundin sagen würde. Bin an etwas vorbeigekommen, das wie ein Jurtendorf aussah (mit ausgesprochen überdimensionalen Jurten), aber ein Hinweisschild wies die eigenartige Siedlung als Zentrum für Bioenergie aus.

Dann endlich Büdingen – wo ist ein Parkplatz? Gute Frage. Laut Internet-Stadtplan wimmelt es hier nur so von Parkplätzen, aber alles, was ich fand, waren Kurzzeitparkplätze am Strassenrand. Oder  Parkplätze für Anwohner. Oder für Behinderte.

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Hinweise auf grössere Parkplätze für Besucher? Nada.Nix.

Nach langem Kreuzen durch die wunderschöne Altstadt fand ich dann einen Platz und ergatterte den letzten legalen Stellplatz. Die nach mir kamen, wischten sich den Schweiss von der Stirn, parkten halt irgendwie und klagten lauthals.

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Mein erster Weg nach dem Parken führte mich also zur Touristeninfo, wo man mir erklärte, es gäbe Hinweisschilder, aber die seien klein und grau. Stimmt. Zu Fuss habe ich dann auch mal eins gesehen. Man habe auch nicht vor, Parkplatzleitschilder aufzustellen.

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Vom Auto aus nicht zu sehen

Man hat ein bisschen das Gefühl, Büdingen will gar keine Besucher, was schade wäre, denn ein Besuch lohnt sich ungemein. Ich glaube, hier könnte man wunderbar Baugeschichte am lebenden Objekt studieren.

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Diese Gassen und Gässchen und diese Vielfalt an Bauwerken der unterschiedlichsten Art und aus den verschiedensten Epochen – eigentlich sollte Büdingen ähnlich berühmt sein wie Rothenburg ob der Tauber oder Dinkelsbühl…

Geparkt hatte ich an einem der ehemaligen Stadttore, dem Mühltor und ging von dort erst einmal Richtung Marktplatz,

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natürlich eifrig fotografierend und Speisekarten studierend. Auf dem Marktplatz standen Zelte und Buden und Fahrgeschäfte für den Gallusmarkt. Normalerweise könnte man dort parken, und dieser Parkplatz wäre auch leicht zu finden gewesen, glaube ich.

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Dann lief ich eine ganze Weile ziellos herum und freute mich über Fachwerk, Sandsteinerker, Blumenschmuck, Torbögen, und, und, und.

 

 

Gegessen habe ich dann im Il Giardino am Jerusalemer Tor – das hatte mir eine Dame empfohlen, die wie ich am Oberhof mit ihrem Hund unterwegs war und gerne Auskunft erteilte, nachdem wir uns ausreichend über unsere Hunde und ihre Eigenheiten ausgetauscht hatten. Falls Ihr auch mit Hund unterwegs seid: dort gibt es ein bisschen Gras, was ja entleerungswillige Hunde durchaus schätzen, und Kotbeutel samt Abfalleimer, was für die Frauchen und Herrchen praktisch ist.

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Das Giardino ist gut, auf der Terrasse hat man einen schönen Blick entweder auf das gewaltige Jerusalemer Tor

4EE33EAF-F550-4329-8EB5-0310CFC53EAC.JPGoder auf eine Strasse voll prachtvoller Fachwerkhäuser. Der Service ist angenehm, freundlich, schnell und unaufdringlich und das Essen:

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Kalbskotelett mit Salbei, Rosmarinkartoffeln und schön knoblauchhaltigem Spinat – sehr gut. Der trockene Pinot Grigio passte hervorragend. Und der Hund bekam auch ganz schnell eine Schale Wasser.

 

Danach ging es weiter: erst einmal vor dem Jerusalemer Tor links bergauf, weil ich mir Hoffnungen machte, dass ich auf eine Bastion dort oben steigen  und tolle Fotos der Stadt von oben machen könnte.

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Die Hoffnung trog leider, aber oben ging ein sehr hübscher Weg an der Stadtmauer entlang. 58994538-7549-45FD-A52A-FF87F9FD125B.JPG

 

 

Von dort ging es dann zum Schloss, das teils noch bewohnt ist und teils Hotel (dort gibt es auch einen grossen Parkplatz, aber den hätte ich mit dem Auto nie gefunden…)

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Vor dem Schloss traf ich eine andere Spaziergängerin, die allerdings auf dem Weg zu ihrem Marktstand war.

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Aber sie hatte noch genug Zeit, mir alle möglichen Infos zu geben, wie zum Beispiel, dass es sich lohnen würde, einmal an einer Führung teilzunehmen oder dass hinter dem Schloss ein ungepflasterter Weg um den Schlosspark herumführt, wo der Hund seine Pfoten ein bisschen abkühlen könne.

 

 

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Nicht nur das – er konnte auch mal ein bisschen ohne Leine toben, an einer echten Quelle trinken 4A85BEC4-7693-461F-9B7B-65DB331A77EB.JPG

und im Gebüsch entlang eines kleinen Flusses stöbern.

 

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Aber bald ging es an einer überdachten Fussgängerbrückevorbei

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wieder ins Stadtzentrum. Da gab es noch ein paar Strässchen, die ich noch nicht erkundet hatte. Und siehe da, ich fand noch einen Parkplatz. Dort fand allerdings gerade ein kleiner Wochenmarkt

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statt. Und die freien Flächen waren für die Marktleute reserviert. Darüber freute sich auch meine Bekannte vom Schloss. Und über das Stück Rhabarberkuchen, das sie ergattert hatte, freute sie sich fast noch mehr. Hier gab es hübsche Gartenanlagen, 2BC26384-5B70-4373-BD5A-96DE977BCD73.JPG

gewaltige Findlingsteine aus verschiedenen Teilen Europas, und dann war ich plötzlich wieder am Marktplatz. Der Gallusmarkt ruhte immer noch, es gab noch keine gebrannten Mandeln, also machte ich mich auf den Rückweg zum Auto. Die vielen, zweifellos interessanten, Museen

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Metzgermuseum!

konnte ich – dank Hund – leider nicht anschauen, nur das eine oder andere Schaufenster, an denen Puppensammler ihre helle Freude hätten.

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Etwas möchte ich, schweren Herzens, noch erwähnen. Ausserhalb der Büdinger Altstadt und überhaupt in der ganzen Gegend hängen erschreckend viele Wahlplakate der NPD. Unter anderen dieses hier:

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Auf den ersten Blick ist man ja versucht, dieser Aussage zuzustimmen. Aber wenn das Gehirn wieder einschaltet, denkt man darüber nach, wann Luther lebte, wie klein die Welt für die Menschen damals war, wie wenig sie  alle, einschliesslich Luther, über ihren eigenen Tellerrand sehen konnten: Persönlich bekannte Welt? Die unmittelbare Umgebung. Schnellstes Fortbewegungsmittel? Das Pferd. Beste Überlebensstrategie? Zusammenhalten – sehr kleinterritoriales Zusammenhalten.

Völlig überholt…

Wie ja im Grunde auch Denkweisen, die nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass wir in einer völlig anderen Welt leben.

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Auf der Heimfahrt machte ich dann noch einen Abstecher zum Kloster Engelthal und erstand zwei kleine Kochbüchlein, von einer Nonne namens Schwester Bothilde  geschrieben. Interessante Sachen drin…. Im Kloster kann man auch Zimmer mieten, ich könnte mir hier gut einen Wanderurlaub vorstellen. Herrlich ruhige Lage mitten in der Wetterau (abtei-kloster-engelthal.de)

 

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Lateinschule

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Mein Rezept zu diesem Ausflug kommt später – ich muss es erst noch ausprobieren. Und ich kann mich auch nicht entscheiden zwischen Italiener und regional!

 

 

Eine Woche Dresden

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Vor kurzem war ich wieder einmal in Dresden. Dort bin ich oft, denn es ist meine Heimatstadt. Aber dieses Mal war ich mit einer guten Freundin dort, der ich Dresden zeigen wollte. Deshalb habe ich einfach alles das gemacht, was bessere Touristen so in Dresden machen – oder meiner Ansicht nach machen sollten.

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Wir waren bei prachtvoller Sicht in der Sächsischen Schweiz und sind von einem Aussichtspunkt zum anderen gekraxelt.

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Sogar die Reste der Burganlage haben wir uns angeschaut, vor denen ich mich bisher immer gedrückt hatte – die waren sehr viel interessanter als erwartet. Nur, wie die alten Rittersleut dort gehaust haben sollen, übersteigt meine Vorstellungskraft; manche der Räume können nicht viel grösser gewesen sein als ein etwas beleibter Mensch!

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Als wir dann ganz viele Kalorien verbraucht hatten, sind wir ins Restaurant gegangen und haben sehr viel besser gespeist, als dies in einem Touristenrestaurant normalerweise möglich ist, haben uns im Andenkenladen die bezaubernden Thüringer Glasprodukte angeschaut (und ein Geschenk für eine Freundin gekauft – jetzt muss sie mich aber auch einladen!) und uns auf dem Rückweg zum Parkplatz gefreut, dass wir so schön nahe geparkt hatten und nicht erst wieder mit dem Bus zum ersten Parkplatz fahren mussten, auf den ich beinahe wieder hereingefallen wäre. Denn aus der Beschilderung dort könnte man den Eindruck gewinnen, dass es näher bei der Bastei keine Parkplätze mehr gibt…

Auf der Rückfahrt haben wir dann noch einen Bummel durch Bad Schandau gemacht, sehr hübsch. Und in der Apotheke nahe der Touristen-Information, an die ich mich gewendet hatte, weil mein rechtes Auge plötzlich entzündet war und gemein weh tat, hat man mich hervorragend beraten und versorgt. Also, ein Ausflug nach Bad Schandau lohnt sich durchaus.

Dem Auge ging es jetzt wieder besser, im Auto sind auch die Kleider, die von einem etwas sehr plötzlichen Gewitterregen völlig durchnässt waren, schnell wieder getrocknet (den Gedanken an eine Dampferfahrt hatten wir allerdings fallen gelassen…), so dass wir bei der Weiterfahrt noch fit genug waren für einen Besuch der Burg Hohnstein.

IMG_1647.JPGDie Burg und das dazugehörige Dörfchen sind bezaubernd und dass man uns im Dorflädchen am Fuss der Burg noch ein paar Flaschen gekühltes Wasser verkaufte, obwohl eigentlich schon Ladenschluss war, hat uns zutiefst beeindruckt – wie oft habe ich anderswo schon gehört: nee, das geht jetzt nicht mehr, wir haben schon Kasse gemacht, obwohl noch eine Viertelstunde Zeit war bis Ladenschluss…

Und sogar das Kunstblumenstädtchen Sebnitz haben wir noch mit knapper Not geschafft und uns ein paar dekorative und dauerhafte Blumensträusse binden lassen – auch hier hat man sich einfach nur gefreut, dass noch Kunden kamen und den Feierabend ein bisschen aufgeschoben. Beeindruckend!

Abends sind wir auf der Suche nach etwas Essbarem im Sophienkeller gelandet,

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unter dem Taschenbergpalais, wo wir nicht nur meinen heissgeliebten Goldriesling in hervorragender Qualität trinken konnten, sondern auch sehr liebevoll bedient und beraten wurden (das Spanferkel, frisch gegrillt und „live vom Spiess geschnitten“, wie es hiess, ist wirklich sehr, sehr gut) Und als dann auch noch im Lauf des Abends August der Starke höchstpersönlich auftauchte und seine Aufmerksamkeit meiner (chinesischen!) Freundin widmete, war die hellauf begeistert.

Pillnitz

Am nächsten Tag war das Wetter nicht ganz so schön, also sind wir in der Stadt herumgewandert, erst zum Elbeflohmarkt, den ich nie auslasse. Auch dieses Mal gab es eine reiche Ausbeute an interessanten Kochbüchern und Blumenvasen. Nachmittags haben wir die Altstadt erkundet und für den Spätnachmittag hatte ich Karten für ein Konzert im Marmorsaal des Zwingers besorgt. Die jungen Künstler des Dresdner Residenz Orchesters boten mit Vivaldis Vier Jahreszeiten einen ganz aussergewöhnlichen Kunstgenuss, der noch durch die Intimität des verhältnismässig kleinen Saales intensiviert wurde. Vor allem die junge Violinistin Juhee Sohn hat uns hingerissen – ich habe mir noch nachträglich ein Programm gekauft, damit ich den Namen nicht vergesse und Karten kaufe, wenn sie irgendwo in meiner Nähe spielt. Denn dass sie eine ganz grosse Karriere machen wird, steht für mich ausser Zweifel. Nach dem Konzert nutzte ich die Gelegenheit, meiner Freundin noch das Nymphenbad zu zeigen, das vom Aufgang zum Marmorsaal aus zu erreichen ist und wir sind ein bisschen auf dem Zwinger herumspaziert. Das hat was!

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Abendessen gab es im Sächsischen Teil des Italienischen Dörfchens mit Blick auf die Augustusbrücke – trotz der Kälte bestanden wir darauf, auf der schmalen Terrasse zu sitzen und waren sehr erleichtert, als eine fürsorgliche Mitarbeiterin uns Decken brachte. Denn von der Stelle rühren wollten wir uns nicht: erstens war der Blick auf die Elbe mit der allmählich einbrechenden Dunkelheit und der Brückenbeleuchtung wunderschön und zweitens hatten wir voll Optimismus – nachdem ja meine Freundin gestern schon festgestellt hatte, IMG_5207

dass meine Begeisterung für den Goldriesling absolut berechtigt ist – eine ganze Flasche Wein bestellt. Die musste ja nun ausgetrunken werden. Und das ging nicht so schnell…

 

IMG_1636 Der Sonntag war Lauftag. An den Elbufern entlang, immer wieder neue Ausblicke auf die Dresdner Silhouette entdeckend.

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Über die Augustusbrücke, die gerade repariert wird, zur Neustadt, durch die Künstlerhöfe – es ist sicherer, dort sonntags durchzulaufen, dann haben die meisten Läden zu! Über die Brühlsche Terrasse, ein leichter Brunch dort im Restaurant, während vor uns eine Gruppe Touristen in historischen Kostümen eine Stadtführung, naja, zelebrierten. Schöööön!

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Dann mit dem Auto schnell nach Pillnitz und wieder laufen. Hier gibt es so viel zu sehen. Der grosse Park, die riesige Kamelie mit ihrem fahrbaren Haus, die chinesisch angehauchten Gebäude,

 

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die meine Freundin schon mit einer gewissen Belustigung zur Kenntnis nahm. Sogar das Schlossmuseum ist durchaus sehenswert – und wir versuchten, uns vorzustellen, wie die Gräfin Cosel, offizielle Mätresse Augusts des Starken, während ihrer zeitweiligen Verbannung dort residierte.

Einkaufen kann man dort natürlich auch. Mich begeistern vor allem das Antiquariat, das bei jedem meiner Besuche grösser ist und bei den alten Kochbüchern fast immer die eine oder andere Überraschung bereithält und der Laden, der regionale Produkte wie die überaus gute Trinkschokolade und Badeessenzen und Lotions der Firma Dresdner Essenzen bereithält. Die gibt es zwar mittlerweile überall, aber dort ist das Sortiment einfach grösser

Und ja, gut essen kann man dort auch und zwar im Restaurant des Schlosshotels.

Ich habe hier nur einen Kritikpunkt: wenn man mit vollem Magen und wunden Füssen wieder dem Parkplatz zustrebt, wäre es schön, wenn es eine Drehtür nach aussen aus den Parkanlagen in den öffentlich zugänglichen Teil der Anlagen gäbe. Aber man muss den ganzen Weg zurück zum Einlass machen…

Schade. Aber wir haben es ja dann doch geschafft.

Am Montag verbrachten wir  viel Zeit in den beiden Grünen Gewölben. Ich kann über die dort ausgestellte Pracht nicht schreiben – das muss man sehen! Diese Herrlichkeiten von Dinglinger bis zum Grünen Dresden (das ist ein Diamant, bei dem meiner Freundin und mir derart das Wasser im Munde zusammenlief, dass wir aufpassen mussten, um nicht zu sabbern vor Gier) übersteigen jede Vorstellungskraft.

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Danach ging es nach Meissen. Und da ich, zwecks ordnungsgemässer Erfüllung meiner Touriführerpflichten, den Hund zuhause im Hundehotel gelassen hatte, konnte ich auch endlich einmal den Meissner Dom von innen sehen.

IMG_1805.JPGEindrucksvoll, sehr eindrucksvoll, insbesondere, wenn man sich die Baugeschichte durchliest und dann nach den dort beschriebenen Details Ausschau hält.

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Auf dem Weg durch das, mittlerweile auch endlich recht ordentlich restaurierte Städtchen zur Burg kommt man natürlich an dem einen oder anderen Laden vorbei, in dem es Meissner Porzellan gibt. Mir scheint, es ist dort teurer als hier? Interessanter erschienen uns die kleinen Werkstätten, wo Porzellanmaler die Gunst des Ortes nutzen und ihr Handwerk ausüben in der Hoffnung auf Touristen, die ein originelleres Souvenir suchen als normales Meissner Porzellan. Da gibt es echte Künstler, die sehr, sehr hochwertige Werke schaffen.

Natürlich sind wir auch noch zur Manufaktur marschiert, sind aber leider zu spät gekommen, um noch eine Führung durch die Schauwerkstätten mitzumachen. Die sind wirklich sehr interessant. So konnten wir nur im Laden ein wenig herumstöbern und uns über die doch sehr überzogenen Preise wundern.

Für den Abend hatte ich einen Tisch im Spitzhaus gebucht.

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Das ist ein absolutes Muss, wenn ich in Dresden bin. Wunderschöne Lage inmitten von Weinbergen, ein herrlicher Blick über Radebeul und Dresden,

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hervorragende Küche, an warmen, trockenen Tagen eine grosse, baumbestandene Terrasse, überaus aufmerksamer und liebevoller Service – was will man mehr?

Übrigens gibt es die Möglichkeit, von Radebeul aus über eine lange, steile Treppe hinaufzusteigen – naja, wie gesagt, es gibt die Möglichkeit…

Früher gehörte zu meinen absolut notwendigen Anlaufpunkten auch der Luisenhof auf dem Weissen Hirsch. Eine bessere Aussicht über Dresden gibt es nirgends und die Auffahrt mit der Zahnradbahn ist schon ziemlich pittoresk. Aber im Moment ist das Lokal, das hervorragend war, leider nicht in Betrieb. Es soll dort jetzt ein Café geben, aber das haben wir zu meinem Leidwesen nicht geschafft.

Schon Dienstag. Du lieber Himmel. Morgen ist unsere Zeit hier schon wieder herum. Und beim Losfahren erschien uns eine Woche so lang! Nun, für heute geht es in die Gemäldegalerien. Zuerst die alten Meister in der Sempergalerie.

IMG_1893Da wird leider gerade schwer gebaut und renoviert. Aber die wichtigsten Werke sind ausgestellt.

Und vielleicht hätten wir, wenn die ganze Galerie zugänglich gewesen wäre, keine Kraft für das Porzellanmuseum gehabt (ebenfalls im Zwinger), das durchaus interessant und sehenswert ist. Allerdings fiel uns dort auf, dass es viele kleine Porzellanfiguren gab, die irgendwelche Männer darstellten und jeweils als „Ein Pagode“ bezeichnet werden. Die waren mir schon früher aufgefallen, aber mein Chinesisch ist wacklig und ich bilde mir auch nicht ein, dass ich allwissend wäre, deshalb dachte ich, vielleicht kenne ich ja diese Art, das Wort “Pagode“ zu gebrauchen, nur nicht. Aber dieses Mal hatte ich ja eine Fachfrau dabei, eine echte Chinesin, die ich fragen konnte. Und die fand „der Pagode“ als Bezeichnung einer Darstellung eines Menschen überaus erheiternd. Sie versicherte mir, dass es nur „die Pagode“ gibt und dass es sich dabei eindeutig um eine Gebäudeform handelt. Keine Ahnung, was sich die Experten des Museum dabei gedacht haben…

Nach dem Mittagessen im Kunstcafé IMG_5240in der Terrassengasse zwischen Brühlscher Terrasse und Hilton (auch da muss ich jedes Mal hin! Leider öffnen sie jetzt zu spät zum Frühstücken, aber einmal muss ich hin, denn es gibt dort unglaublich viel zu gucken, und man kann alles kaufen – den Stuhl auf dem man sitzt, den Tisch, auf dem der Teller steht, die Lampe, unter deren Schein wir die Speisekarte lesen, die Bilder an der Wand – einfach alles!) ging es dann noch ins Albertinum zu den Neuen Meistern.

Beeindruckendes von den Romantikern IMG_1933

und verstörendes von Dix und viele, viele Werke von Malern des Blauen Reiters und der Brücke – die gehört ja schliesslich zu Dresden. Da ist es ganz klar, dass dort auch herausragende Werke der Künstler dieser Gruppe ausgestellt sein müssen.

Danach mussten wir uns ausruhen. Denn für den Abend hatte ich Opernkarten: Cavalleria Rusticana und Bajazzo – herrlich. Die Semperoper ist ja schon wegen ihrer Schönheit einen Besuch wert, aber sie ist auch eindeutig eine der besten Opern der Welt, mit umwerfender Akustik.

Und um meine Freundin auch wirklich gründlich zu beeindrucken, hatte ich für die Pause das Geniesserpaket bestellt – wir fühlten uns wirklich enorm exklusiv (wie die Made im Speck?) Und nach dem Genuss hatten wir auch noch Zeit, ein wenig mit unserem Champagner auf der Terrasse zu stehen und den Blick auf die Hofkirche  zu bewundern.

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Ach, das Leben kann so schön sein…

Am Mittwoch hiess es dann packen, bezahlen, Koffer ins Auto laden und erst einmal zur Sächsischen Vinothek an der Frauenkirche (https://www.saechsische-vinothek.de), wo ich mir mehrere Kistchen mit Goldriesling reserviert hatte. Jetzt war die Frage, was machen wir noch? Zum Heimfahren war es noch zu früh. Um etwas Grösseres zu unternehmen, war es zu spät. Da fiel mir der Grosse Garten ein. Und die Hutmacherin. Den Grossen Garten muss man ja nun wirklich gesehen haben. Auch wenn ich in dieser Woche bei weitem nicht geschafft habe, meiner Freundin alles zu zeigen, was ich für zeigenswert hielt, allerhöchstens die Hälfte der wichtigsten Sachen, diese beiden Dinge konnten wir noch schaffen. Also erst einmal zu Hutmacherin gleich am Anfang der Bautzner Strasse (http://www.hutkunst-japee.de/). Diese Frau ist eine Zauberin. Meine Freundin hat gleich zwei gekauft – einen für den Sommer und einen für den Winter. Ich werde noch einen für den Winter kaufen, wenn ich das nächste Mal dort bin… Und sie meine Farbe hat…

Eingeplant hatte ich ein paar Minuten und bin dann angesichts der Ekstase meiner Freundin hastig zum Auto zurück, das im Halteverbot stand.

Als sie sich endlich losgerissen hatte, sind wir gleich noch die paar Meter weiter zur Molkerei Pfund (sehenswert, aber zu touristisch geworden) und dem Senfladen daneben. Immer noch eine unglaubliche Auswahl an Senfsorten, aber leider haben sie keinen Macadamia-Senf mehr. Gut, dass ich mich beim letzten Mal so gründlich eingedeckt hatte…

Und jetzt auf in den Grossen Garten. Am Grossen Palais und den Kavaliershäusern vorbei zum Carola-Weiher und Mittagessen auf der Terrasse des Carola-Schlösschens – ein Gedicht. Die Sonne schien. Drinnen waren mehrere Hochzeiten, die Limonaden sind überaus interessant und originell, das Essen gut und reichlich (auf meinen Goldriesling habe ich schweren Herzens verzichtet, wollte ja in einem Stück nach Hause kommen!)

Und auf dem Rückweg hat sogar die Parkeisenbahn uns den Gefallen getan und sich in einem der kleinen Bahnhöfe  von uns fotografieren lassen.IMG_1964

 

Jetzt konnten wir nach Hause fahren.

Ich habe übrigens vorhin bei der Fotoauswahl festgestellt, dass wir auch in Moritzburg waren, aber ich weiss beim besten Willen nicht mehr, an welchem Tag wir das dazwischen gepackt hatten…

 

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Für die Heimfahrt war noch ein kleiner Höhepunkt vorgesehen: eine Bratwurst. Alle, welche öfter auf der A4 unterwegs sind, wird das nicht überraschen. Für alle anderen hier die Erklärung: unmittelbar nach der Wiedervereinigung hat an einem kleinen Rastplatz am Schorbaer Berg ein Bratwurststand aufgemacht. Ich bin damals öfter mit meinem Vater nach Dresden gefahren und wir haben die Bratwurst dort geliebt. Ich bin eigentlich kein grosser Freund von Thüringer Bratwurst, aber dort schmeckte sie ganz toll. Als dann der Jagdbergtunnel gebaut wurde und der Verlauf der A4 sich änderte, erhielt der Metzger, ein Herr Haase, keine Erlaubnis, erneut einen Bratwurststand aufzumachen. Er war gezwungen, abseits der Autobahn einen Imbissstand zu eröffnen, darf aber an der Autobahn nicht darauf hinweisen. Man glaubt wohl behördlicherseits, dass man dadurch verhindern kann, dass den genehmen Betreibern wie Serways usw. Kunden entgehen. Aber natürlich haben wir uns kundig gemacht, und ich wollte auch schon auf der Hinfahrt nach Dresden dort einkehren, aber da goss und hagelte es dermassen heftig, dass ich das Schild mit der Ausfahrt nach Magdala verpasste. Auf der Rückfahrt war das Wetter gut und ich fand die Ausfahrt. Falls Ihr die Bratwurst noch nicht kennt, schaut mal auf die Webseite (https://www.facebook.com/Imbiss-Haase-Magdala-ehemals-Rastplatz-Schorba-432465786847212/) und probiert sie bei der nächsten Fahrt aus. Ich nehme mir immer noch Vorrat für zuhause mit. Übrigens, der Kartoffelsalat ist auch sehr gut.

Jetzt möchte ich nur noch ein paar Worte zu Unterkünften in Dresden sagen. Es gibt dort sehr, sehr viele zentral gelegene Hotels und Apartments, teils teuer, teils preiswert. Ich habe schon einige ausprobiert und kehre immer wieder zu denselben zurück. Da ist einmal das Bellevue in der Neustadt, direkt an den Elbwiesen gelegen. Dort wohne ich gerne, wenn ich den Hund dabei habe, denn der Hinterausgang führt direkt zu den Elbwiesen. Wenn ich mit Freunden in Dresden in und den Hund nicht mitnehmen kann, bin ich bis jetzt immer bei Drescher gelandet. Die Fa. Drescher hat eine ganze Reihe von Hotels und Häusern mit Ferienapartments mitten in der Altstadt, die meisten rund um die Frauenkirche. Perfekte Lage. Im Hotel am Schloss wohnt man schön und ruhig, aber wenn ich ein Apartment mit 2 Schlafzimmern brauche (was angenehm ist, man kann sich abends noch im Wohnzimmer unterhalten, wenn man schon umgezogen ist und muss nicht von Hotelzimmer zu Hotelzimmer schleichen) dann lande ich meist in einem Apartment in der Münzgasse. IMG_1878

Auch dieses Mal war das der Fall, und es war das allererste Mal, dass ich wirklich unzufrieden war. Ich bin dort ja gewissermassen Stammgast und habe erwartet, dass man dem bei der Reservierung dort Rechnung trägt und mir, wie gewünscht, ein geeignetes Apartment mit 2 Schlafzimmern für 2 Erwachsene gibt. Ich hatte da schon sehr schöne, mit 2 gleichwertigen Schlafzimmern und einem geräumigen Bad. Aber dieses Mal? Ein kleines Schlafzimmer mit Doppelbett, das auf den nachts sehr lauten Hof ging (dort vertrieben sich die Restaurantangestellten ihre Pausen in grosser Lautstärke und dort stehen Müllcontainer aller Art – auch die für Glas, und ein noch kleineres Schlafzimmer mit 2 Einzelbetten, das auf die Münzgasse ging und dort war bis nachts um 3 Remmidemmi. Geschlafen haben wir sehr wenig und sehr schlecht. Und das Bad? Grünlich gekachelt, spärlich beleuchtet. Der Blick in den Spiegel hat uns regelmässig zwei etwas ältere Leichen gezeigt…

Aber die gute Dresdner Küche (und der Goldriesling) haben uns glücklicherweise immer wiederbelebt. Und damit kommen wir zu den Dresdner Spezialitäten. Da gibt es ja so einiges: Christstollen – zum Leidwesen der Familie war mir aber immer ein Marzipanstollen oder ein Mohnstriezel lieber. Soljanka – ist erst durch die russische Besatzung zu einer Dresdner Spezialität geworden; ich denke, das klammere ich aus. Dresdner Sauerbraten – da bin ich in einem Konflikt, denn meine Grossmutter, geboren in Köln, alt geworden in Dresden, hat mir erklärt, der Unterschied zwischen einem rheinischen Sauerbraten und einem sächsischen solchen liege darin, dass die Rheinländer Rosinen in der Sauce haben und die Sachsen nicht. Aber man sieht jetzt nur noch Sauerbraten mit Rosinen in Dresden und wird belehrt, das sei original sächsisch. Weiss nicht, wer da falsch liegt: alle Sachsen oder meine Oma?  – da muss ich mich noch informieren. Aber ein Rezept gibt es doch, mit dem ich keinerlei Probleme habe: es ist dresdnerisch und noch dazu ziemlich leicht zuzubereiten. Und das sind meine heissgeliebten Quarkkeulchen. Man nehme:

½ kg am Vortag gekochte Pellkartoffeln (mehlig kochend), schäle und reibe sie.

Dann vermische man sie mit 250 g Quark oder Topfen, 3-4 Eiern (je nach Grösse), etwas abgeriebener Zitronenschale, ca. 150 g Zucker und soviel Mehl, dass eine geschmeidige Masse entsteht, die sich gut zu kleinen Keulchen formen lässt.

Diese brät man in Butter von beiden Seiten goldbraun, wälzt sie sofort nach dem Braten in einer Mischung aus Zucker und Zimt und fertig.

Wenn man das Rezept etwas variieren möchte, kann man gehobelte oder grob gemahlene Mandeln in den Teig mischen. Manche Leute geben auch Rosinen hinein – aber das sollten dann unbedingt die grossen Sultaninen sein.

Dazu passt Apfelmus, aber eigentlich braucht man nur Quarkkäulchen.

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Kochkurs in Puerto Montt

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Puerto Montt

Ihr fragt Euch, wo oder was ist Puerto Montt?

Lasst mich erläutern:

Letzten Winter habe ich mir eine ganz besondere Reise gegönnt – eine Kreuzfahrt von Valparaiso die südamerikanische Westküste hinunter bis Kap Hoorn, dann ein paar Tage kreuzen in der Antarktis, und anschliessend mit einem Abstecher zu den Falklands die südamerikanische Ostküste Richtung Norden bis Buenos Aires. Über diese Reise mitsamt den Vor- und Nachprogrammen in Santiago de Chile, Rio de Janeiro und Iguazu werde ich noch ganz viel schreiben. Heute nur so viel: ich habe diese Reise gemacht, weil mir der Veranstalter Dreamlines und die Kreuzfahrtgesellschaft Holland-America ein Angebot gemacht haben, das ich nicht ablehnen konnte – vorher hatte ich mir diese Reise schon jahrelang gewünscht, aber sie war mir immer zu teuer. Dieses Angebot konnte ich mir – mit etwas Mühe – leisten. Wahrscheinlich lag der günstige Preis daran, dass das Schiff, die MS Zaandam, schon etwas in die Jahre gekommen ist.

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Aber was soll’s? Wer wird sich denn über Kleinigkeiten aufregen, wenn die Reise umwerfend, das Wetter meistens super und die Stimmung an Bord phantastisch ist…

Aber ehe ich rhapsodisch werde, zurück zum heutigen Thema.

Puerto Montt war der erste Hafen, den wir anliefen. Eine hübsche, leider verregnete, Kleinstadt. Am ersten Tag an Bord hatte ich mir angesehen, welche Ausflüge angeboten werden, viele wollte ich nicht buchen, denn ich bin lieber auf eigene Faust unterwegs. Aber als ich dann sah, dass es in Puerto Montt einen Kochkurs mit einem Sternekoch gibt, naja, also, wie hätte ich da widerstehen können.

Am zeitigen Morgen stand ich also, nachdem das Beiboot angelegt hatte, mit einer kleinen Truppe Mitreisender am Hafen von Puerto Montt und wartete darauf, dass wir abgeholt würden. Von Puerto Montt war im Regen und angesichts der tiefhängenden Wolken nicht viel zu sehen. Eine lustige Skulptur eines Pärchens, das auf’s Meer hinausschaut, _IGP9171.JPG

ein paar alte Lokomotiven dekorativ in der Landschaft verteilt, das war’s auch schon. _IGP9167.JPG

Aber da kam auch schon unsere Fahrerin Lilly mit einem Minibus – später stellte sich heraus, dass sie die Ehefrau des Sternekochs war.

Zunächst ging es zur Markthalle,173AA75A-D9CB-4214-86EC-1D90C86F7990.JPG

wo wir Richard Knobloch trafen, A0437258-9ED8-434D-80A5-B40383C9CB02.JPG

den Koch, der aus Deutschland nach Chile ausgewandert und dort sehr erfolgreich ist. Er pendelt ständig zwischen seinem Restaurant in Santiago und seinen diversen gastronomischen Unternehmungen in Puerto Montt, bzw. Puerto Varas, hin und her.

Aber die kleinen Kochkurse für Kreuzfahrer machen ihm ganz offensichtlich Spass. In der Markthalle wählte er die Zutaten aus, die wir brauchten: Gemüse, Seafood, Obst

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– es gab gerade frische Kirschen!, im November…5BE4945E-70C2-4B91-810A-FD5E439325BE

Fleisch und Fisch. Während er sorgfältig seine Auswahl traf, hat er uns erklärt, was das eigentlich für Köstlichkeiten sind, die wir sahen. Denn manches war doch sehr exotisch. Und die vielen verschiedenen Sorten Mais und Kartoffeln, Eier, die von den Hühnern schon grün oder blau gelegt werden,E69EDEB5-2DC7-46AC-8D5C-AE4F34DD28F9

und Meeresfrüchte und Fische, die aussahen wie von einem anderen Stern. Und die Leute an den Ständen waren auch sehr grosszügig – was immer man kosten konnte, durften wir probieren. Bis wir aus der Markthalle heraus kamen, waren wir schon nicht mehr wirklich hungrig…

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Das hat alles einen Riesenspass gemacht.

Dann ging es schwer beladen weiter nach Puerto Varas, der Stadt der Rosen am Llanquihue-See mit Blick auf einen imposanten Vulkan, den Osorno. Leider haben wir weder Rosen noch Vulkan gesehen, nur Wolken und natürlich den See, denn das Restaurant, in dem das alles stattfinden sollte, das Bravo Cabrera, liegt direkt am Seeufer.

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Jetzt ging es in die Küche. Wir bekamen Schürzen und Hauben _IGP9215.JPG

und waren zunächst einmal voll mit Lachen beschäftigt und damit, uns gegenseitig zu fotografieren. Aber bald gab es Aufgaben für uns, Gemüse putzen und schnibbeln, Saucen rühren, Temperaturen überwachen: Die wichtigsten Sachen hat Richard selbst erledigt – so viel Vertrauen hatte er doch nicht zu uns. An Fisch, Fleisch, Mixer und die wichtigeren Töpfe durften wir nur mit der Kamera.

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Aber wir hatten trotzdem gut zu tun.

Schliesslich durften wir Schürzen und Hauben ablegen und in den gemütlichen Gastraum gehen, wo eine Tafel für uns hergerichtet war.

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Das Menu umfasste Muscheln und eine höchst interessante Sauce,

A5001F3E-F01A-4215-8377-9510975EA55A.JPGerstklassigen (einheimischen!) Käse, Oliven, die mit Chilies gefüllt waren, Ceviche, eine Muschelsuppe mit geräucherten Muscheln,

_IGP9249.JPGgebratene Kartoffelküchlein mit Schwartenstückchen (dänische Art),

_IGP9201.JPGin Court-Bouillon sautierten Fisch auf Kartoffelscheiben mit frischen Limabohnen, Chili- und Paprikajulienne.

_IGP9254.JPGAbgerundet wurde das Ganze dann noch mit frischen Kirschen und einem überaus leichten Sabayon mit frischen Heidelbeeren. Fusion cooking vom Feinsten…

Zum Trinken hatten wir Pisco Sour und sehr süffigen Wein bis zum Abwinken._IGP9251.JPG

Und um den Tag perfekt zu machen, hat mir Lilly dann auch noch ein Kochbuch gefunden, denn selbst hätte ich gar nicht gewusst, wo ich nach einem Buchladen suchen sollte, der Kochbücher in einer Sprache führt, die ich lesen kann.

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Jetzt noch das Wichtigste, ein paar Rezepte:

Pisco Sour ist DAS Standardgetränk in den Andenländern und besteht aus 3 Teilen Pisco (Gibt es hier auch), 1 Teil Zitronensaft, 1 Teil Zuckerlösung und gefriergetrocknetem Eiweiss (das ist der schwierige Teil!), Das wird alles geschüttelt und schmeckt eindeutig nach mehr.

Kartoffelküchlein werden je zur Hälfte aus roh geriebenen und gekocht geriebenen Kartoffeln hergestellt, mit etwas Salz und Pfeffer vermengt, sowie mit kleinen Stückchen sehr knusprig gebratener Schwarte oder Bacon. Aus der Masse flache Küchlein formen und braten.

Für die Sauce brauchen wir zunächst einen Schöpflöffel kräftige Brühe.   Petersilien- und Korianderblättchen braten wir in Öl knusprig und löschen sie dann noch in der Pfanne mit Eiswürfeln ab kräftige Brühe.  Danach kommen sie mit der Brühe, ein paar gerösteten Chilies, ein paar Algen, kleingeschnittenen Tomaten und reichlich Knoblauch in den Mixer. Eine halbe Stunde bei niedriger Temperatur ziehen lassen und  mit Creme Fraiche etwas sämiger machen. Ich rühre dann gerne noch eine gute Handvoll gebratene Petersilienblättchen hinein. Die Menge der Zutaten ist variabel und richtet sich ein bisschen nach den persönlichen Vorlieben – ich bin zum Beispiel bei Koriander und Algen eher zurückhaltend.

 

Die Toskana: Siena

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

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Es ist schwer zu glauben, aber ich war dort dieses Jahr zum ersten Mal!

So oft schon in der Toskana, aber immer nur Florenz oder Meer oder beides.

Hätte ich nur gewusst, wie schön es dort ist!

Natürlich war im Zentrum viel Betrieb, aber es war März – nach Meinung der Einheimischen die perfekte Zeit für einen Besuch:

Warm, aber nicht heiss.

Lebhafter Betrieb, aber nicht überfüllt.

Aber ich sollte mit dem Anfang beginnen…

Zunächst einmal hatte ich etwas Sorge, weil man mir in Florenz gesagt hatte, in Siena dürfte ich nicht in die Stadt einfahren, dort sei man noch strenger als in Florenz. Aber bei einem Zwischenstop in San Gimignano

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kam ich mit einer Malerin aus Neuseeland ins Gespräch, die wunderschöne Aquarelle von Mohnblüten, Zypressen und unverschämt frechen Hähnen ausstellte (die beiden Hähne habe ich gleich mitgenommen – falls ihr neugierig seid: www.susanmonk.it, aber die Hähne sind auf der Webseite nicht abgebildet…).

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Sie verriet mir, dass man auf manchen Strassen in die Stadt fahren kann, wenn man darauf achtet, dass es nur eine einzige Zufahrt gibt, durch die Porta San Marco. Von da war es nur eine kurze Strecke zu dem Hotel, das ich mir ausgesucht hatte, weil es mit zentraler UND ruhiger Lage geworben hatte.

Palazzo Ravizza. (www.palazzoravizza.it)

Natürlich fuhr ich erst einmal vorbei – den Namen über der Eingangstür sah ich nicht, zu unauffällig, zu dezent. Aber man kann ja fragen. Es waren nur ein paar Meter zurückzufahren. Und ich musste feststellen, mit dieser Buchung hatte ich wirklich Glück gehabt. Mitarbeiter, die einwandfrei Englisch sprechen (mein Italienisch ist nur ausreichend zum Einkaufen und zum Bestellen von Essen). Ein wunderschönes Zimmer, eigentlich schon eine Suite, mit antiken Möbeln und bemalter Decke.

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Ein Parkplatz für’s Auto. Und eine prachtvolle Gartenterrasse mit einem unbezahlbaren Blick in die Landschaft, wo ich mich gerne abends niederliess und noch ein Glas Wein trank. Herrlich ruhig. Und zentral.

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Von hier konnte ich ganz bequem immer wieder ausschwärmen. Siena hat überaus viel, was man unbedingt sehen muss: einen prachtvollen Dom,

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den Campo mit seinen vielen Restaurants und interessanten Geschäften. Als ich dort war, gab es auf dem Campo gerade einen Markt für Schokolade, Honig, Pralinen, und alle möglichen Süssigkeiten – und dabei soll man abnehmen können!

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Schon allein der Duft macht dick! Zum Glück kann man in den vielen Gassen und Gässchen wieder ein bisschen abtrainieren. Immer wieder finden sich interessante Durchgänge und Ausblicke, Fotogelegenheiten ohne Ende. Und interessante Läden.

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Ich war ja nun gerade vorher in Florenz gewesen, hatte dort gründlich zugeschlagen und dachte nun, ich sei gegen jede Versuchung gefeit. Naja. Kleidern und Schuhen konnte ich widerstehen, aber mich von den interessanten Laden mit Antiquitäten, insbesondere antikem Schmuck, insbesondere antikem Schmuck mit Mikromosaiken loszureissen – das fiel schwer.

Und als ich dann den Fehler machte, aus purer Neugier in einen Kerzenladen einzutreten, der mit seinen bunten Farben lockte, war leider kein Halten mehr. Die hatten dort nicht nur Kerzen. Sie hatten auch Blumen. Sahen aus wie Glas. War aber keins. Es waren Seidenblumen, die man mit farbigem Wachs überzogen und dann lackiert hatte. Das war eine Sorte Touristenkitsch, der ich dann doch nicht widerstehen konnte.

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Die Schleusen waren geöffnet. Jetzt brauche ich lange keine Blumen mehr zu kaufen. Der Laden heisst La Fabbrica delle Candele, und ich kann nur jedem sparsamen Menschen empfehlen, einen grossen Bogen darum herum zu machen. Nicht, weil die Blumen so teuer wären. Sind sie ja eigentlich nicht. Aber weil man immer noch eine findet, und immer noch eine, und die da hinten, die habe ich ja noch gar nicht angeschaut!

Puuh!

Übrigens, Kaufrausch beiseite, es gibt in Siena auch ein sehr interessantes kleines archäologisches Museum. Das Gebäude, in dem es sich befindet, sieht irgendwie aus wie ein Krankenhaus. Und siehe da, bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts war es das auch. Jetzt findet man dort ziemlich interessante Exponate aus der Zeit der Etrusker, natürlich auch aus der römischen Zeit und den darauf folgenden Perioden. Aber mich faszinieren die Etrusker ganz besonders. Wir wissen immer noch so wenig über sie…

Natürlich gibt es dort noch jede Menge andere Museen, aber die habe ich noch nicht geschafft. Nächstes Mal! Im Frühjahr 2018 bin ich wieder da, ein bisschen länger und werde dann all das anschauen, was ich dieses Mal nicht geschafft habe und ausserdem Siena als Basis nutzen für Ausflüge in die bekannteren Weinregionen, nach Volterra und in andere landschaftlich, kulinarisch und historisch intereressante Regionen.

Dieses Mal war ich einfach zu beschäftigt mit Kennenlernen und Geniessen.

Nach Volterra habe ich allerdings schon dieses Mal einen Ausflug gemacht, der Ort hat so viel zu bieten, dass wiederholte Besuche sich anbieten.

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Unterwegs nach Volterra

 

Aber bis ich in Volterra ankam, war mir der Spass erst einmal gründlich vergangen. Unterwegs, in einer engen Kurve der kleinen Nebenstrasse, die ich entlangfuhr, gab es einen lauten Knall. Das klang, als ob ein Stein gegen die Karosserie geflogen wäre. Aber sonst bemerkte ich nichts, fuhr also weiter. Wenig später sah ich im Rückspiegel, dass mir ein kleines Auto folgte, aufgeregt hupend und blinkend. Mich packte jetzt die Sorge, dass doch ein Schaden an meinem Auto entstanden sein könnte – es ist ja nicht mehr das Jüngste –und hielt an. Ein baumlanger Kerl sprang aus dem Auto und fragte aufgeregt, ob ich nicht das „Bumm“ gehört hätte. Ja, schon, ein Stein wohl. Nein, sein Auto kaputt. Sein Auto hatte in dieser Kurve neben der Strasse gestanden. Er behauptete, ich hätte seinen Seitenspiegel zerstört, als Beweis zeigte er mir sein kaputtes Spiegelglas und einen schwarzen Strich an der Seite meines Autos. Es war völlig klar, dass das Blödsinn war, aber der Kerl war gross, ich bin eher klein. Die Strasse war menschenleer – also habe ich brav bezahlt. Später fand ich dann auch die Delle auf der Motorhaube von dem Stein, den er mir ans Auto geworfen hatte. Der Strich war Marker…

Tut schon weh… Das Etruskermuseum in Volterra muss ich mir wohl noch einmal mit etwas weniger Wut anschauen.

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Lieber schnell zurück nach Siena zum Kennenlernen und Geniessen.

Von meinen Zimmerfenstern und auch von der Terrasse aus hatte ich einen wunderbaren Blick über die Hügel der Toskana. Und ganz im Vordergrund, anscheinend am Ortsrand von Siena, lag ein grosser Zypressenhain.

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Da  trieb mich jetzt die Neugier hin. Der Weg war wirklich nicht allzu weit und führte an interessanten Häusern vorbei durch ein Stadttor, entlang einem Zaun, der über und über mit blühender Wisteria prunkte.

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Der Zypressenhain stellte sich dann als ein grosser Friedhof heraus. Das hatte ich eigentlich auch erwartet. Ein wunderschöner friedvoller Ort. Unter den Zypressen und zwischen den reich geschmückten Gräbern herumzuwandern, wirkte sonderbar beruhigend.

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Aber es machte auch hungrig und durstig.

Ich hatte ja schon einige der Restaurants ausprobiert, sogar eines am Campo, wo es doch wirklich sehr touristisch zugeht – aber in Siena wie in der Toskana überhaupt, ist es recht schwierig, schlechtes Essen zu bekommen. Was immer ich bestellt habe, war frisch zubereitet und von guter Qualität. Auch der Wein war immer kühl, trocken und erfrischend, so, wie man sich das wünscht.

Aber trotzdem wollte ich heute einmal eines der von der Hotelrezeptionistin als Top-Restaurants gelobten ausprobieren.

Sie hatte mir einen Tisch in der Taverna di San Giuseppe reserviert.

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Eine Offenbarung. Da möchte ich unbedingt wieder hin. Die Taverna ist nicht gerade billig, aber angesichts der Qualität des Gebotenen, der gewaltigen Menge an Trüffeln und des bezaubernden Ambientes würde ich doch sagen: ausgesprochen preiswert!

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Und das bringt mich zu einem Punkt, der mir enorm wichtig ist: wenn ich etwas Gutes gegessen habe, dann möchte ich wissen, wie es geht, damit ich es selbst auch machen kann. Und wenn das klappt, dann möchte ich, dass andere auch etwas davon haben. Früher habe ich Kochbücher geschrieben, jetzt möchte ich in meinem Blog ein paar Rezepte mit Euch teilen, die ich unterwegs kennengelernt habe.

In der Toskana sind das definitiv Pici, diese dicken, aromatischen Nudeln mit der phantastischen Textur, und Trüffeln. In der Taverna waren es zwar getrüffelte Gnocchi, zur Tagliata ein überaus zarter Genuss. Aber Pici sind so typisch für die Toskana. Sie sind kerniger, einen Hauch deftiger und entwickeln das Trüffelaroma wieder völlig anders. Und es geht so einfach:

Pro Person ein Nestchen Pici in sprudelndem Salzwasser (Meersalz!) garen, bis sie al dente sind. Das dauert ewas länger, so ca. 20 Minuten. Mit Vollkornpici sogar 40.

Abschütten, mit etwas gutem Trüffelöl vermischen. Rohe Trüffel darüber hobeln und mit frisch geriebenem Parmigiano Reggiano bestreuen – mehr brauche ich nicht.

Aber natürlich möchten Sie auch gerne wissen, wie die Tagliata geht – dafür gibt es etwa so viele Rezepte wie Köche, die es zubereiten. Wenn man in Deutschland Tagliata bestellt, bekommt man oft ein paar dünne, fritierte Filetscheibchen. Das issses nicht, ganz und gar nicht.

Für eine Tagliata brauche ich den dicken Teil eines Rinder- oder auch Kalbsfilets, gleichmässig zurechtgetrimmt. Dieses reibe ich von allen Seiten mit einer Mischung aus grob gemahlenem schwarzem Pfeffer, gemörsertem Rosmarin, evtl. etwas zerdücktem Knoblauch und einem guten Olivenöl (es darf nicht bitter sein) ein. Im gleichen Olivenöl brate ich es dann in der Pfanne von allen Seiten scharf an und gebe es anschiessend in den vorgeheizten Backofen. Dort bleibt es, bis es innen den gewünschten Gargrad erreicht hat – nicht sehr lange, die Zeit richtet sich nach der Dicke des Fleischstücks und danach, wie blutig man es haben möchte. Danach wird das Filet in dünne Scheiben geschnitten und angerichtet, traditionsgemäss auf Rucola, aber wenn ich mit Trüffeln serviere, dann lasse ich den Rucola weg und hobele nur die Trüffeln über die Fleischscheiben.

Zu den Trüffeln gibt es nicht viel zu erklären: auf keinen Fall in irgendeiner Form garen – ihr volles Aroma haben sie nur roh. Also einfach gründich unter fliessendem Wasser abbürsten, in feine Scheiben hobeln und geniessen.

Ach ja, fast vergessen, zum Abschluss noch ein Tipp für die Leser, die im Rhein-Main-Gebiet zuhause sind: an jedem ersten Samstag im Monat gibt es beim Lebensmittelgrosshändler Hellriegel in Kronberg-Oberhöchstadt frische Trüffeln in der besten jeweils verfügbaren Qualität zu etwas erträglicheren Preisen als in der Kleinmarkthalle (http://www.hellriegel.com) auch für uns Endverbraucher. Dazu findet Ihr hier noch eine Menge andere gute Sachen für die italienische Küche.

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