Meine höchstpersönliche Corona-Chronik – Teil 6

19.4.2020

Schicken Chinesen die Atemmasken eigentlich  per Ruderboot?  Nun, dann hatten sie wenigstens genug Zeit, virenfrei zu werden.

Wann können wir wieder reisen? Mir fällt allmählich die Decke auf den Kopf.

Coburg mit all den vielen Sehenswürdigkeiten in und um Coburg herum war für den 18. Mai geplant. Abgesagt.

Aber möglicherweise kann ich doch noch hin,  nach Pfingsten. Die Hotelbesitzerin hat meine neuerliche Buchung akzeptiert,  unter Vorbehalt.

Wenn ich gerade so ins Grübeln komme: das sind jetzt gerade ganz schlechte Zeiten für Einbrecher. Alle zuhause.  Kriegen die eigentlich auch Unterstützung durch die grosse Geldausschüttung? Als Solo-Selbständige? Oder Kleingewerbetreibende? Oder so?

Gespräch mit einer erfahrenen Geschäftsfrau: wirtschaftliche Katastrophe unausweichlich. Banken verweigern Kredite und kündigen bestehende. Wie sollen junge Leute die Probleme lösen, die nur gelernt haben, sich auf Computer zu vetlassen, zu clicken und zu swipen, keine Ahnung von Inhalten und Parametern der Programmierung  haben und nicht  gelernt haben, einen echten Menschen korrekt einzuschätzen?   Da könnte sie recht haben, fürchte ich.

Ich kann niemand vertrauen! Also, niemand in der Politik.

Ganz im Anfang habe ich Frau Merkel gewählt. Ich dachte, bei Frauen sei der Machthunger vielleicht nicht so ausgeprägt. Und dass es ein Vorteil sein könnte, dass sie noch keine Seilschaften im Westen hatte. Dann habe ich mit staunenden Kinderaugen zugeschaut, wie sie ihren Mentor Kohl abserviert und jeden aus der Regierungsverantwortung entfernt hat, der auch nur einen Funken Hirn aufwies. Und all die vielen Fehlentscheidungen, mit denen sie gegen ihren Amtseid verstossen hat. Habe zugeschaut, wie allzu linke, allzu marxistisch geprägte Politik das Entstehen einer AfD in ihrer jetzigen, inakzeptablen Form provoziert hat.

Habe beobachtet, wie Inkompetenz, Korruption und Vetternwirtschaft ungeahnte Ausmasse annahmen.

Und wie unser Land immer weiter heruntergewirtschaftet wurde.

Panem et circenses für die Masse der Wähler

Und jetzt haben wir eine echte Krise.

Was wird die nach sich ziehen, also nur politisch? Verbesserungen oder Verschlimmbesserungen?

Was sie wirtschaftlich nach sich ziehen wird, ist schon überdeutlich wahrnehmbar.

Corona ist etwas Neues. Niemand kann es bis jetzt einschätzen, weder Wissenschaftler, noch Politiker noch Bürger.
Deshalb ist Vorsicht geboten, und es macht wirklich Sinn, Abstand zu halten, Masken und Wegwerfhandschuhe zu tragen, bis wir mehr wissen und die Risiken besser einschätzen können. Aber es fällt schon schwer, vor allem die Masken sind äusserst unangenehm.

Aber wie gross ist die Gefahr wirklich?

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23.4.2020

Die erste Maskenlieferung von Amazon ist angekommen. Komischerweise war das die zweite Bestellung. Die erste kommt wohl tatsächlich per Ruderboot.

Habe jedenfalls gleich ein paar einer Freundin gebracht, die sich mit Einkäufen im Internet nicht so auskennt.

Heute musste mal wieder ein Ausflug sein. Dringend! Hier oben blühen die Apfelbäume, und der Flieder fängt gerade an. Unten stehen Kastanien, Flieder, Schneebälle, Wisteria und Goldregen in voller Blüte und noch ein paar, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie heißen. Jetzt sind die Batterien wieder ein wenig aufgeladen.

Eine Freundin hat in Bad Homburg einen türkischen Schneider gefunden, der sehr hübsche Atemmasken näht. Sie hat sich brav in die Schlange eingereiht, auf gebührenden Abstand geachtet und mit hilfloser Wut beobachtet, wie vor ihr immer wieder Kunden, vor allem ältere, Masken in die Hand nahmen, anlegten, wieder abnahmen und zurücklegten, weil sie ihnen dann doch nicht zusagten. Der Verkäufer muss wohl im Dreieck gesprungen sein, aber er gehörte anscheinend zu den wenigen, die verinnerlicht hatten, dass man   älteren Leuten mit Hochachtung zu begegnen hat.

Sie meinte, die alten Leute sollten doch klüger sein. Wie kommt sie auf die Idee, dass aus einem dummen jungen Menschen ein kluger alter Mensch werden kann?

Die da hätte ich gerne:

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Bei Amazon kann man jetzt auch Packungen mit 100 Masken bestellen – habe ich gleich mal gemacht. Wer weiss, wo sonst noch Bedarf besteht…

 

24.4.2020

Schon wieder komme ich ins Grübeln.

Wem  kann ich als Bürger noch trauen?

Vor Corona konnte man leicht auf die Idee kommen, dass an Schulen planmässig auf weitgehende Verdummung der Menschen hingearbeitet wurde und dass die deutsche Wirtschaft mit  voller Absicht in den Ruin getrieben würde.

Während Corona und stetiger Verlängerung des Shutdowns und damit zwangsläufig gesteigerten Rezessionsfolgen scheint diese Idee ihre Bestätigung zu finden.

Ich glaube nicht, dass die Regierung recht hat, wenn sie ALLE Bürger zu verantwortungslosen Idioten erklärt.

Ich glaube auch nicht, dass Bürger nur aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters eingesperrt und bevormundet werden müssen.

Ich glaube auch nicht, dass mehr Lockerungen nicht möglich sind.

Hotels können Lösungen zum Schutz ihrer Gäste und Mitarbeiter finden – es gäbe da eine ganze Reihe von Möglichkeiten.

Auch Wirte können Verfahren einführen, die Gäste und Mitarbeiter schützen, z.B. längere Öffnungszeiten (von 12-14 Uhr und von 18-23 Uhr ist sowieso Blödsinn) von 11 – 23 Uhr, Reservierungspflicht, damit jederzeit nur eine bestimmte Anzahl Gäste anwesend ist (wenn ich um 19 Uhr keinen Tisch kriege, komme ich gern auch um 17 oder um 21 Uhr, Hauptsache wieder leben!), Tische weiter auseinander, Schichtdienst für die Mitarbeiter, man könnte soviel machen, aber man darf nicht, lieber sollen Handel, Gewerbe, Industrie pleite gehen – und mit ihnen der Staat.

Der Wahnsinn hat doch Methode!

Wenn sich da nicht bald etwas ändert, reihe ich mich womöglich noch in den grossen Kreis der Verschwörungstheoretiker ein.

Brrrr.

Ach ja, da war ja auch noch der Herr Trump.

Er hatte ja mal wieder eine geniale Idee, sozusagen internistische Behandlungsmethoden, wie UV-Licht ins Körperinnere zu leiten und Desinfektionsmittel zu spritzen. Also, der Gedanke mit den Spritzen ist scheinbar dem einen oder anderen Amerikaner doch recht logisch erschienen:

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Hier noch ein hübscher neuer Name für die Nachrihtensendungen des ÖRR:

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25.4.2020

Ich lese gerade ein Buch von Juli Zeh, Corpus delicti. Nach den ersten paar Seiten habe ich mir verwundert die Augen gerieben und nachgeschaut, wann sie das Buch geschrieben hat: 2009. Ich hätte wetten mögen, dass sie es in den letzten 4 Wochen geschrieben hat, denn sie beschreibt darin genau das Szenario, das ich aufgrund der Corona-Krise befürchte: totale Kontrolle mit der Begründung, es handele sich um Gesundheitsfürsorge. Alle laufen mit Masken herum, sind politisch korrekt, denunzieren einander, sind de facto entmündigt – und alles mit der Begründung, die Gesundheit zu schützen.

Zu dem Thema passen ein paar Zeitungsausschnitte aus der WELT:

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Ach…

Ich sollte jetzt eigentlich in Mantua sein… 😢😢😢

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27.4.2020

Das Rheingau Musik Festival rechnet nicht damit, dieses Jahr stattzufinden.

Das ist so traurig.

 

28.4.2020

Boris Palmer hat mit seiner Bemerkung, dass wir womöglich Menschen retten, die in einem halben Jahr sowieso gestorben wären, nicht viel Anklang gefunden. Klingt ja auch zynisch. Aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt und sich anhört, was er sonst noch drumherum gesagt hat, ist es das eher nicht. Der Shutdown selbst wird voraussichtlich sehr viel mehr Leben kosten als Corona.
Ganz abgesehen davon, dass ich gerne selbst entscheiden möchte, welches Risiko ich für mich selbst eingehen will.

 

29.4.2020

Das Robert-Koch-Institut wird mir langsam unheimlich. Welche Angaben, Statistiken, Ergebnisse und Empfehlungen basieren wirklich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen? Und welche auf politischen Vorgaben?

In Nordkorea vermisst man mal wieder einen Diktator. Wahrscheinlich ist er auf einer Beauty Farm und versucht abzuspecken. Wäre ja auch nötig bei dem hässlichen Vogel.

Bald kommt mein neues iPhone SE. Gut dass das gerade jetzt herausgekommen ist, denn das alte IPhone6 ist inzwischen nicht nur antik, sondern auch recht wunderlich. Und das Pro war mir einfach viel zu teuer. Ich bin sehr gespannt, was das SE alles kann.

 

30.4.2020

Es hat ein bisschen gedauert. Ich habe Zeit gebraucht, da waren so viele widersprüchliche Eindrücke. Wie soll ich meine Gedanken beschreiben, wenn ich selbst nicht weiss, was ich denken soll – oder will.

Ich habe auch durchaus nicht jeden Tag zu Ende formuliert, was mir so einfiel.

Das Rheingau Musik Festival ist tatsächlich abgesagt. Ich habe Karten für so viele Leute besorgt, und alle wollen ihr Geld zurück, ob ich das jemals geregelt kriege?

Ich war mal kurz auf der Webseite meines in Coburg gebuchten Hotels, der Villa Victoria. Da hat sich jemand Gedanken gemacht:

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Geht doch. Das wäre in so vielen Hotels eine gute Möglichkeit, und wir müssten nicht wie Trauerklösse zuhause sitzen. Wenn ich nur Coburg anschauen wollte, so wie im Dezember, würde ich wohl gerade mein Köfferchen packen und losfahren. Aber da es rund um Coburg so viel zu gucken gibt und nichts zu essen, warte ich jetzt doch lieber noch den einen Monat ab. Auf dem Balkon ist es auch schön.

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1.5.2020

Gerade habe ich auf Twitter extrem bösartige Kommentare zum gestrigen Auftritt von Dieter Nuhr gelesen, Hassreden vom Feinsten – aber die kommen sicher von den ganz besonders Guten und gelten daher nicht als böse.

Naja, habe mir auf jeden Fall die Sendung schnell angeschaut und bin ganz begeistert. Er spricht so viele Punkte an, die auch mir deutlich mehr Angst machen als Corona.
Übrigens, es gibt da noch eine Frage, auf die ich gerne eine Antwort hätte, und sicher nicht nur ich: wie lange müssen wir uns noch mit diesem Virus herumprügeln?

Wird es mutieren, schrecklich schlimm werden und uns alle ausrotten?

Wird es mutieren und harmlos werden?

Wird es bald ein Heilmittel geben, sodass wir gelassen mit einer Erkrankung umgehen können, ganz egal, welche besonderen Risiken uns betreffen?

Werden wir Resistenzen entwickeln, so dass unsere Körper mit Covid-19 ähnlich entspannt umgehen können wie mit den zahllosen anderen Krankheitserregern, die seit Tausenden von Jahren in und mit uns leben? Und die auch gelegentlich tödlich verlaufen, aber aufgrund der vorhandenen Resistenzen eben nur sehr selten.

Oder war das mal eine Generalprobe, und der wirkliche Ernstfall steht uns noch bevor?

Eine Frage? Oje! Fragen über Fragen. Und das Einzige, was ich mit einiger Sicherheit zu wissen glaube, ist, dass ich wohl noch nie so gesund war wie gerade jetzt. Mein Körper findet einfach keine Gelegenheit, sich bei irgendwem mit irgendwas anzustecken.

 

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Meine höchstpersönliche Corona-Chronik – Teil 5

12.4.2020

Ostersonntag

Nichtsahnend will ich morgens mit dem Hund in den Wald und werfe beinahe den Beutel mit dem liebevoll dekorierten Osterkuchen samt Ei zu Boden, der draussen an der Klinke hängt.

Vom Osterhasen.

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Sehr netter Osterhase. Muss in der Nachbarschaft wohnen…

Und sehr guter Kuchen!

Ansonsten viel Facetime und Telefon. Der Wald ist voll. Also voll Menschen und Radfahrer. Ein Nachbar hat per WhatsApp angefragt, wer morgen Abend helfen will, den Parkplatz und die Wege in der näheren Umgebung zu säubern von dem, was die Feiertagsnaturfreunde so in die Natur schmeißen. Gute Idee.

 

13.4.2020

Ostermontag.

Faulheit pur.

Der Parkplatz sieht noch gar nicht so schlimm aus: ein kaputtes Kinderfahrrad – rosa , ein paar leere Dönerpackungen, Dosen und Gummibärchentüten – war schon schlimmer.

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Eine liebe Freundin mit einem Risikopatienten im Haus freut sich über Familienbesuch mit vielen Kindern und darüber, dass die Putzfrau weiterhin zuverlässig kommt. Manchmal habe ich direkt Angst, dass mir der Kopf abbricht beim vielen Schütteln.

Der Herr Grölemeier wird im ÖR mit Lob überhäuft ob seiner Gesänge zum Lob der Helden der Arbeit – äh, des Alltags. Ich habe immer noch keine Hinweise darauf gefunden, dass er diesen Helden auch die Erträge des Werkes zukommen lässt.

Aber Weltstars veranstalten ein Benefizkonzert zugunsten besagter Helden – nun, zu den Weltstars gehört er ja auch wohl eher nicht.

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Bin nachmittags eingeschlafen und kam zu spät zum Müllsammeln. War schon alles weg.  Also, über die meisten meiner Nachbarn kann ich beim besten Willen nicht klagen.

 

14.4.2020

Heute wollte ich ja eigentlich nach Meran, also richtiger nach Dorf Tirol. Ich kenne da so ein schönes Hotel. Mit einer phantastischen Aussicht. Und einer phantastischen Küche. Hatte mich so darauf gefreut. Das ist schon sehr deprimierend.

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Und kalt ist es auch geworden. Die Heizung ist natürlich schon längst abgeschaltet. Das ist alles nicht hilfreich.

In der Nähe meiner Wohnung gibt es übrigens eine Quelle, die sehr beliebt ist bei Wasserzapfern aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet – Offenbach, Gross-Gerau…

Diese Quelle ist wegen der gewaltigen Menschentrauben, die sich dort immer ums Wasser drängen, erst mit Flatterband abgesperrt und dann in einen Drahtkäfig gesperrt worden.

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Jetzt wandern grosse Karawanen den Berg hinauf zu einer anderen Quelle. Zum Glück eignet sich dort die Topographie nicht so recht für grosse und dichte Menschenansammlungen. Dadurch sind die Leute doch ein wenig vor sich selbst geschützt.

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Zu essen gab es heute Spargel mit verlorenen Eiern. Hat überraschend gut geschmeckt, und ich habe es ausnahmsweise sogar geschafft, die Eier so in die Brühe gleiten zu lassen, dass die Dotter komplett vom Eiweiss umhüllt waren. Die Brühe bestand übrigens aus 1/2 Weißwein und 1/2 Wasser mit einem Schuss aromatischem Essig, Salz, Pfeffer, Oregano, Rosmarin, Knoblauch und Trüffelpulver. Auf die Idee, das Werk zu fotografieren bin ich leider erst gekommen, nachdem ich alles aufgegessen hatte. Aber es hat ein bisschen gegen die depressive Stimmung geholfen.

 

15.4.2020

Ach ja, schon wieder Geburtstag. Die Jahre werden von Jahr zu Jahr kürzer. Und ich hatte so schöne Pläne für heute. Nach dem Frühstück eine kleine Wanderung mit dem Herrn Hund, vorzugsweise durch blühende Apfelbäume. Danach hinunter nach Meran, Schaufensterbummel durch die Portici, vielleicht etwas Hübsches finden, das ich mir schenken könnte. Beim Italiener zu Mittag Pasta mit Hummer – oh, sicher, es ist ein Touristenlokal, aber es ist hausgemachte Pasta und Hummer satt. Dazu ein Glas  Grüner Veltliner – und das Ganze ist sogar sehr erschwinglich. Noch ein Bummel durch die blühenden Anlagen an der Passer.

Und dann wieder hinauf ins Hotel, vielleicht ein bisschen schwimmen, vielleicht eine Massage, danach eine Margarita an der Bar. Und nach dem Abendessen ein Glas Champagner…

Es wäre so schön gewesen…

Stattdessen sitze ich allein zuhause wie jeden Tag und vertreibe mir die Zeit mit dem Beantworten von Anrufen. Ich muss irgendetwas machen. Ich muss raus!

Besuchen kann ich niemand. Schaufensterbummel in der nächsten Stadt? Nicht sehr verlockend. Obwohl, eigentlich nicht verkehrt, so ein Schaufensterbummel bei Risikostufe Null angesichts geschlossener Geschäfte. Aber vor den interessanteren Auslagen stehen sicher schon Leute. Nee, lieber nicht.

Ich fahre einfach mal wieder zur Goldatzel. Wenn auch der Gutsausschank geschlossen ist, der Weinverkauf funktioniert, und dort ist es kein Problem, den nötigen Abstand zu wahren.

Gedacht, getan. Über Landstrassen bis zur B42. Der Rhein ist schon wieder fast  leer, alle Sandbänke, Buhnen und was es sonst so am Boden des Flusses gibt, ist wieder freigelegt.

Bei der Goldatzel war man froh, eine Kundin zu sehen. Es gab ein ausgiebiges Schwätzchen – natürlich in gebührendem Abstand voneinander. Und die Freude wuchs sicher, als noch ein Kundenpärchen ankam, während mein Wein eingeladen wurde. Ich glaube kaum, dass ein Unternehmen wie dieses durch die Schliessung innerhalb weniger Wochen in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Aber Verluste, sogar starke Verluste gibt es sicher.

Nach dem Weinkauf habe ich mir überlegt, dass ja unter den gegebenen Umständen weniger Verkehr herrscht und dass es Spass machen könnte, ein Stück weit am Rhein entlangzufahren und dann durch das Wispertal hoch in den Taunus zu heizen.

Oh, das war schön!

Ein oder zwei entgegenkommende Motorradfahrer hatten etwas Mühe, beim Anblick meines Autos auf ihre Strassenseite zurückzukehren, und einmal steckte ich kurz hinter einem Bus fest. Aber sonst? Fahrspass vom Feinsten. Batterien sind aufgeladen – im Auto und auch in mir. Und der Hund ist nicht mal seekrank geworden, nur der Wein wird ein paar Tage ruhen müssen.

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In der Zeitung steht, dass der Lockdown zumindest in Teilen doch noch bis in die erste Maiwoche bestehen bleiben soll. Kleine Läden und Betriebe sollen demnächst wieder unter strengen Vorsichtsmassnahmen öffnen können. Menschenansammlungen aller Art bleiben verboten.

 

16.4.2020

Jetzt meckern die Pfarrer. Sie finden es unpassend, dass Geschäfte öffnen dürfen und Kirchen zu bleiben. Sie übersehen dabei, dass von den Geschäften Menschen ihren Lebensunterhalt fristen müssen und  bei zu langer Schliessung pleite gehen. Den Kirchen  kann so etwas doch wohl eher nicht passieren. Da reichen die Geldvorräte sicher noch ein Weilchen.

Mal ganz abgesehen davon, dass es  in manchen religiösen Gemeinschaften mit der Disziplin etwas mager aussieht. Nicht alle lassen sich wie brave Lämmlein regieren. Und wenn eine Gemeinschaft ihre Versammlungsorte öffnen darf, kann man es einer anderen nicht gut verbieten.

Es ist jetzt nur noch ein Monat bis zu meinem nächsten geplanten Ausflug. Ist zwar, wie gesagt, nur nach Coburg, aber auch dort möchte man gerne in einem Bett schlafen und hie und da etwas essen. Ich muss mal anfragen, welche Erwartungen die Hotelbesitzerin hegt, ob die Behörden schon etwas geäussert haben.

Ansonsten hat es heute eine ausgiebige Wanderung durch den zartgrünen und doch schon wieder extrem trockenen Frühlingswald gegeben und zum Mittagessen Spargel auf chinesische Art. Mit knusprig gebratenen Mie-Nudeln, Rindfleisch und Pilzen. Auch nicht schlecht!

 

17.4.2020

Scholz will die Reichen besteuern. Wer wohl für den Herrn Scholz reich ist? Alle, die mehr verdienen als er selbst? So eine Volkswirtschaft muss doch kaputtzukriegen sein! Der Beifall aus allen linken Ecken ist ihm sicher gewiss. Eigentlich schade, dass ein Finanzminister so gar keine Ahnung von Finanzen und Wirtschaft hat…

Eine Freundin konnte 2 Atemmasken ergattern – die mit Ventil – und hat mir eine abgegeben. Das ist wahre Freundschaft!

Die Übergabe der Maske hat beim Gassigehen im Bad Homburger  Kurpark stattgefunden. Der Park ist, bei aller Schönheit der Anlagen, total zugekotet von diesen elenden Nilgänsen. Von Enten, Gänsen oder gar Schwänen keine Spur mehr. Diese Viecher vermehren sich schlimmer als sämtliche Karnickel und  vertreiben unsere einheimischen Tiere total. Nur unter einem Busch kauerten zwei einsame Erpel und verstanden die Welt nicht mehr. Nirgendwo ein Weibchen. Wo doch Frühling ist…

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Nur der Herr Hund fand es toll und hat sich ausgiebig im Kot der Nilgänse gewälzt. Jetzt stinkt er erbärmlich, guckt hochbeglückt und ahnt noch nicht, was zuhause auf ihn zukommt.

 

18.4.2020

Und schon wieder ein Wochenende!

Und schon wieder eine Stornierung!

Die Ballettaufführung in Lausanne – im Juni! – ist um ein jahr verschoben worden, weil die Truppe nicht üben kann.
Gut, dass ich nachgeschaut habe. Das Ticket bleibt gültig für nächstes Jahr, aber die Unterkunft wäre teuer gewesen, wenn ich die Stornofrist verpasst hätte…

Ich habe dann auch gleich einmal auf der Homepage des Rheingau Musik Festival nachgeschaut. Aber dort warten sie immer noch auf Auskunft.  Man darf gespannt sein.

Die Stadtverwaltung von Bad Homburg ist auf eine hervorragende Idee gekommen. Sie verteilen wiederverwendbare, waschbare Masken an die Einwohner. Respekt!

Und die vorgebliche „Umwelthilfe“ wird von Kommissar Zufall gerade ad absurdum geführt. Das freut mich sehr. Vielleicht haben dann unsere Kernindustrien mit ihren unzähligen Arbeitsplätzen demnächst doch noch eine Überlenenschance.

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Und mein Friseur hat angerufen: am 4. Mai darf er wieder öffnen und am 7. Mai darf ich kommen. Hurra.

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Hm, Nagelstudio wäre auch nicht schlecht, aber ich glaube eher nicht, dass die auch schon öffnen dürfen. Und ich bin auch nicht sicher, ob ich mich dorthin trauen würde. Ich werde wohl noch ein bisschen weiter improvisieren müssen.

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Ein trauriges Bild:

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch ein paar Blümchen zum Trost:  IMG_9995.JPG

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Meine höchstpersönliche Corona-Chronik – Teil 4

6.4.2020

Am Wochenende war der Wald gut besucht . Die Parkplätze waren voll. Heute früh musste ich einen davon überqueren, und es war nicht zu übersehen, dass der Andrang gross gewesen ist. Der Boden war mit Müll übersät. Leere Plastikflaschen, Getränkedosen, Unmengen benutzte Papiertücher und Verpackungen von Süssigkeiten und Getränken.
Die Leute lassen offenbar alles einfach zu Boden fallen, was sie nicht mehr brauchen. Machen die das zuhause auch so? Und wie soll der Wald dabei erholsam bleiben?

Den Leuten ist es langweilig. Best Secret kann nicht so schnell liefern, wie bestellt wird.

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Ich merke auch selbst, dass ich mich von den Verkaufsportalen fernhalten muss. Es ist viel zu leicht, mal schnell hier zu klicken, da zu klicken. Ich kaufe ja zur Zeit mehr von den notwendigen Dingen online, um die zwischenmenschlichen Kontakte so weit als möglich zu reduzieren und stolpere dabei immer wieder über irgendetwas, was ich eigentlich auch gut gebrauchen könnte. Oder gerne hätte. Aber iuneigentlich brauche ich es nicht und arbeite heftig an meiner Selbstbeherrschung.

Wie man hört, versuchen viele auch, der Versuchung zu entgehen, indem sie alles putzen, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist.

Heute musste ich einfach raus. Am Wochenende habe ich mich eisern beherrscht, weil ich mich nicht auf überfüllte Strassen und Wege einlassen wollte. Und jedes Mal, wenn ich fast schwach geworden wäre, habe ich mir selbst ins Ohr geflüstert: „Morgen wird es wärmer, morgen wird es wärmer.“ Natürlich  war es heute wärmer. Ich wollte ja auch gar nicht irgendwo anhalten, nur ein bisschen durch den Taunus fahren, hie und da unter einem blühenden Baum stehenbleiben und nach oben schauen.

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Zauberhaft!

 

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Ich bin übrigens vorhin informiert worden, dass Prof. Drosten festgestellt hat, dass Viren auf glatten Flächen unschädlich sind. Auf meine, wie ich finde, naheliegende Frage, wie lange sie brauchen, um dort unschädlich zu werden, habe ich leider noch keine Antwort erhalten.

Habe gerade noch mal selbst nachgeschaut. Ich denke, man kann nach wie vor davon ausgehen, dass die Biester bis zu 72 Stunden virulent bleiben.

Seit heute müssen übrigens deutsche Heimkehrer nach der Ankunft aus dem Ausland erst einmal für 2 Wochen in Quarantäne. Müssen jetzt alle in Quarantäne, die in Deutschland ankommen, oder gibt es immer noch Ausnahmen?

 

7.4.2020

Grönemeyer versucht, auch aus der Corona-Krise noch Kapital zu schlagen. Warum überrascht mich das nicht?

Er „widmet den Helden des Alltags ein Lied“. Ich habe eine ganze Reihe von Websites durchforstet, aber keinen Hinweis gefunden, dass er den Helden des Alltags auch die Einkünfte aus seinem Lied widmet…

Ich mache mir übrigens mehr und mehr Sorgen um die Steigerung der Ansteckungsgefahr, wenn die Bewegungseinschränkungen gelockert werden. Frau Merkel hat sich auf den 19.4.2020 eingeschossen – der Ramadan beginnt am Abend des 23.4.2020. und in Berlin hat ein Imam ja schon mal ein bisschen geübt, um zu sehen, was geschieht, wenn das derzeitige Versammlungsverbot durchbrochen wird. Gut, die Polizei kam und hat für Ordnung gesorgt. Aber ob das auch noch klappt, wenn sie sich um alle Moscheen in grossen Memgen versammeln und das Versammlungsverbot auch nicht mehr so streng durchgesetzt wird? Dann werden die Moscheen zu Brutstätten für Covid-19. Aber die Experten sind glücklicherweise eher für ein langsames und stufenweises Vorgehen; das wäre sicher besser.

Ich habe jedenfalls gestern Abend mal bei Amazon vorbeigeschaut, festgestellt, dass es wieder Atemmasken gibt und mir einen kleinen Vorrat bestellt. Und für alle Fälle habe ich auch gleich noch meinen Vorrat an Einmalhandschuhen aufgestockt,

Die Atemmasken kommen übrigens aus China. Im Netz wimmelt es von Warnungen vor Masken und generell Waren aus China –  sie würden uns krank machen statt zu schützen.

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Wüsste nicht, warum die Leute zahlende Kunden umbringen sollten – die wollen doch noch mehr verkaufen.

Ein Freund fragte gerade, wo ich so viel Zeit zum Schreiben hernehme. Also, wirklich! Wann, wenn nicht jetzt, wäre Zeit zum Schreiben:

Familie: verboten

Freunde: verboten

Reisen: verboten

Shopping: verboten

Friseur: verboten

Massage: verboten

Nagelpflege: verboten

Man fängt ja schon aus reiner Langeweile an, etwas Vernünftiges zu tun.

Selbst meine Fenster werden nach und nach wieder durchsichtig! Und zwar leider nicht ohne meine aktive Mithilfe.

 

Heute habe ich auch mal mein Auto gewaschen. Es war höchste Zeit.  Danach habe ich beschlossen, einen Blick  auf den Parkplatz beim Supermarkt zu werfen, denn so ein paar Sachen sind nicht mehr so ganz reichlich vorhanden. Ein schönes Nussbrot wäre auch eine schöne Abwechslung für das ewige Knäckebrot. Der Parkplatz war ok, nicht zu voll. Also Gummihandschuh an, Einkaufswagen geschnappt und los geht‘s. Erst zur Bäckerei. Nee, die atmen auf‘s Brot. Muss ich nicht haben. Lieber Mehl und selbst backen. Schliesslich habe ich das ja geübt, als ich einmal vor Jahren ein Buch  darüber geschrieben habe. Kein Mehl im Regal. Ein Mitarbeiter des Marktes räumte gerade Waren ein, und ich fragte ihn nach Mehl. Hm, hm, es sei gerade eine Lieferung gekommen, aber ob er da gleich das Mehl finden würde? Er fand. Und brachte mir eine gewaltige Tüte. Und während ich ihm überschwänglich dankte, wisperte er mir zu, dass sie gerade Grosspackungen  mit Toilettenpapier ins Regal geräumt hätten.

Eigentlich brauche ich gar keines. Aber andererseits – es wird ja nicht schlecht.

Gut, dass die Mitarbeiter im Markt so gut sind. Die Bürokraten im Hintergrund lassen Wünsche offen. Auf meine Anfrage, ob es einen Lieferservice gibt, kam nach einer ganzen Reihe von Tagen diese Antwort:

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Die meisten Händler haben sich da besser an die aktuelle Situation angepasst…

 

8.4.2020

Der Waldparkplatz ist gereinigt worden. Aber wenn das Wetter hält, dürfen wir wohl nach Ostern durch meterdicke Müllschichten waten. Ich verstehe diese Menschen nicht.

Merkwürdige Spam kriegt man heutzutage:

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Wetten, dass diese Mail nicht von einer würdevollen, liebenswerten alten Dame verfasst wurde?

Und auch diese hier erregt eine gewisse Heiterkeit:

 

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Was mich auch beschäftigt, ist die Sorge dieses Jahr nicht mehr reisen zu können. Budapest storniert. Am Dienstag nach Ostern wollte ich nach Meran und von da gleich weiter nach Mantua. Storniert.

Der nächste Ausflug ist für den 18. Mai geplant. Nichts Grosses. Bloß Coburg. Aber Coburg hat was. Ich war in der Adventszeit schon einmal kurz da und hatte Gelegenheit festzustellen, dass Coburg ein absolut bezauberndes Städtchen ist, mit vielen architektonischen Sehenswürdigkeiten und ausserordentlich liebenswürdigen Bewohnern. Und ich habe dort das Hotel Victoria gefunden, ein niedliches altes Anwesen mit sehr hübschen Zimmern, einer wirklich netten Wirtin und einer hervorragenden Lage. Gleich beim Stadttor, zu Fuss ist man in einer Minute im Zentrum. Zu Wiesen für den Hund muss man nur über die Strasse. Und mit dem Auto ist man in ein oder zwei Minuten aus der Stadt heraus, was ein grosser Vorteil ist. Denn rund um Coburg liegt enorm viel, was ich mir schon immer mal in Ruhe anschauen wollte. Aber die Anfahrt war mir zu weit. Aber wenn ich mich für eine Woche im Hotel Victoria niederlasse, kann ich all diese vielen Fliegen mit einer Klappe schlagen – hoffentlich klappt das!

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Am 16. Juni möchte ich gerne nach Lausanne fahren. Ich habe eine Karte für das Maurice Béjart Ballett ergattert. Sie tanzen Beethovens Neunte. Das stelle ich mir unglaublich schön und faszinierend vor. Und ich habe ein Zimmer ganz in der Nähe gefunden. Hoffentlich kann man bis dahin wieder reisen…

Im Juli habe ich eine Karte für Bregenz. Ob der Albtraum bis dahin vorbei ist?

Und dann geht das Rheingau Musik Festival los. Hoffentlich!

 

9.4.2020

So, die Schubladen mit den Nähutensilien sind aufgeräumt. Sieht super aus. Hoffentlich kann ich mir merken, nach welchen Kriterien ich sortiert habe, denn leider ist es durchaus nicht immer so, dass ich meine Logik von heute ein paar Wochen später noch nachvollziehen kann…

Die Balkons werden auch allmählich bewohnbar. Es ist Zeit, mich nach meinen Lieblingsblumen umzusehen, den Tomaten.

 

10.4.2020

Karfreitag

Der Wald ist randvoll. Mit rasenden Radfahrern, kreischenden Kindern, meckernden Müttern und mürrischen Männern in der Midlife-Krise. Und am Dienstag wird er dann grosse Ähnlichkeit mit einer Mülldeponie haben; die ersten Verpackungen glitzern schon am Wegrand in der Sonne.

Es sind wieder Flugzeuge unterwegs.

 

11.4.2020

Der Flugplan von Fraport beweist, dass mein Eindruck nicht getäuscht hat.

 

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Heute war ich noch einmal draussen. Bin 2 Stunden ziellos über kleine Landsträsschen gefahren, durh Obstplantagen und Obstbaumalleen in voller Blüte. Jetzt sind meine Batterien ausreichend aufgeladen für die Osterfeiertage – an denen ich sowieso immer zuhause bin. An Ostern und Pfingsten vermeide ich Autoverkehr – es passiert zuviel. Ist halt schade, dass niemand kommen darf…

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Meine höchsteigene Corona-Chronik – Teil 3

1.4.2020

Der erste April.

Jemand hat sich gewünscht, dass sich das alles heute als misslungener Aprilscherz herausstellt. Schön wär’s. Aber nicht besonders witzig.

In der Zeitung steht heute, dass diese  überaus bezaubernde Dame Esken der Ansicht ist, man solle die Corona-Krise nutzen, um den Reichen oder denen, die sie dafür hält, mehr Geld abzunehmen.Ich habe mir eine Leserzuschrift erlaubt, in der ich das zum Aprilscherz erkläre. Die Leserzuschrift wurde aber nicht veröffentlicht…

Schade.

Sonst? Ja, momentan nichts Neues. Im Wald machen alle weiterhin grosse Bögen umeinander. Wenn man Bekannte trifft, unterhält man sich kurz von einer Seite des Weges zur anderen und versichert sich gegenseitig, dass „uns nichts umbringen kann“.

Fast jedes Gespräch endet mit „bleib gesund“.

Immerhin reden wir noch miteinander, gelegentlich sogar mit Fremden. Ein Bekannter aus der Schweiz hat heute leicht bekümmert erzählt, dass dort die Leute nicht miteinander sprechen, wenn sie sich im Wald begegnen.

Der Himmel ist noch immer streifenfrei sauber. wenn es nicht so kalt wäre, könnte ich versuchen, meine Fenster in einen ähnlichen Zustand zu versetzen, aber es ist viel zu kalt. Wenn die Sonne ein wenig weiter nach Westen gewandert ist, werde ich versuchen, diesen blankpolierten Himmel auf einem Foto einzufangen.

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2.4.2020

Was habe ich heute getan? Überaus wenig! Ein gewaltiger Gassigang in diesem herrlichen Sonnenschein, unterbrochen von einem sehr langen Schwätzchen mit einer Frau, die auf einer Bank sass und mir ihren Platz anbot. Ich wollte eigentlich weiter. Stattdessen haben wir uns darüber unterhalten, was wir alles nicht wissen – und über Toilettenpapier und die merkwürdige deutsche Toilettenpapiersucht. Später  habe ich dann  weiter in den Schubladen mit den Nähutensilien herumgeräumt, erfahren, dass noch ein weiterer ehemaliger Reisegenosse bei guter Gesundheit ist und fleißig desinfiziert. Den Rest des Tages habe ich mit Versuchen zugebracht, Bilder in meinen Blog einzufügen. Auf dem Tablet. Ich krieg‘s nicht hin. Wenn ich versuche, ein Bild einzufügen, macht wordpress immer ein Titelbild daraus. Das Einfügen über Medien geht auch nicht, weil ich meine Bilder natürlich nicht als zip-Dateien speichere, und die Tastaturabkürzungen funktionieren auch nicht. Muss wohl vor dem Veröffentlichen doch wieder an den PC. Wie öde! Falls ich’ s nicht doch noch hinkriege, bitte ich alle, die sich mit sowas auskennen, um Rat und Hilfe.

 

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Von den infizierten Familienmitgliedern kommen gute Nachrichten. Geruchs- und Geschmackssinn kehren zurück. Fieber ist weg. Aber die Sache mit dem Testen funktioniert ja wohl gar nicht.

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3.4.2020

Heute habe ich wieder Gemüse geholt für einige Nachbarn und natürlich auch für mich. Seit meinem letzten Besuch bei unserem Kultgemüsehändler hat sich da Einiges getan. Als ich vorige Woche zur Tür hineinschaute, wimmelte es drinnen von älteren Leuten, die dicht an dicht ihre Nasen ins Gemüse steckten, was mich zu dem Entschluss brachte, nichts zu kaufen, das ich nicht auspacken, schälen oder kochen kann…

Dieses Mal hing draussen bei der Tür ein grosses Plakat, dass höchstens vier Kunden gleichzeitig im Laden sein dürfen – und die Kunden hielten sich dran und warteten brav vor der Tür, bis jemand herauskam. Drinnen war die Kassentheke mit einem grossen Plexiglasschutz abgesichert, und alle Mitarbeiter trugen noch einen zusätzlichen Plexiglasschild vor dem Gesicht.

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Das Angebot, eine Bestellung per Email oder Telefon aufzugeben und die Waren an der Ladentür abzuholen, wird offenbar auch gut angenommen.
Oben habe ich geschrieben, dass wir miteinander reden. Dabei ist natürlich die Corona-Krise das Hauptthema, insbesondere, nach der langen Zeit des „social distancing“ mit all seinen Begleiterscheinungen, die Frage, wie es wohl weitergehen wird.

Dabei kristallisiert sich heraus, dass es zwei Grundeinstellungen gibt.

Die eine ist Angst, eher diffuse Angst  vor der Krankheit, vor dem Sterben, vor dem Alleinsein und bei jüngeren Selbständigen kommt allmählich die Angst vor der Pleite auf.

Die andere könnte man als völlige Sorglosigkeit ansehen. Immer wieder kommt die Frage, ob die hier in Deutschland ergriffenen Massnahmen nicht heillos übertrieben sind, ob es wirklich angemessen ist, die Wirtschaft so stark herunterzufahren. Immer wieder heisst es, das ist doch bloss eine leichte Grippe, jungen Menschen macht das gar nichts aus, es wäre besser, wenn wir es schnell hinter uns kriegen, es sterben doch kaum welche.

Vor allem auch ältere Leute gehen mit der Bemerkung „da habe ich schon ganz andere Sachen überlebt“ über alle Warnungen hinweg.

Wenn man dann darauf hinweist, dass in anderen Ländern viel mehr Leute sterben, dass wir hier in Deutschland bisher ein völlig unverständliches Glück hatten und dass es leicht ist, die Krankheit für harmlos zu halten, wenn man noch niemand hat sterben sehen – dann werden die Gespräche meist doch etwas nachdenklicher.

Ich denke, man könnte schon Gründe dafür finden, dass der Verlauf hierzulande bisher relativ harmlos ist. Die meisten von uns ernähren sich relativ gesund und sind körperlich fit. Die meisten von uns sind diszipliniert und halten Abstand. Das hilft. Zumindest im Moment. Aber die Kontakte werden über kurz oder lang zunehmen müssen, und dann werden wir voraussichtlich ein Problem haben.

(Übrigens, ein ganz besonderer Herd für unkontrollierbare Infektionen scheinen Alters- und Pflegeheime zu sein. Insbesondere die grossen.)

Dazu werden auch die fehlenden Gesundheitskontrollen an unseren Flughäfen ein gerüttelt Mass beitragen. Wenn wir aufhören, vorsichtig zu sein und denken, dass wir nach der langen Isolationshaft wohl virenfrei sind, werden die Neuankömmlinge, die sich ja nach wie vor frei bewegen können, schon ihr Teil dazu beitragen, die Krankheit zu verbreiten.

Manche führen auch an, dass das Virus ja nur in einigen eng begrenzten Hochburgen einen hohen Zoll fordert. In manchen Ländern sei niemand oder fast niemand krank.

Sicher?

Woher wollen wir das wissen? Afrikanische Länder? Nordkorea? Dem Anschein nach weitgehend coronafrei. Aber was ist dort wirklich los? Wir wissen es nicht. Der Nahe Osten, Kleinasien, Emirate und umliegende Gebiete, grosse Teile Südamerikas – von da hört man so gut wie gar nichts. Liegt das daran, dass das Virus dort nicht angekommen ist, keinen Schaden anrichtet oder daran, dass niemand sich darum kümmert, wieviele krank sind? Daran, dass keine Zahlen veröffentlicht werden (können)?

Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, was im Iran los ist. Es gibt nur Gerüchte, aber die klingen übel. China? China behauptet, sie hätten die Ausbreitung gestoppt. Kann ich das wirklich glauben? Bei manchen Ländern spielen ja auch Eitelkeiten eine wesentlich grössere Rolle, als sie eigentlich spielen sollten. Und in einigen Ländern Afrikas ist man wahrhaftig Schlimmeres gewöhnt und nimmt ein Coronavirus nicht weiter ernst.

Ich denke, wir müssen froh und dankbar sein, dass diese Pandemie, die uns so richtig eiskalt erwischt hat, etwas ist, was aller Voraussicht nach die Allermeisten von uns überleben werden. Ich sehe das als eine Art Generalprobe. Man wird jetzt wissen, was man zur Vorbereitung auf eine Pandemie hätte tun müssen. Und wenn dann etwas wirklich Übles kommt, z.B. so etwas wir Ebola, wo man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stirbt, und zwar nicht nur einfach so, sondern unter höchst schmerzhaften und widerlichen Begleitumständen, wird man hoffentlich vorbereitet sein.

Auf jeden Fall werden wir  auf grundlegende Änderungen vorbereitet sein müssen. Unsere Wirtschaft wird nicht nur schrumpfen, sondern auf Sparkurs gehen müssen. So manche Grosszügigkeit, die wir uns bisher leisten konnten, wird zu teuer werden. Der Sozialstaat wird an Geldmangel leiden. Es werden nur noch die unterstützt werden können, die tatsächlich Unterstützung brauchen. Luxussoziales für Schmarotzer wird wegfallen müssen.

Es wird, da viele Unternehmen die Krise nicht überleben werden, Arbeitslose in lange nicht erlebter Zahl geben. Mein Vorschlag wäre, dass einige der Tüchtigeren Arbeitslosen sich der Politik zuwenden – sicheres und gehobenes Einkommen, und wir könnten mal ein paar Köpfe in der Politik gebrauchen, die gelernt haben zu denken und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, die vielleicht sogar Fachkenntnisse in einem Ressort haben? Fände ich gut.

4.4.2020

Im History Channel läuft gerade eine Doku über die Hexen von Salem. Eindringlich wird dargestellt, wie die Katastrophe damit anfängt, dass sich ein paar weibliche Teenager in den Vordergrund spielen wollen, indem sie hysterische Anfälle in Szene setzen und wilde Anschuldigungen ausstossen gegen Menschen, die aus irgendeinem Grund ihr Missfallen erregt haben.
Mehr und mehr junge Mädchen werden mitgerissen und sind begeistert dabei. Und mehr und mehr Menschen verlieren wegen unsinniger Anschuldigungen nicht nur alles, was sie sich erarbeitet haben, sondern sogar ihr Leben.

Und, oh Wunder, erwachsene Männer von Rang nehmen das alles gerne ernst, denn es gibt ihnen eine Möglichkeit, sich zu profilieren. Und dabei zu den Guten zu gehören.

Und Menschen von Einfluss und mit gutem Netzwerk erhalten die Gelegenheit, sich zu bereichern.

Komischerweise muss ich dabei immer wieder an FfF und an den Me-too-Kriegszug denken.

5.4.2020

Heute sagt die Bundesregierung, dass der Verlauf bisher in Deutschland recht mild war, dass aber in naher Zukunft mit einer heftigen Steigerung der Infektionsrate zu rechnen ist. Davon gehe ich auch aus. Es wird dann passieren, wenn wir wieder aufeinander losgelassen werden, die Wirtschaft wieder hochgefahren wird, Verwandte und Freunde einander wieder besuchen, voller Erleichterung, dass die schwierige Zeit des Getrenntseins vorüber ist – dann wird die Infektionskette Fahrt aufnehmen. Und genau davor habe ich Angst.

Das Virus ist da, und es wird nicht einfach so verschwinden. Und wir werden auch nicht auf wundersame Weise plötzlich immun dagegen sei.

Die Grüne Jugend fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden einzelnen Bürger. Wie bereits oben gesagt, Luxussoziales werden wir uns nicht mehr leisten können. Die Steuern, aus denen dieses Geld kommen soll, müssen erst einmal erarbeitet werden. In einer Rezession dürfte das etwas schwierig werden. Ich frage mich, ob der Mathematikunterricht nur freitags gehalten wurde und jetzt die Defizite sichtbar werden.

Ich jedenfalls fürchte ernstlich, Covid-19 wird uns dahin bringen, dass Hilfe nur noch für Menschen möglich sein wird, die sich selbst nicht helfen KÖNNEN. Hoffentlich!  Für Menschen, die sich selbst nicht helfen WOLLEN, wird einfach nicht mehr genug da sein.

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Meine höchsteigene Corona-Chronik – Teil 2

29.3.2020

Es schneit!

Es schneit aus allen Rohren!

Im Winter hätten wir uns sicher darüber gefreut.

Wieder einmal ziemlich schlecht geschlafen.  Das wird allmählich zum Normalfall und ist kein bisschen hilfreich.

Aber für heute hatte ich mir wenigstens nicht sonderlich viel vorgenommen: Teil 1 meiner „Chronik“ einstellen, ein paar Knöpfe annähen, dies und jenes auf Vordermann bringen, Essen kochen, Hund ausführen und was halt noch so kommt. Viel ist nicht daraus geworden. Das Mittagessen war total verspätet, sollte ein neuer Versuch sein. Aber da ich nach ein paar Telefonaten total vertieft darin war, meinen Beitrag zu überarbeiten und zu korrigieren, habe ich vergessen, dass wir Sommerzeit haben seit heute Nacht und dass ich für’s Kochen ein bisschen mehr Zeit brauchen würde, und so ist es dann auch geworden: versalzen!

In ein paar Tagen versuche ich es noch einmal.

Heute Nachmittag bin ich dann auf meine Webseite – am PC, weil ich nicht wusste, wie ich mich auf dem Tablet einloggen soll –, habe den Beitrag nochmals überarbeitet, die Fotos zurechtgeschnitten und alles eingestellt. Erstaunlich, wieviel man in einem Jahr vergessen kann! Aber er steht. Dann habe ich mir die Geschichte als Leser angeschaut und gleich wieder korrigiert. Das lange Rattenschwänzchen an Notizen am Ende des Beitrags störte doch ein wenig.

Und da ich mich gerade sehr stark fühlte, habe ich auch gleich nach meinem Benutzernamen und meinem Passwort geforscht und habe es geschafft, nach zahlreichen Tippfehlern meine eigene Webseite auch auf dem Tablet anzusteuern.

Heureka!

Das Ganze hat mich erfreulicherweise am Nachdenken gehindert. Denn immer, wenn ich derzeit nachdenke, muss ich mich fragen, wie das eigentlich gehen soll.

Wir können nicht ewig Quarantäne halten.

Industrie und Handel können keinen ewigen Dornröschenschlaf halten.

Wir wollen ja nicht nur leben, wir müssen auch VON irgendetwas leben.

Wie soll das ohne Löhne und Gehälter gehen?

In unserer Wirtschaft greifen doch so unendlich viele Räder und Rädchen ineinander – wie kann man sie am Zerbrechen hindern, wenn sie so lange stillstehen?

Da ist ja nicht nur ein bisschen Sand im Getriebe, sondern ein ganzes Gebirge.

Wie lange kann ein Staat – eigentlich momentan viele Staaten – über seine Verhältnisse wirtschaften ohne Inflation. By the way, befindet sich in unserer Regierung eigentlich ein Volkswirtschaftler, ein einziger? Einer mit abgeschlossenem Studium und Berufserfahrung?

Ist unsere Zukunft wirklich gesichert, wenn man eine Menge Milliarden in eine Gießkanne packt und über das wonnig erschauernde Volk kippt?

Und wo sollen Steuereinnahmen herkommen, wenn niemand Geld verdient? Und mit verdient meine ich erarbeitet!

Und werden wir wirklich vor Ansteckung und Tod sicher sein, wenn man uns wieder aufeinander loslässt?

Was geschieht, wenn in den Flüchtlingslagern die Menschen krank werden? Werden sie Disziplin bewahren?

Was geschieht mit den Kindern, deren Eltern ihnen nicht die Schule ersetzen können? Hier stossen ja sogar Eltern der gebildeten Schichten an ihre Grenzen – Beruf, Haushalt, Schule…

Was, wenn Gruppierungen der extremen politischen Flügel glauben, die Gunst der Stunde nutzen zu müssen?

Was, wenn Terroristen das auch glauben?

Was, wenn das Virus mutiert und womöglich  gefährlicher wird?

Wird unsere Wirtschaft total zusammenbrechen? Sie ist ja ohnehin schon stark geschwächt, nachdem man sich so intensiv bemüht hat, unsere wichtigsten Industrien zu ruinieren.

Wann gibt es endlich Atemmasken und Schutzkleidung? Nach Corona?

Und brauchbare Testmöglichkeiten? Auch nach Corona?

Zielführende Informationen statt Panikmache und Verächtlichmachung ausländischer Politiker?

 

Fragen über Fragen, aber keine Antworten!

 

Heute hat man mir etwas zugespielt, was anscheinend manche Leute ins Grübeln gebracht hat und auf den ersten Blick verführerisch einleuchtend klang.

Noch eine Verschwörungstheorie. Daran herrscht ja gerade wieder einmal kein Mangel. Die eine behauptet, es gäbe gar keine Pandemie, es handele sich nur um Bemühungen, die Menschheit unter das Joch irgendeines Systems zu stellen, indem man eine Ausrede für Einschränkungen konstruiert habe, die dann dauerhaft bleiben würden. Unwahrscheinlich, dass das funktioniert. Andere beschuldigen Putin, Xi, Erdogan, Trump, den Weltkommunismus, Kim, den Weltfaschismus, und, und, und, das Virus absichtlich in die Welt gesetzt zu haben, um absolute Macht zu erlangen. Und sich dabei selbst zu gefährden. Wohl kaum.

Aber diese hier kann einen zweiten Blick vertragen, denn sie stellt die Größe der Gefahr in Frage. Sie vergleicht mit anderen Krankheiten, die viel gefährlicher seien und keinerlei Beachtung fänden. Zum Beispiel:

 

Ebola

Eigentlich ist klar, warum das nicht weiter beachtet wird. Ebola tritt weitestgehend nur in bestimmten Ländern Afrikas auf. Zu weit weg, um in den entwickelten Ländern als akute Gefahr wahrgenommen zu werden. Das ist sicherlich falsch, aber man steckt trotzdem den Kopf in den Sand und hofft, dass weder das starke Engagement Chinas in Afrika noch leichtfertige Touristen den Rest der Welt mit Ebola beglücken.

 

Die Pest

Die ist heute bestens behandelbar und trotz ihres Restvorkommens in Ländern Asiens und den USA (im „bible belt“, glaube ich) keine echte Gefahr mehr. Ich erinnere mich noch gut daran, als sie das letzte Mal in Indien ihr Glück versuchte. Ich war damals zufällig dort und war schon mit Antibiotika bewaffnet angereist. Aber die Angst war völlig unberechtigt – man kam nicht in die Siedlungen, wo sie sich ausgebreitet hatte. Keinerlei Berührungspunkte. Schwierig war da nur die Weiterreise nach Hong Kong. Hotelbuchung von Indien aus war völlig unmöglich, für Gäste aus Indien gab es in ganz Hong Kong kein Zimmer. Ich musste die Buchung aus Deutschland veranlassen. Und dann die Landung in Hong Kong! Innen wurde der Flieger erst mal gründlich desinfiziert, einschliesslich der Passagiere. Aussen wurde er gründlich gewaschen. Erst danach durften wir aussteigen und wurden streng von allen anderen Reisenden getrennt und überprüft, ehe man uns in die Freiheit entließ.

Vor der Pest hat man einfach zu viel Respekt!

 

Tuberkulose

Ja, absolut. TB ist seit Jahren wieder gewaltig auf dem Vormarsch. Die Zahlen sind riesig im Vergleich zu dem bisschen Covid-19. Aber sie betreffen eine ganz bestimmte Zielgruppe. Um sich Tuberkulose einzufangen, muss man bestimmte Bedingungen erfüllen: Mangel- oder Fehlernährung, gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen, Mangel an Bewegung, Frischluft, Sonnenschein.

Tuberkulose befällt nicht wahllos alles, was ihr in den Weg kommt.

 

Immerhin, bis hierher musste man Fakten prüfen, um die verführerisch logisch erscheinenden Behauptungen widerlegen zu können. Aber auf der Grundlage der Behauptungen wurde es dann reichlich paranoid. Wer will und nutzt das alles zu seinem Vorteil? Klar, die Superreichen. Logisch. Bill Gates und Warren Buffett und noch ein paar in dieser Liga. Da erhebt wieder einmal die Neidgesellschaft ihr hässliches Haupt.

Was um alles in der Welt hätten die „Superreichen“ denn davon, den Bösewicht aus einem James-Bond-Film darzustellen. Paranoia zu widerlegen, erübrigt sich wohl.

Nein, das Problem mit dem Corona-Virus ist schlicht und ergreifend, dass wir zu wenig darüber wissen, dass es keine gesicherten Behandlungsmöglichkeiten gibt und dass es alle Welt völlig unvorbereitet erwischt hat. Deshalb sollten wir lieber übertrieben vorsichtig sein und später über uns selbst lachen. Das ist allemal besser, als nie wieder lachen zu können.

 

30.3.2020

Ach ja, gestern wollte ich mir doch auch noch eine Atemmaske aus einem Kaffeefilter basteln, da es ja im bestens vorbereiteten Deutschland keine zu kaufen gibt. Und effizienter als ein  ums Gesicht gewundener Schal wird so ein Kaffeefilter wohl sein.

Testkits scheinen auch rar zu sein. Es wird wohl sorgfältig darauf geachtet, keine unnötig zu verschwenden. Deshalb werden ja auch Familienmitglieder von positiv Getesteten abgewiesen, weil sie nicht in einem Risikogebiet (China! Italien!) gewesen sind. Naja, zum Ausgleich lassen sich manche, die wohl besonders viel Angst um ihr wohl besonders kostbares Leben haben, gleich mehrmals testen.

Honi soit qui mal y pense…

Heute habe ich endlich Antwort von Freunden in Xi’an erhalten. Alle gesund und munter.

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Sie raten mir dringend, nicht ohne Atemmaske aus dem Haus zu gehen.

Grmpfff!

Immerhin, die Kaffeefiltermaske ist gebastelt. Eigentlich dachte ich, es wäre noch Gummilitze da, aber die ist leider nicht auffindbar. Aber mit einem dünnen Strick zum Binden geht es auch.

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Eben habe ich noch selbstklebendes Klettband gefunden! Wenn ich das zusätzlich festtackere, müsste es noch besser gehen. Wird beim nächsten Energieanfall ausprobiert.

A propos Energie. Mir war noch nie so klar wie gerade jetzt, wie wichtig es ist, den Tag gut zu strukturieren…

Der innere Schweinehund versucht immer wieder sein Glück!

Wenn man Freunde und Familie nicht sehen kann, ist man viel mehr zuhause und nimmt Dinge in Angriff, für die man normalerweise hervorragende Ausreden findet. Nun ist mir aufgefallen, dass ich in den letzten Tagen viel gesucht und wenig gefunden habe und habe vorhin Mut gefasst und die Schubladen mit meinen Nähutensilien in Augenschein genommen. Kein Wunder! Katastrophal! Die sind jetzt dran.

Übrigens sind heute noch so ein paar Videos mit allen möglichen Theorien darüber aufgetaucht, dass wir alle spinnen, wenn wir uns so einschränken lassen. Habe gerade die neuesten Nachrichten aus Spanien gelesen. Wir spinnen nicht. Hoffentlich bleibt uns das erspart.

Ich glaube, wenn man in Deutschland sitzt, vielleicht den einen oder anderen Infizierten kennt und niemanden sterben gesehen hat, ist es momentan sehr leicht, das alles als grosse Verschwörung oder Spinnerei abzutun. Möge Gott, Allah, Brahma, der Grosse Manitou oder wer auch immer geben, dass wir uns das weiterhin leisten können.

Im Fernsehen nerven sie schon wieder mit ihren als Danksagung verkleideten Werbesendungen. Ist ja vielleicht – auch  – gut gemeint. Aber in erster Linie sollten die Leute anständig bezahlt werden. Wir brauchen sie, nicht nur jetzt, sondern immer. Jetzt merken wir es bloß endlich. Ein guter Anfang wäre schon, die Riesensummen, die man in diese Werbesendungen steckt, an die Menschen zu verteilen, denen man so innig dankt.

 

31.3.2020

 

Habe gerade eine Retoure zur Post gebracht. Nur die beiden Mitarbeiter hinter ihren Schaltern und Plexiglasschutz im Laden. Kein Kunde weit und breit. Und draussen haben alle gewaltige Bögen umeinander gemacht. Ich hatte meine Kaffeemaske zwar dabei, habe aber unter diesen günstigen Umständen gerne darauf verzichtet, sie umzubinden.

Und sonst war heute nicht viel los. Früh mit dem Hund in den Wald, mittags mit dem Hund in den Wald, gegen Abend mit dem Hund in den Wald, heute Nacht noch einmal mit dem Hund in den Wald.

Schubladen ausgeräumt, gereinigt, angefangen, sie wieder einzuräumen.

Unser frisch operierter Hausgenosse, der sich unter keinen Umständen infizieren darf, hat sich endlich bereit erklärt, seine Nachbarn für ihn kochen zu lassen.

Die Sonne scheint, der Wind ist eisig.

Ich probiere jetzt einmal aus, ob ich den Blog auch auf dem Tablet hinkriege. Wäre natürlich toll. Dann könnte ich ganz andere Reiseberichte schreiben, wenn wir wieder reisen können…

Es geht nicht. Ich kriege mein Machwerk auf dem Tablet nicht von Word zu WordPress. Morgen früh versuche ich es noch einmal. Und wenn es dann auch nicht klappt, werde ich für diesen Beitrag auf altbewährte Methoden zurückgreifen und künftig direkt auf der Webseite schreiben.

 

Bleibt gesund!

 

Meine höchsteigene Corona-Chronik

Letztes Jahr habe ich nicht viel geschrieben, mir war nicht so danach. Aber jetzt juckt es mich wieder in den Fingern, auch wenn ich gar nicht reisen darf…

Deshalb fange ich jetzt an mit meiner höchsteigenen Corona-Chronik

24.3.2020

Die Idee hätte mir ruhig schon etwas früher kommen können!

Ob ich jetzt noch all meine Gedanken zusammenkratzen kann? Von Dezember bis jetzt?

Sehr zweifelhaft, aber einen Versuch ist es wert.

Und wenn der Blog auch heißt „Reisen Futtern (Nach)kochen“ – so eine Art Reise ist das ja jetzt auch, eine Reise in äusserst ungewohnte und unerwartete Erfahrungen, eine Reise mitten in eine

Science Fiction Story.

 

Und beim Gedanken an Science Fiction fallen mir als Erstes die ganzen amerikanischen Geschichten ein, bei denen es ruckzuck darum geht, dass alle ihre Vorstellungen mit Waffengewalt durchsetzen wollen, bis zum Schluss der gute Bewaffnete siegt. Schwer vorstellbar. Hoffen wir einfach mal, dass das so nicht kommt.

Obwohl, wenn ich so an Klopapier denke – ausgesprochen sozial haben sich die Leute ja nicht gerade gezeigt…

Und wenn es ihnen zuhause langweilig wird…

Lieber nicht darüber nachdenken.

Seit gestern trudeln bei mir immer mehr Mails ein von Leuten, die ich auf früheren Reisen und Kreuzfahrten kennengelernt habe. Es war immer so das Übliche: man verstand sich wunderbar unterwegs, tauschte Adressen und Kontaktdaten aus, schrieb ein paar Mails, schickte ein paar Fotos hin und her, und dann schlief die Geschichte ein. Jetzt plötzlich, unter dieser gemeinsam empfundenen Bedrohung,  denken Menschen in der ganzen Welt aneinander und vergewissern sich, dass es den Reisegenossen von einst gut geht, dass alle gesund sind.

Das ist wunderschön.

Und wenn man nach Frankfurt hineinfährt, sieht man die Wechselanzeige gleich bei der Stelle, wo sie immer die Radarfallen verstecken. Sonst steht da immer drauf, was man nicht darf. Heute:

Haltet Abstand,

Bleibt zuhause

Bleibt gesund

 

Irgendwie finde ich das auch wunderschön.

Aber ich bin ein bisschen verunsichert wegen des Autofahrens. Gut, heute hatte ich etwas zu erledigen, sehr vorsichtig mit Gummihandschuhen, grosser Brille und leider ohne Atemmaske, dafür mit Abstand. Aber darf ich eigentlich auch mal zum Vergnügen ein bisschen durch die Gegend fahren? Ich möchte ja gar nicht anhalten, nur ein wenig geniessen, die Sonne scheint so schön, Forsythien und Schlehen stehen in voller Blüte, bald kommen die Magnolien dazu und die Obstbäume. Und weiter unten im Flachland schimmern die Bäume schon grün. Darf ich da ein oder zwei Stunden durch die Gegend kreuzen, Batterien aufladen?

Im Auto besteht doch keine Ansteckungsgefahr, weder aktiv noch passiv.

Vorhin war auch eine liebe Nachbarin hier und hat mir geholfen, dem Hund die Krallen zu stutzen. Das wollten wir eigentlich schon vor einiger Zeit machen, aber sie hatte Grund zu der Befürchtung, dass sie sich angesteckt haben könnte. Gestern endlich erfuhr sie, dass das nicht geschehen war. Also haben wir uns heute den äusserst unwilligen Hund vorgenommen. Der Hund mit Maulkorb, die Nachbarin mit einer etwas zerknautschten Maske, ihrer letzten!, und ich mit einem Schal dreimal um Mund und Nase gewickelt. Man weiss ja nie…

Diese ständige Unsicherheit ist schon ziemlich belastend!

Sie wird ja auch noch dadurch verstärkt, dass von den lokalen Behörden, der lokalen „Führung“ so absolut gar nichts kommt. Keine Telefonnummern, die man anrufen könnte, keine Hinweise, ob man sich irgendwo testen lassen kann und wie das ablaufen könnte.

Nichts. Man stellt sich tot.

Aber immerhin, inzwischen haben viele eingesehen, dass es besser ist, nicht so nahe an andere Menschen heranzugehen. Gestern und heute haben die wenigen Leute, die draussen herumliefen, einen großen Bogen um mich gemacht.

Am Sonntag sah das noch völlig anders aus. Die Wege waren randvoll und kaum jemand versuchte, Abstand zu halten.

Heute leere Wege, freie Strecken, kondensstreifenfreier Himmel – geradezu unheimlich. Früh am Morgen beim allerersten Gassigang war ich richtig erleichtert, als weit im Osten über dem Horizont zwei Kondensstreifen auftauchten. Davor hatte ich Sorge, dass nachts noch irgendetwas Schreckliches passiert sein könnte.

Heute früh wollte ich übrigens eigentlich nach Budapest fliegen. Das Hotel hatte ich schon vor einigen Tagen storniert, als die ungarischen Touri-Webseiten noch steif und fest behaupteten, in Ungarn käme Corona nicht vor. Nur den Flug konnte ich nicht stornieren. Erstens weil es ein Billigflug der Lufthansa war. Aber vor ein paar Tagen sah ich, dass Lufthansa auch bei solchen Flügen kulant sein und Umbuchungen zulassen will. Ging zweitens aber bei meinem Flug nicht, weil ich ausprobiert hatte, wie die Flugbuchung über booking.com funktioniert. Das Buchen war kein Problem. Aber die Kontaktaufnahme zwecks eventueller Umbuchung oder Stornierung war ein Problem. Da kam keine Reaktion. Erst heute früh, kurz vor der Abflugzeit, kam per SMS die Info, dass der Flug annulliert ist. Ich habe dann beim Kundenservice per Mail um Erstattung gebeten und wurde informiert, dass ich mich per Mail oder Chat beim Kundenservice melden soll, wenn ich ein Anliegen habe.

 

???

 

Künftig buche ich meine Flüge wohl doch lieber wieder direkt bei den Fluggesellschaften.

 

25.3.2020

Im April wollte ich nach Meran. Und anschliessend nach Mantua. Gestern storniert.

Ich habe das lange vor mir hergeschoben, aber gestern hatte ich die Hoffnung auf ein Wunder aufgegeben.

Sämtliche Pläne für Oper und Konzerte bis in den Mai hinein sind ins Wasser gefallen. Bin sehr gespannt, ob das Rheingau-Musik-Festival dieses Jahr stattfinden kann. Und so ganz, ganz langsam fange ich an, mich zu fragen, ob wir 2021 noch daran interessiert sein werden.

Aber vielleicht sollte ich meine heutigen Gedanken nicht so ernst nehmen. Bin irgendwie gerade mit mir und der Welt zerfallen.

 

26.3.2020

Gestern war ein verschwendeter Tag. Nichts lief.

Heute war deutlich besser. Ich habe heute zum ersten Mal meinen Einkaufsplan für Frischgemüse ausprobiert. Gestern Einkaufslisten – meine und die von Nachbarn – an den Gemüsehändler gemailt.

Heute hingefahren, er hat alles n den Kofferraum gestellt, ich hab’s den Nachbarn vor die Türe gestellt. Ich überwies an den Händler, die Nachbarn an mich, Ansteckungsmöglichkeiten minimiert. Alles gut.

Und den Gemüsehändler habe ich wohl auf eine Idee gebracht:

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Mittags langes Waldgassi unter diesem herrlich streifenfreien Himmel,

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krampfhaft Abstand zu einer sechsköpfigen Wandergruppe gehalten, die ihrerseits darauf keinen Wert legten, sondern dampfplaudernd gar nicht wahrzunehmen schienen, dass ausser ihnen selbst noch mehr Leute existierten.

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Mit Freunden telefoniert.

Herausgefunden, welches Problem die Nähmaschine dieses Mal hat – ein wirklich effizienter Tag.

Leicht beeinträchtigt durch die Informationen zur Effizienz von Testzentren, Gesundheitsämtern und so.

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Und durch die immer beängstigender werdenden Vermutungen über die Dunkelziffer.

 

Man reiche mir Politiker und Beamte, die wissen, was sie tun.

 

Zum krönenden Abschluss habe ich mir eine blaue Margarita gemixt,

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sie in mein schönstes Martiniglas gefüllt

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und versucht, ein brauchbares Fernsehprogramm zu finden. Leider ohne Erfolg, wie meistens.

Alles gut.

Noch.

Welch ein Unterschied gegenüber meiner Einstellung vor genau einem Monat!

 

Februar

 Am 14. Februar noch schnell zur Goldatzel gefahren, Wein kaufen. Gestern haben sie dort ihren Gutsausschank für 2020 geöffnet. Die Gaststube war gerammelt voll, aber die Terrasse war ganz leer. War zwar etwas frisch, aber dafür war die Luft virenfrei. Und wenn auch die Aussicht etwas darunter litt, dass der Weinberg unmittelbar vor der Terrasse umgepflügt war, so war der Blick auf den Rhein und hinüber nach Rheinhessen doch immer noch sehr schön. Und nach einer Weile kamen noch zwei Gäste, die lieber draussen sitzen wollten. Wenigstens war ich jetzt einmal dort; ich glaubte nicht, dass sie nächste Woche noch geöffnet sein würden. Was ja auch stimmte.

 Am 16. Februar gab es eine Benefizveranstaltung, Ballett, das wollte ich mir nicht entgehen lassen, obwohl ich ja durchaus schon wusste, dass es schlauer wäre, Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die Aufführung war wunderschön, das Publikum hat tüchtig gehustet, also vorher und nachher, nicht so sehr während der Aufführung. Am meisten hustete meine Gesprächspartnerin. Wir machten ordentlich Witzchen darüber, versuchten Abstand zu halten, aber auf 1,5 m kamen wir eher nicht. Die Einzigen, die konsequent Abstand wahrten, waren die asiatischen Besucherinnen.

Eine Woche später Schwarzlichtminigolf und anschliessendes Waffelessen mit den Kindern. Hat einen Riesenspass gemacht, aber auch da im Hinterkopf das dringende Gefühl, ich sollte da nicht sein. Die Kinder wohl eigentlich auch nicht.

In der letzten Februarwoche grosser Familienbesuch, also ich bei Familie eingefallen. Da fürchtete ich schon, dass das bald nicht mehr möglich sein wird, hielt es auch nicht für besonders klug, aber…

Wenn ich schon mal da war, noch mit Freundin getroffen und Ausflug gemacht. Freundin ist Chinesin – wir hielten eisern Abstand zu allen, also fast, nicht zu einander. Und wählten unser Ausflugsziel sorgfältig aus: nicht zu einem Ort, wo es schon Infektionen gegeben hatte. Dabei war uns eigentlich klar, dass schon da wahrscheinlich die Dunkelziffer recht fortgeschritten sein durfte.

Am letzten Tag noch 2 Geburtstage mitgefeiert, mit vielen Umarmungen. Nach der Heimfahrt noch schnell zu einem dritten Geburtstag. Der 1. März scheint enorm beliebt zu sein zum Geborenwerden.

Und dann? Nach ein paar Tagen kratzte es im Hals und ich fühlte mich fürchterlich schlapp. 2 Wochen Angst. Aber ich hatte kein Fieber, und Geruchs- und Geschmacksempfinden waren voll funktionsfähig.

Alles gut.

Gleich im Anschluss Friseurtermin!

Soll ich, soll ich nicht?

Ach was, der kommt ja nur von hinten an mich dran, und die Haare haben’s wirklich nötig. Und ehe ich mich versah, zupfte mir ein junges Mädchen an den Augenbrauen herum und hauchte mir dabei aus wenigen Zentimetern Abstand ins Gesicht. Sie beteuerte aber, dass sie dabei keine Angst hätte.

Ach ja…

Das beruhigte mich ungemein.

Wieder zwei Wochen Angst.

Alles gut.

 

27.3.2020

 

Und heute kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie sich die Menschen in den Risikogruppen je wieder sicher fühlen sollen.

Ganz abgesehen davon, dass wir ja wohl noch gar nicht ganz sicher sein können, wer die Risikogruppen sind. Die Pauschalbehauptung, alte Menschen seien gefährdet und junge nicht, ist ja ganz offensichtlich falsch. Es gibt alte Menschen, bei denen die Infektion sehr leicht verläuft und junge, die daran sterben. Da müssen noch mehr Faktoren eine Rolle spielen. Zu diesen Faktoren gehören offenbar Vorerkrankungen unterschiedlichster Art, Rauchen, schwache Immunabwehr. Was noch?

Und ob die derzeit hierzulande bevorzugte Strategie funktioniert, weiss auch niemand. Der einzige Vorteil, den wir wohl wirklich gegenüber den Menschen in früheren Pandemiezeiten haben, ist  zu wissen, dass menschliche Nähe die Übertragung von Krankheiten begünstigt. Wir verzichten also darauf, uns in Kirchen und bei Prozessionen zusammenzurotten. Die Bittgebete nützten nur den Erregern.

Und wir haben das grosse Glück, trotz Isolation mit unseren Familien und Freunden in Kontakt bleiben zu können. Den Erfindern von Telefonie und Internet sollten wir sehr dankbar sein.

Um die Lebensgeister noch ein bisschen besser auf Vordermann zu bringen, bin ich nachmittags zwei Stunden spazieren gefahren. Wenig Verkehr, und man hat durchaus den Eindruck, dass niemand gerne ins Krankenhaus möchte – niemand fuhr bei Rot! Aber unten im Flachland blühen schon ganz viele Sträucher und Bäume, das erste Grün lässt sich blicken, das belebt sehr. Es ist halt schade, dass man nicht einkehren kann, dadurch fallen Tagesausflüge erst einmal aus. Aber es gibt sicher Schlimmeres.

 

28.3.2020

 Heute bin ich nicht mehr ganz so pessimistisch, obwohl mich der Gedanke nicht los lässt, wie sich das Ganze weiter entwickeln wird. Wenn ich mir die Zahlen aus Spanien, Italien, New York anschaue, drängt sich der Gedanke auf, dass der hierzulande bisher doch recht gnädige Verlauf uns in falscher Sicherheit wiegt und ein sehr böses Erwachen zur Folge haben könnte.

Nun, wir werden es wohl demnächst wissen.

Zum Mittagessen gab es Spargel, und dann ging es mit dem Hund in den Wald. Es war, da noch Mittagszeit, recht wenig Betrieb auf dem Waldweg. Ich traf ein junges Pärchen, das sich begeistert auf den Hund stürzte und streichelte und liebkoste, was mich veranlasste, meinen Wauwau zuhause zu desinfizieren – wie soll ich wissen, ob die Leute das Virus mit sich herumschleppen. Und ob es sich auf Hundefell hält und mich befallen kann?

Kurz danach traf ich ein zweites Pärchen, schon deutlich älter, das sich ängstlich in das Dornengestrüpp am Wegrand quetschte, um nicht mit meinem Hund in Berührung zu kommen. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie eigentlich Hunde recht gern mögen, aber Angst vor Ansteckung haben, egal ob aktiv oder passiv. Der Mann berichtete, dass er seit vier Wochen jeden Morgen Fieber misst.

Hm.

Muss doch auch mal versuchen, mein Fieberthermometer zu lokalisieren. Keine Ahnung, wo sich das herumtreibt.

Dann bin ich noch ein wenig spazieren gefahren. Morgen soll das Wetter deutlich schlechter werden.

Strassen und Parkplätze waren sehr, sehr voll. Autos, Motorräder, Fahrräder – alles war unterwegs und auf den Wegen am Rhein, rund um Johannisberg, Kloster Eberbach und die vielen anderen schönen Plätze dort drängten sich die Menschen dicht an dicht. Zum Aussteigen hatte ich da keine Lust, sondern wich auf kleine Nebensträsschen aus, wo ich nur einmal kurz anhielt, um ein Foto zu machen.

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Und damit beende ich den ersten Teil meiner Chronik. Morgen beginnt der zweite Teil, aber erst, wenn ich diesen Text eingestellt habe.

 

Bleibt gesund!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unterwegs in Japan und Korea

Teil 5

DMZ, 2. Seetag, Shanghai und Heimflug

Aber vor der Besichtigung der demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea gab es ja noch einen Abend. Und der hatte es in sich!

Er fing schon damit an, dass ich, als ich meiner, nach wie vor, Lieblingsbar den obligatorischen Besuch abstatten wollte, feststellte, dass dort eine geschlossene Gesellschaft zugange war: Captain’s Party!

Dafür hätte man entweder schon ganz viele Reisen mit Celebrity machen oder eine sehr viel teurere Kabine buchen müssen als meine. Aber man lese und staune: als ich enttäuscht kehrt machen wollte, wurde ich von der versammelten Mannschaft eingeladen, doch zu bleiben. Also, das fand ich doch sehr, sehr nett. Ich nahm also wieder meinen Stammplatz an der Bar ein und schaute zu, wie langjährige Mitarbeiter ausgezeichnet und langjährige Kunden geehrt wurden. Grosse Reden wurden auch geschwungen. Hat Spass gemacht. Und den Cocktail gab es umsonst – was natürlich angesichts meines grosszügigen Getränkepakets nicht wirklich einen Unterschied machte. Aber es ist die Geste, die zählt.

Dann ging es höchst beglückend weiter. Denn heute war der Abend, an dem die Küche dafür sorgen sollte, dass die Passagiere glücklich sind und alles vergessen, was sie eigentlich kritisieren wollten: Hummerabend!

Wir sassen am Tisch, schauten einander an und waren uns einig: bei uns braucht es mehr zum Vergessen! Also bestellten wir je drei Hummer. Und bekamen sie unerwarteterweise auch. Nun muss ich sagen, wenn ich für den Service zuständig gewesen wäre, hätte ich auf jeden Teller 3 Hummer gepackt – so gross waren sie ja nicht – und gut ist’s. Aber nein. Erst kam ein Hummer für jeden. Kein Problem. Danach kam der zweite Hummer für jeden, und an den Nachbartischen machte sich eine gewisse Unruhe breit. Beim 3. Hummer war die Empörung rundum deutlich sicht- und hörbar. Aber was soll ich sagen – uns hat’s geschmeckt.

Und mit unserem Kellner hatten wir auch wieder Spass; er erklärte uns, dass und warum wir ihn gut beurteilen sollten und wurde dabei, typisch indisch, enorm philosophisch: also, er versuche ja immer, allen zu gefallen und wenn er merke, dass jemand ihn nicht so mag, dann erforsche er sein Inneres und versuche den Fehler bei sich zu finden. Ich fürchte, er war etwas verwirrt, als ich ihm tröstend erklärte, dass er nicht wirklich will, dass alle Menschen ihn mögen…

Zum Abschluss wieder ein bisschen bei den Fiesta Strings zugehört. Schööön.

(Übrigens, als wir am nächsten Abend fragten, ob wir nicht noch mal Hummer kriegen können, hiess es, nein, wir hätten alle aufgegessen.)

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Morgens legten wir in Incheon an, dem Hafen von Seoul. Ich hätte schon gerne Seoul gesehen, aber die Demilitarisierte Zone interessierte mich einfach mehr, und der Ausflug sollte ja seinen Abschluss in dem berühmten Shinpo Market von Seoul mit „shopping galore“ finden, so dass ich wenigstens ein bisschen von der Stadt sehen würde.

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Für diesen Ausflug waren die Regeln streng, wir mussten in dem Bus bleiben, dem wir von Anfang an zugeteilt waren, und mussten auch unsere Ausweise dabei haben.

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Die Fahrt war lang, wir kehrten unterwegs ein, in einem Restaurant, das schon für Weihnachten dekoriert hatte. _IGP5732.JPG

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Kochen durften wir sozusagen selbst – aber alles war vorbereitet, und wir mussten nur noch gelegentlich umrühren, nachdem die Gasflamme entzündet war.

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Als wir dann in die DMZ hineinfuhren, musste der Bus an einer Art Grenzposten anhalten und wurde streng kontrolliert, und wir wurden ermahnt, unter keineUmständen den Posten oder die Soldaten zu fotografieren. Naja, eine solche Herausforderung muss man doch annehmen. Und alle im Bus wollten natürlich, dass ich mein Foto mit ihnen teile…

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Dann fuhren wir über Strassen, die mit Stacheldraht umzäunt waren, durch Gebiete, wo entlang der Strassen im dichten Wald Drähte gespannt waren mit Warnschildern „Minen“.

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Immer wieder Militärposten, Beobachtungsposten, Stacheldraht. Ich fühlte mich doch sehr an die Grenze zur DDR erinnert.

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Aber schliesslich erreichten wir einen grossen Parkplatz, von dem aus wir zu einem Bau hinaufstiegen, von dessen Dach aus man eine ausgezeichnete Rundumsicht hatte.

 

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Soldaten darf man nie fotografieren – aber wenn sie es selbst auch tun?

In den Etagen darunter gab es Filmvorführungen und Ausstellungen zum Thema. Unsere Führerin erklärte uns, dass wir deutlich sehen könnten, um wieviel besser Südkorea aufgestellt sei als Nordkorea, denn in Südkorea sah man Häuser und Strassen, die durch Wälder und Felder führten, in Nordkorea eigentlich fast nur Wald und gelegentliche kahle Streifen.

Ich habe versucht, den Bau von aussen zu fotografieren, aber das Metall blendete in der hellen Sonne so stark, dass meine Kamera völlig überfordert war. Ich hänge das Foto trotzdem an, damit Ihr wenigstens eine vage Vorstellung bekommt, wie der Bau aussieht.

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Anschliessend ging es zum Dritten Tunnel – dem dritten Tunnel, den man entdeckt hatte. Insgesamt hat man wohl vier Tunnel gefunden, ist aber sicher, dass es noch mehrere Unentdeckte gibt. Der Dritte Tunnel ist touristisch aufbereitet. Um ihn zu besichtigen, muss man Kamera und Handy in einen Safe schliessen, einen Helm aufsetzen und fährt dann mit einer offenen Bahn in den Tunnel hinab.

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Im waagerechten Teil des Tunnels angekommen, heisst es dann aussteigen und man geht zu Fuss bis zu einer massiven Tür mit Guckloch. Durch dieses sieht man eine andere stabile Tür mit Guckloch. Und dann geht es wieder zurück. Der Tunnel ist lang, sehr lang und führt überwiegend durch hartes Gestein. Der Gedanke, dass hier Menschen in Handarbeit sich durch das Gestein, durch Wasseradern und Lehmschichten gearbeitet haben, ist einfach nur gruselig. Teilweise ist der Tunnel so niedrig, dass selbst ein eher kurz geratener Mensch wie ich gebückt gehen muss. Und der Helm leistet gute Dienste bei den vielen Steinen, die aus der Tunneldecke herabragen. Aber warum man keine Kamera mitnehmen durfte, haben wir nicht wirklich verstanden.

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Bittgebete unter Stacheldraht

 

 

 

 

 

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Wir waren alle irgendwie erleichtert, als wir wieder draussen im hellen Sonnenlicht standen. Jetzt galt es, Postkarten und Briefmarken zu kaufen.

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Hm, einen Laden gab es, aber alle Beschriftungen waren nur auf koreanisch, aber man konnte immerhin mit Karte bezahlen, denn wir hatten ja immer noch keine Gelegenheit gehabt, Geld zu besorgen. Ich suchte mir also ein Päckchen Postkarten aus, bezahlte, öffnete das Päckchen und stellte fest, dass es keine Postkarten waren, sondern ein Leporello! Zweiter Versuch, aber dieses Mal wollte ich sicher sein und öffnete das Päckchen, was ohne Beschädigung möglich war, um mich zu vergewisssern, dass ich tatsächlich Postkarten erwischt hatte. Ja, das waren Postkarten, aber die Kassiererin schrie Zeter und Mordio, weil sie messerscharf schloss, dass ich eine Postkarte klauen wollte. Selbst als ich ihr zeigte,  dass ich das Päckchen bezahlen wollte und noch Briefmarken kaufen wollte, konnte sie sich noch nicht beruhigen. Briefmarken gab es dann nebenan an einem Postschalter. Ich wollte wissen, welches Porto ich für eine Postkarte nach Deutschland brauche. Diese Verkäuferin sprach durchaus genug Englisch, um meine Frage zu verstehen, aber offensichtlich war so etwas noch nie vorgekommen. Sie wusste es nicht und erklärte mir dann, dass ich in Korea nicht einfach eine Postkarte verschicken könne. Ich müsste mit der Karte in ein richtiges Postamt in der Stadt gehen, sie wiegen lassen und dann würde man mir sagen, was ich draufkleben müsse.

Wiegen??? Eine Postkarte???

Unsere Führerin kam vorbei und bestätigte die Aussage der Briefmarkenverkäuferin!

Ich muss gestehen, dass ich verwirrt war: es gab Postkarten, es gab ein kleines Sonderpostamt mit Briefmarken und es gab besondere Stempel, mit denen man seine Karten selbst stempeln konnte. Das Einzige, was noch fehlte, war ein Briefkasten, aber der würde wohl auch irgendwo versteckt sein. Wozu das Ganze, wenn man gar keine Karten verschicken durfte?

Da nahte Hilfe von einer völlig unerwarteten Seite. Ein Mitreisender, den ich schon während der ganzen Reise recht unfroh zur Kenntnis genommen hatte – er war laut, besserwisserisch und gegenüber den Führern und Führerinnen ziemlich überheblich – zeigte plötzlich, dass er nicht nur besserwisserisch war, sondern tatsächlich auch besser wusste. Er erklärte mir, welches Porto fällig war, zeigte mir vorsorglich noch die Stempel und den Briefkasten, der am anderen Ende des Parkplatzes versteckt war. Super! Grrr! Aber das nächste Problem war schon im Anmarsch: ich hatte Karten, Marken, Stempelung und wusste, wo der Briefkasten war, aber ich musste in den Bus. Es gab kein Erbarmen, nein, man würde nicht warten, bis ich wenigstens die Adressen auf die Karten geschrieben hätte.

Auch da wusste mein unwahrscheinlicher Nothelfer Rat. Ich solle ihm die Karten geben, er wäre bald wieder dort und könnte sie dann für mich einwerfen. OK, er entschied sich dann doch dafür, sie der Führerin zu geben, damit die die Karten am nächsten Tag einwerfen würde. Aber egal, Hauptsache, die Sammler wären glücklich.

Und während wir so am Grenzfluss entlang in die untergehende Sonne fuhren, bewunderten wir Unmengen von Vögeln, die in dem unbewohnten Gebiet zwischen all den Stacheldrahtzäunen eine sichere Heimat gefunden hatten.

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Jetzt freuten wir uns alle auf den berühmten Markt mit dem „shopping galore“. Aber als wir dann am Stadtrand von Seoul ankamen, informierte uns die Führerin plötzlich, dass wir zu spät dran wären und höchstens 10 Minuten für den Markt haben würden, ob wir den nicht lieber ausfallen lassen wollten.

Nein, wollten wir nicht.

Daraufhin beschrieb sie den Markt als weitgehend tot, früher wäre der mal gut gewesen, aber jetzt gäbe es da nur noch ein paar Fastfood-Restaurants. Ob wir dafür wirklich riskieren wollten, zu spät zum Schiff zu kommen.

Naja, dann eben nicht.

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Schade, wir hatten uns so gefreut. Und es war ja auch Teil des – sehr teuren – Ausflugpaketes gewesen…

 

 

Am Kai lag unser Schiff und ausser unserem Bus war weit und breit kein anderer zu sehen. Der letzte der übrigen Busse kam mehr als 2 Stunden später an, und die Passagiere, die ausstiegen, waren schwer beladen und wirkten höchst zufrieden.

Aufklärung gab es dann in der Bar: Alexander, der Barkeeper, war auf dem Markt gewesen, um für seine Frau etwas einzukaufen und beschrieb den Markt als äusserst pittoresk, farbenfroh und unterhaltsam. Fastfood-Restaurants? Ja, wird es wohl auch geben, aber die Verkaufsstände seien definitiv interessanter…

Das war ganz sicher die schlechteste und faulste Führerin, die mir je untergekommen ist.

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So sehen die bunten Brücken vom Barhocker gesehen aus

Es folgte der zweite Seetag, noch einmal Gelegenheit, die diversen Pools auszuprobieren, durch die Einkaufsarkade und die Kunstgalerie zu stöbern und – natürlich – zu packen.

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Das Packen habe ich in drei Abschnitte aufgeteilt: alles, was einfach geht, morgens, dann Erholung im Whirlpool und auf den Sprudelbänken des Thalassopools; das Schwimmbecken war leider abgedeckt, wir hatten ein wenig Seegang,

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dann Suche nach einem Mittagessen. Was ich zwar wusste, was mir aber nicht so recht bewusst war, war, dass die Zeit nachts umgestellt worden war. Essen würde es erst eine Stunde später geben, mein Magen hatte aber zur gleichen Zeit Hunger wie an den vorangegangenen Tagen. Also lief ich durch die Restaurants auf der Suche nach Essbarem und verfluchte innerlich die Crew – bis mein Blick auf eine Uhr fiel. Ach ja, mein Fehler mal wieder.

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Also ging ich erst noch einmal in die Kabine und zerstörte all die wundervollen japanischen Verpackungen und sortierte meine Mitbringsel so auf die Koffer, dass möglichst wenig kaputt gehen würde und das Gewicht einigermassen gleichmässig verteilt wäre. Dann ging ich wieder auf die Jagd nach Essbarem.

Im Bufettrestaurant standen 10 Minuten vor Beginn des Service gewaltige Menschenmassen und knurrten mit den Mägen, also setzte ich mich draussen an einen Tisch und schaute zu, wie der Hamburgergrill vorbereitet wurde. Gut, das würde ich dann mal probieren, sah eigentlich ganz gut aus. Schmeckte auch gut, aber…

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Fettiger Hamburger, fettiger Käse, fettige Mayo, fettige Pommes, da nützten auch das Salatblatt, die Tomatenscheibe und die Zwiebelringe nicht viel. Für eine Weile ging es mir gar nicht gut. Als ich mich halbwegs erholt hatte, ging es wieder ans Packen. Und nachdem alles verstaut war bis auf die Sachen, die ich abends und am nächsten Morgen brauchen würde (die kamen alle ins Handgepäck), war es an der Zeit, noch einmal die Läden zu durchstöbern. Dort hatte sich nichts verändert, immer noch nichts dabei, was ich dringend brauchte. Nur auf den Wühltischen häuften sich offensichtliche Ladenhüter noch höher als zu Beginn der Reise und im Schmuckgeschäft versuchte man noch intensiver, irgendetwas an die Frau zu bringen. Aber auch da fand sich nichts, was ich unbedingt haben musste, um weiter zu leben. Die Kunstgalerie, die während der Reise immer wieder zu Auktionen eingeladen hatte, war nicht sichtbar leerer als vor 2 Wochen – da waren aber auch reichlich merkwürdige „Kunstwerke“ dabei. Jaja, ich weiss, Schönheit liegt im Auge des Betrachters, vielleicht gefällt es ja irgendjemand. Mir gefiel nur eins und das auch nicht so gut, dass ich es hätte kaufen wollen.

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Und überall wurde man von Crew-Mitgliedern angehalten und gebeten, sie doch gut zu beurteilen. Das Gesicht meines Kabinenstewards war durchaus sehenswert, als ich ihn fragte, ob ich in meiner Lobeshymne auch die tote Fliege erwähnen sollte, die tagelang mitten auf meinem Schreibtisch lag, bis ich sie halt selbst entsorgt habe.

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Und noch ein letztes Mal zum Abendessen, zum Kampf um die „breadsticks“ (=grissini). Austausch der Email-Adressen und grosses Staunen, als sich herausstellte, dass unser schüchterner Kanadier mangels Computer keine Emails empfangen oder schreiben konnte, noch ein letztes Mal zu den Fiesta Strings

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und Feierabend. Schnell noch die Schränke prüfen, ob ich auch nichts zurücklasse, die Koffer schliessen und vor die Tür stellen, duschen und ab in die Koje.

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Das Auschecken am nächsten Morgen war schiffsseitig bestens durchorganisiert, aber wie es hiess, hatten die Chinesen zu wenige Abfertigungsschalter geöffnet, so dass alles sehr langsam ging. Dann öffneten sie mehr Schalter, sagte man uns jedenfalls, und wir wurden schneller vom Schiff entlassen, nur, um uns dann in einer schier endlosen Schlange an Land wiederzufinden. Nun, irgendwann war auch das überstanden, eigentlich unterhielten wir uns auch alle ganz gut während des Wartens, ich holte mein Gepäck und zog los, meinen Fahrer zu finden.

In Tokio hatte das alles wunderbar funktioniert: der Fahrer war da, wo man ihn erwartete, hielt ein grosses Schild mit meinem Namen hoch, brachte mein Gepäck und mich zu einer chicen Limousine und ins Hotel und 3 Tage später zum Schiff – alles sehr gepflegt und reibungslos.

Das habe ich natürlich in Shanghai auch erwartet, insbesondere da ich das Peace Hotel gebucht hatte und annahm, dass mich ein Fahrer des Hotels abholen würde.

Aber da war niemand.

Nach einer Weile sah ich im Getümmel ein Mädchen mit einem Dreamlines-Schild. Sie machte den Eindruck, kurz vor einem Nervenzusammenruch zu stehen, aber ich hatte keinerlei Mitleid, sondern fragte sie, ob sie mir sagen könnte, wo ich meinen Fahrer finde. Sie wusste es nicht, sie war auf der Jagd nach einer Touristengruppe, die sie betreuen sollte, zeigte mir aber immerhin, wo ich meinen Abholer finden würde, wenn er denn käme. Eine ganze Weile später, ich fing schon an zu grübeln, ob ich nicht besser ein Taxi nehmen sollte, sah ich ein leicht zerrupftes Mädchen, das meinen Namen unter den Arm geklemmt hatte. Sie war etwas überrascht mich zu sehen, sie hätten sich verspätet, und warum ich nicht auf der Seite  herausgekommen wäre, wo der Fahrer auf mich wartet? Ähm…

Wir zogen jetzt also zu zweit durch das immer schlimmer werdende Getümmel – heiss war es auch -, um den Fahrer zu suchen. Nachdem wir ihn gefunden hatten – er hatte an einem anderen Ausgang auf mich gewartet – ging es los zum Auto, das mindestens einen Kilometer entfernt geparkt war. Die Sonne glühte. Irgendwann kam das Mädchen auf die Idee, den Fahrer aufzufordern, mir mit dem Gepäck zu helfen; sie hatte wohl gesehen, dass ich kurz vor dem Zerfliessen war.

Im Auto war es noch heisser als draussen, und der Fahrer war gar nicht glücklich, dass er Benzin für die Klimaanlage verschwenden sollte. Aber er schaltete sie dann doch ein, es wurde kühler und die berühmte Skyline, die ich schon vom Schiff aus im Morgendunst gesehen hatte, rückte immer näher.

Und dann war ich im Peace Hotel.

Ich hatte mir das schon so lange gewünscht, endlich konnte ich mir diesen Wunsch erfüllen. Natürlich liegt das Peace Hotel am Bund und ich hatte gehofft, ein Zimmer mit Blick auf die Skyline zu bekommen, aber Dreamlines hatte für mich gespart, was ja im Grunde sehr ehrenwert ist. Ein Zimmer mit Aussicht koste mehr, hiess es, aber ein Upgrade kostete ziemlich wenig, also ein Zimmer mit (leider nur seitlichem) Blick auf Bund und Huangpo und Skyline genommen

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und erst einmal in meinem wirklich sehr gemütlichen Zimmer erholt, nachdem ich meine Freundin angerufen hatte. Sie kam dann auch bald, wir bummelten über die Nanjing Lu und den Bund und erzählten einander, was alles passiert war seit dem  letzten Zusammentreffen. Schaufensterbummel sind in Shanghai höchst interessant, und die Nanjing Lu, eigentlich schon seit jeher die wichtigste Einkaufsstrasse in Shanghai hat sich gewaltig gemausert. Ob das zu ihrem Vorteil war? Ich weiss nicht. Früher gab es viele chinesische Lädchen und viel Touristenkitsch. Jetzt gibt es gewaltige Kaufhauspaläste, teure Schmuckgeschäfte und die Designer, die es überall gibt. Aber zwischendurch sind auch chinesische Apotheken – seeehr sehenswert -, Antiquitätenhändler und Läden und Garküchen, die teilweise sehr befremdende Dinge zum Essen anbieten.

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Und quietschbunt ist sie immer noch.

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Abends wollte ich eigentlich auf das Dach des Hotels, denn dort ist eine sehr schöne Bar mit prächtiger Aussicht, aber ich war viel zu müde. Die Energie reichte nur noch zu einem wunderbaren Essen im Phoenix Dragon, dem hoteleigenen Restaurant, einem ausgiebigen Bad in meinem wunderschönen Badezimmer und zum Schlafen.

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Das Frühstück im Peace Hotel ist wunderbar. Vor allem der chinesische Teil: Dim Sum, Wantan- und Nudelsuppen, vor meinen Augen frisch zubereitet. Lecker! Natürlich gibt es auch dieses merkwürdige, fade Reiscongee, das Chinesen so gerne frühstücken, aber das muss man sich ja nicht antun.

Nach dem Frühstück kam meine Freundin wieder, und wir fuhren erst einmal zum Textilmarkt. Da will ich immer hin, wenn ich in Shanghai bin – das ist so völlig anders als alles, was man hier findet. Ein riesiges Gebäude voller Stoffläden, die sich auf verschiedene Stoffarten spezialisiert haben und voller Schneider aller Art. Unter anderem auch solchen, die Lederkleidung anfertigen, da habe ich schon manche Jacke machen lassen. Die Qualität ist super, die Preise sind äusserst moderat und zwischen Bestellung und Übernahme des fertigen Kleidungsstücks gibt es viele unterhaltsame Episoden. Aber dafür hatte ich ja dieses Mal gar keine Zeit. Ich wollte nur ein bisschen durch den Markt stromern und schauen, ob ich den Seidenladen wieder finde, der letztes Mal so schöne Stoffe hatte.

Er hatte wieder schöne Stoffe.

Mittagessen gab es im Sense 6,

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einem neuen Dim-Sum-Restaurant in Xintiandi, dem Viertel, in dem Shanghai versucht, die Atmosphäre der alten Hutong-Stadtteile auferstehen zu lassen.

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Als wir wirklich gar nichts mehr essen konnten, habe ich das Sondermarkenpostamt gesucht, das an einer Ecke von Xintiandi zu sein pflegte – nicht mehr da. Wie schade. Es konnte mir auch niemand sagen, wohin es verlegt worden ist.

Das ist das Einzige, was mich an Shanghai stört: alles ist in ständiger Veränderung. Man hat gerade etwas gefunden, das einem gefällt – wupps, ist es wieder weg.

Den Abend habe ich dann in der berühmten Jazz-Bar verbracht. Sie spielen tatsächlich wieder Jazz und sogar guten, wenn die uralten Herren des Orchesters auch etwas gelangweilt wirken. Und ich hatte Glück: neben mir sass ein Jazzmusiker aus USA, der unbedingt mit der berühmten Jazzband spielen wollte und das nach viel Hin und Her auch tat: Besame mucho… Das war so schön!

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Wir hatten noch eine Weile viel Spass mit der Musik und mit Schwätzen, als plötzlich zwischen den Musikern ein Mädchen im Cheongsam und mit Blütenkränzchen im Haar aufkreuzte und anfing, Liebesliedchen zu trällern. Schreck lass nach. Das war ja fürchterlich! Was hat das denn mit Jazz zu tun? Der Manager erklärte, das sei ein „Shanghainese special“. Und ich habe ihm erklärt, dass er damit die Gäste aus der Bar verscheucht. Der amerikanische Jazzmusiker hatte schon die Flucht ergriffen!

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Die müssen noch viel lernen, die Chinesen…

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2018-10-27 17.42.12.jpgJetzt hatte ich nur noch einen Dreivierteltag zum Spazierengehen und die letzten Renminbi auf den Kopf zu hauen. Kein Problem – Geld wird man in Shanghai sehr viel leichter los, als mir lieb ist.

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The bigger they are…

2018-10-29 10.04.59.jpgUnd dann der Rückflug, wieder mit Zwischenlandung in Hong Kong, aber der Nachtstart von dort hat noch ein paar schöne Aufnahmen beschert.

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Wenn auch die brandneue Brücke von Hong Kong nach Macao nicht gerade scharf geworden ist…

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Immerhin hat eine der Führerinnen uns ein Rezept für Kimchi gegeben; das kommt mir allerdings etwas zu simpel vor, deshalb füge ich noch eins von meinen Rezepten hinzu – wie gesagt, ich liebe das Zeug!

Kim Chi 1

Verschiedene Gemüse, insbesondere Weisskohl und/oder Chinakohl ½ Tag in Salzwasser legen, dann in mundgerechte Stücke schneiden.

Eine Sauce aus Chili, Knoblauch, Fischsauce und Shrimps bereiten.

Gemüse mit der Sauce in ein Gefäss schichten und einige Tage ziehen lassen.

Ich nehme an, dass man die Shrimps kleinhacken muss. Ansonsten werden die Zutaten für die Sauce nur vermischt, nicht in irgendeiner Form gegart. Sie hat noch eine Zutat namens „Bidimpa“ oder so ähnlich erwähnt. Aber die kann ich leider nicht identifizieren. Fischsauce gibt es im Asialaden.

Kim Chi 2

1 Chinakohl

2-3 EL Salz

1 kleiner Rettich in dünne Scheiben geschnitten oder geraspelt

1 Karotte, geraspelt

1 Birne, geschält und geraspelt (optional)

1 kl. Zwiebel, gehackt

2 Frühlingszwiebeln, in sehr feine Ringe geschnitten

2 Knoblauchzehen, zerdrückt

1 EL Zucker

2 TL Chili, gemahlen oder gemörsert

2-3 klein gehackte Anchovis oder 2 EL Fischsauce

Evtl. etwas MSG oder Salz

Den Chinakohl gründlich waschen, alle Blätter ausgiebig mit Salz bestreuen und in eine Schüssel schichten. Über Nacht im Kühlschrank aufbewahren, am nächsten Tag mit kaltem Wasser gründlich abspülen und ausdrücken. In mundgerechte Stücke oder Streifen schneiden.

Mit allen anderen Zutaten vermischen, in eine Schüssel (Glas, Porzellan oder Steingut) geben, zudecken, mit einem Gewicht beschweren und kühl stellen. Nach 2-3 Tagen sollte die Gärung begonnen haben und das Kim Chi ist fertig. Ab jetzt kalt stellen.

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Unterwegs in Japan und Korea

Teil 4

Nagasaki, Busan und Jeju Island

 

Nagasaki, der letzte japanische Hafen. Die zweite japanische Stadt, über der eine Atombombe abgeworfen worden war. Hier habe ich einen Ausflug nach Arita, der Stadt der Porzellanmanufakturen und zum Peace Memorial Park gebucht.

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Die Fahrt nach Arita war recht lang, und unsere Führerin hatte reichlich Zeit, uns viel über ihre Heimatstadt und natürlich auch die Bombe zu erzählen. Diese war eigentlich für eine andere Stadt, Kokura, gedacht gewesen, wo es deutlich mehr Rüstungsindustrie gab. Aber Kokura hatte Glück: die Stadt lag unter einer dichten Wolkendecke, so dass eine exakte Ortung der geplanten Abwurfstelle nicht möglich war – damals gab es ja nur Sicht und Radar…

Also flog der Pilot weiter zum Ausweichziel Nagasaki, wo der Mitsubishi-Konzern Kriegsschiffe baute. Aber auch über Nagasaki hing eine Wolkendecke, so dass der Pilot wegen Treibstoffmangel gezwungen war, den Abwurfpunkt mit Radar zu ermitteln. Abwerfen musste er sie, denn mit der schweren Bombe an Bord hätte er nicht mehr zurückfliegen können. Aber wegen der unzulänglichen Ortungsmethoden wurde nicht der Rüstungsbetrieb Mitsubishi getroffen, sondern das Stadtzentrum. Da dieses in einem Tal lag, wurden die umliegenden Stadtbezirke bei weitem nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen, wie dies in Hiroshima der Fall gewesen war. Sehr viel mehr Menschen überlebten den Absturz und auch die nachfolgenden Krebserkrankungen waren wohl auf ein kleineres Gebiet begrenzt.

Nach dem Krieg wurde Nagasaki neu aufgebaut, wohl deutlich anders als es vor der Explosion ausgesehen hatte, aber da die Stadt das älteste Zentrum des christlichen Glaubens in Japan war, wurden insbesondere viele der zerstörten Kirchen wieder errichtet.

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Aberschliesslich kamen wir in Arita an, der Porzellanstadt. Hier wollte ich noch einmal nach einer Guanyin aus Porzellan schauen. Die japanischen Porzellan-Guanyins unterscheiden sich sehr von den chinesischen. Sie wirken sehr viel schlichter, weniger kokett und glamourös als die chinesischen, eher etwas in sich gekehrt und sehr mütterlich.

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Chinesische Guanyins

Zunächst besichtigten wir eine Manufaktur, deren Namen ich leider vergessen habe. Das ganze Gelände war überaus gepflegt, mit traditionellem Garten_IGP4637.JPG

und eher kleinen Räumen, in denen wenige Leute arbeiteten.

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Und der Kiln war winzig

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– irgendwie kam mir das eher wie eine Schauwerkstatt vor, zu klein selbst für einen Familienbetrieb, aber das Porzellan war wunderschön. Aber leider auch grässlich teuer – ich war direkt erleichtert, dass ich hier keine Guanyin fand.

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Aber wir haben viel über das japanische Porzellan erfahren. Es wird hier erst seit 1616 hergestellt, vorher wurde getöpfert, aber 1616 fand ein koreanischer Töpfer, der auch schon in einer chinesischen Manufaktur gearbeitet hatte, in der Nähe von Arita Kaolin, und bald entwickelte Japan seinen ganz eigenen Stil. Und ich weiss jetzt auch, dass die Bezeichnung Imari-Porzellan eigentlich nur auf den mangelhaften geographischen Kenntnissen der europäischen Abnehmer beruht: Imari ist der Hafen in der Nähe von Arita, von dem aus das Porzellan verschifft wurde.

Naja, ich habe jedenfalls ein solches Imari-Teil, geerbt natürlich. Es fing wohl im 18. oder 19. Jahrhundert sein Leben in Arita als Vase an und wurde dann in Europa mit Messing und einem kunstvoll bemalten Glasschirm zur Lampe umfunktioniert.

Ganz interessant fand ich, dass der Besitzer der oben beschriebenen Manufaktur diese alten Lampen sammelt. Schade, dass ich den Namen vergessen habe, sonst hätte ich ihm ein Foto meiner Lampe geschickt…

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Von dieser Manufaktur ging es weiter in die Ortsmitte.

Als potentielle Einkäufer wurden wir von einem besorgten Polizisten sorgsam über den Zebrastreifen geleitet

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– der Verkehr ist hier nicht sooo dicht – und gingen die Hauptstrasse entlang, in deren Schaufenstern nur Porzellan in allen nur vorstellbaren Ausführungen zu sehen ist und auch in einigen, die ich mir eher nicht vorgestellt hatte.

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Nach Besichtigung einiger alten Mauern, die aus alter Kilnschlacke, Porzellanüberresten und ähnlichem erbaut wurden

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und nach Aussage der Führerin eben deshalb bemerkenswert sein sollen und einer Art Friedhof mit Buddhafiguren und Textstelen

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landeten wir im Verkaufsraum einer anderen Manufaktur.

Und hier mussten wir nun leider ausnahmslos alle kräftig zulangen! Wunderschönes blaues und Celadon-Porzellan für mich, am schönsten waren einige blau-weisse Stücke,

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aber die besten waren zu gross, zu schwer, zu teuer. Prächtig buntes Porzellan für die amerikanischen Reisegenossen, und zu guter Letzt, auf dem allerletzten Regal in der allerhintersten Ecke, was sehe ich? Na? Richtig geraten, meine Guanyin. Ich mache nachher noch ein Foto von ihr- sie ist ebenso perfekt wie die auf Miyajima, die ich ja leider nicht bekommen habe.

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Dann kam das Verpacken! Wir waren ja eine ganze Menge Leute und ich glaube, alle hatten etwas gekauft, viele auch mehrere Stücke, und alle wollten ihre Einkäufe mitnehmen.

Also mussten sie verpackt werden.

Nun ist das in Japan so eine Sache mit dem Verpacken.  Japaner und insbesondere Japanerinnen verpacken mit grösster Hingabe und hervorragendem Geschmack. Und alles muss nach dem Verpacken wie ein sehr elegantes Geschenk aussehen.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Hemmungen hatte, die Verpackungen zu zerstören, als ich meine Mitbringsel für die Heimreise auspackte und in die gebrauchte Wäsche hüllte – vorher brachte ich es gar nicht über mich, die Sachen auszupacken, obwohl ich sie gerne noch einmal angeschaut hätte.

Aber dieses Verpacken dauert! Da muss die genau passende Schachtel gesucht werden. Da muss das Packpapier gewählt und zugeschnitten werden, das am besten zum verkauften Gegenstand passt. Und dann muss das Papier geknifft und gefaltet und was weiss ich noch was werden. Der Bindfaden muss farblich exakt passen. Die Schleifen müsse genau so sein und kein bisschen anders. Und wenn es beim ersten Versuch nicht schön genug wird, muss man es halt wieder versuchen. Mein Versuch zu erklären, dass es sich nicht lohnt, weil ich die Verpackung sowieso wegwerfen werde, stiess auf völliges Unverständnis gepaart mit etwas blankem Entsetzen.

Ja, und dann kam der dramatische Teil: es gab zwei Sorten Tragetaschen, einfache und schöne. Und alle wollten die schöne. Die gab es aber eigentlich nur für teure Einkäufe. Aber Japaner sind höflich. Wir haben die schönen Tüten gekriegt, bis sie alle waren. Dann versuchten die mit den einfachen Beuteln zu tauschen…

Das hat alles gedauert. Wir sind erst lange nach der festgesetzten Abfahrtszeit beim Bus gewesen, aber alle hochbefriedigt!

Was sich zumindest bei mir während der Recherche zu meinem Blog dann doch sehr geändert hat. Denn  man hat uns in Arita so einiges vorenthalten! Es gibt dort einen Porzellanmarkt – nicht gewusst und nicht gesehen. Es gibt auch ein Porzellanmuseum, das sehr gut sein soll – gewusst, aber keine Zeit. Und es gibt einen Porzellanpark, in dem sich unter anderem eine Porzellandarstellung des Dresdner Zwingers befindet – also, DAS zumindest hätte man uns zeigen müssen, finde ich!

Auch auf dieser Insel gibt es Vulkane, aber sie halten allem Anschein nach still:_IGP4598.JPG

Nach dem Einkaufsfieber ging es weiter zum Peace Memorial Park – eine sehr weitläufige und beeindruckende Anlage, die 1955 in unmittelbarer Nähe des Explosionszentrums errichtet wurde. Man sieht noch die Grundmauern des Gefängnisses, das dort gestanden hatte.

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Und im Park mit der 10 m hohen Friedensstatue

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und dem wunderschönen Springbrunnen haben im Laufe der Jahre viele Länder dieser Welt Skulpturen gestiftet, die deren Wunsch nach Frieden versinnbildlichen sollen. Manche sind sehr anrührend und ausdrucksstark. Und manche eher nicht.

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Natürlich gibt es auch hier einen Souvenirladen, in dem mich vor allem ein paar wundervolle Flugdrachen interessierten, die an der Decke hingen. Aber leider, leider – die waren ausverkauft.

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Japanische Städte Haben Riesenräder- Nagasaki auch

 

 

 

Nach der Rückkehr zum Hafen war noch reichlich Zeit für einen Bummel durch Nagasaki, der Kreuzfahrthafen ist ja gleich beim Stadtzentrum. Eine gute Gelegenheit, eine Kleinigkeit zu essen und noch nach ein paar Reisemitbringseln für die Daheimgebliebenen zu schauen. Und tatsächlich fand ich ein paar, ja, ich weiss nicht, sind das nun Kimonos oder Yukatas, aber egal, sie sind hübsch, aus Baumwolle und einige waren gross genug für Europäer. Das Bezahlen war dann aber etwas abenteuerlich: an der Kasse war nur eine Kundin vor mir, das ging schön schnell, die Kassiererin kam auch mit Hilfe einer älteren Kollegin mit meiner exotischen Kreditkarte zurecht. Und da sie ja an der Karte gesehen hatte, dass die Möglichkeit bestand, dass ich die Sachen mit ins Ausland nehmen würde, wollte sie unbedingt einen gewaltigen Papierkrieg wegen der Mehrwertsteuer führen, die sie mir nicht in Rechnung stellen wollte. Fand ich sehr edel von ihr, aber das Verfahren war umständlich. Und während all dieser Zeit wartete hinter mir geduldig noch ein weiterer Kunde.

Aber dann fing sie an, einzupacken – Papier, das zum jeweiligen Kimono passte, auf die richtige Grösse zurechtgeschnitten, geknifft und gefaltet …

Der Kunde trat neben mich, starrte ungläubig auf die Theke, wo die Kassiererin kunstvolle Verpackungen zauberte, schnaubte kurz und entschwand.

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Ich machte mir zwischenzeitlich Sorgen, dass ich das Schiff verpassen könnte, aber diese Sorge war überflüssig, denn durch das Hafengelände erstreckte sich eine elend lange Menschenschlange

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– Nagasaki war der letzte japanische Hafen, wir würden das Land verlassen, die Kontrollen dauerten länger als normal, und man hätte auch vom Schiff nicht mehr an Land gedurft. Und dass auf dem Schiff nur ein Terminal zur Kontrolle der Rückkehrer in Betrieb war, hat das Verfahren auch nicht gerade beschleunigt.

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Palast der Winde auf Japanisch???

 

Bis wir endlich ausliefen, nach der grandiosen Abschiedsvorstellung am Kai,

_IGP4833.JPGwar es dunkel, was den Vorteil hatte, dass man sehr schöne Aufnahmen von der grossen Hängebrücke machen konnte, unter der das Schiff durch musste.

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Auf zur Bar für meinen Aperitif. Alexander hat schon auf mich gewartet. Und dann zum Abendessen. Unsere indische Freundin hatte Ente bestellt und sich sehr darauf gefreut. Und war bitter enttäuscht, als sie auf ihrem Teller eine Menge wabbeliges Entenfett mit ebenso wabbeliger Haut daran  fand und nur ein paar winzige Fleischfetzchen dabei. Der Maître d‘ musste wieder herbeizitiert werden und brachte, wohl aufgrund leidvoller früherer Erfahrungen, auch gleich wieder den mutmasslichen Chefkoch mit. Die Kellner gingen in Deckung und die Sommelière feixte im Hintergrund. Nach der heftigen Kritik wegen der miesen Ente gingen wir über zu Ratschlägen und informierten den Koch und den Maître d‘ umfassend, was sie alles falsch machen und um wieviel besser es doch wäre, wenn sie beispielsweise auf einer Kreuzfahrt durch fremde, exotische Länder auch frisch zubereitete Gerichte der jeweiligen Länderküche servierten.

Das wäre wirklich ein Traum.

Die beiden stimmten uns in allem zu, Hauptsache wir liessen sie endlich in Ruhe, aber leider werden unsere Wünsche wohl nie von irgendeinem Kreuzfahrtschiff erfüllt werden.

Schade, schade…

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Unser nächster Hafen ist Busan, früher bekannt und mir durch das eine oder andere Buch geläufiger unter dem Namen Pusan. Hier habe ich einen Ausflug zum Bulguksa-Tempel und nach Gyeongju gebucht. Gyeongju war die Hauptstadt des Silla-Reiches, das in etwa das ganze heutige Süd- und Nordkorea umfasste. Im Ausflugsprospekt wird Gyeongju angepriesen als eine Stadt, die älter ist als 1000 Jahre. Hm, naja, aus amerikanischer Sicht ist das wohl alt…

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Aber zunächst einmal mussten wir die Einreiseformalitäten über uns ergehen lassen, die zum Glück kurz und schmerzlos waren. Im Hafengebäude gab es eine Wifi-Zone. Da könnte ich bei der Rückkehr meine Mails lesen. Leider gab es keine Möglichkeit, etwas Bargeld zu ziehen, Postkarten und Briefmarken zu kaufen, aber das würde sich doch sicher noch finden.

Dann ging es zum Bus. 2018-10-23 09.33.23.jpg

Tolle Beleuchtung, so schön bunt.

 

Auf der Fahrt hat uns die Führerin sehr viel erzählt. Wir haben erfahren, dass in Korea alles viel besser ist als irgendwo sonst auf der Welt. Künstlich geschaffene Höhlen? Nur in Korea wirklich gut, die berühmten Höhlen in Ellora und Ajanta (Indien) kämen einfach nicht dagegen an, das wäre ja bloss weicher Sandstein (stimmt nicht! Ich war dort.), aber in Korea wäre der Stein viel härter. Kunst? Nur koreanische taugt etwas – japanische zu bunt, chinesische zu schlecht… Westliche Kunst scheint keiner Erwähnung wert zu sein. Dann klagt sie über japanische Piraten, die Korea jahrhundertelang drangsaliert hätten. Dann erzählt sie vom Koreakrieg Anfang der 50er Jahre und wie gut die Amerikaner zu den Koreanern gewesen wären, und wie sie ihnen geholfen hätten und wie sie den Krieg gegen Nordkorea für die Südkoreaner geführt hätten und wieviele Menschen sie gerettet hätten: 14 000 Flüchtlinge auf einem kleinen Kriegsschiff, weil die Amerikaner in ihrer Güte keinen dem sicheren Tod durch die Nordkoreaner ausliefern wollten. Auf dem Schiff wurden 5 Babies geboren, welche die Amerikaner Kimchi 1-5 nannten.

Wie es scheint, haben die Südkoreaner sehr viel Grund, den Amerikanern äusserst dankbar zu sein.

Jetzt muss ich ein bisschen vorgreifen, denn da gibt es etwas, was ich überhaupt nicht verstehe: die Japaner haben ja wohl überhaupt keinen Grund, Amerikanern dankbar zu sein, ich denke, da wird mir jeder zustimmen. Aber trotzdem waren alle Japaner ausnahmslos höflich, freundlich, hilfsbereit, sehr, sehr hilfsbereit. Die Koreaner? Nichts davon. Sie haben sich unübersehbar bemüht, unhöflich und garstig zu sein, haben uns über den Haufen gerannt, uns ihre Ellbogen in die Rippen gerammt, einem Amerikaner wurde sogar im Vorbeigehen der Finger gezeigt! Beim letzten Ausflug habe ich im Bus unsere Führerin gefragt, woher das kommt, und sie tat ganz ungläubig. Als andere Mitreisende bestätigten, dass sie die gleichen Erfahrungen gemacht hätten, erklärte sie, dass sie zu diesem Thema erst Erkundigungen einholen müsse und uns auf der Rückfahrt antworten würde. Auf der Rückfahrt hiess es dann: nein, nein, das stimmt alles nicht. Alle Südkoreaner lieben die Amerikaner und kämen gar nicht auf die Idee, grob oder unhöflich zu sein…

Ich verstehe es nicht.

Auf halber Strecke hielten wir an einer Raststätte an. Also, wir sind definitiv nicht mehr in Japan! Hier gab es gerade mal 2 Abteilungen: eine zum Sitzen und eine zum Kauern über einem Loch im Boden. Aber einen Geldautomaten gab es. Unsere Führerin erklärte, dass der Englisch könne, was bedeute, dass er ausländische Kreditkarten akzeptiere. Unsere Führerin irrte.

Interessant war es übrigens auch, die Passagiere eines koreanischen Ausflugsbusses zu beobachten. Die stellten neben ihrem Bus Klapptische und –stühle auf und verzehrten ihre mitgebrachte Brotzeit auf dem Parkplatz der Raststätte. Das wäre hier so üblich.

Nachdem fast jeder Passagier probiert hatte, ob nicht vielleicht seine Kreditkarte doch…, fuhren wir enttäuscht weiter und kamen schliesslich  in Gyeongju an. Das ist nun wirklich immens sehenswert. Zwar nicht die Stadt, der man beim besten Willen nicht mehr ansieht, dass sie während der Silla-Zeit solch grosse Bedeutung hatte, aber die dazugehörige Nekropole. Ein grosser Hügel, 25 m hoch und mit Rasen bewachsen,  am anderen. Und jeder Hügel birgt eine Begräbnisstätte. Gelegentlich findet man Doppelhügel, darin liegt dann ein Ehepaar begraben.

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Die Einwohner hielten diese Hügel bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts für natürliche Erhebungen, bis man in den 20er Jahren entdeckte, dass es sich um künstliche Hügel über Königsgräbern handelte. Die Grabbeigaben, die man im zugehörigen Museum besichtigen kann, sind schon sehr sehenswert:

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Waffen und Haushaltsgegenstände
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Waffen und Schmuck
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Bequeme Schuhe

 

 

 

 

 

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Ein Helm für den Sonntag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rüstung für Mann und Ross

 

 

 

 

 

 

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Beim Schmuck ähnelt manches dem, was  _IGP5273.JPGdie Etrusker hinterlassen haben.

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Separat von den Gegenständen aus den Königsgräbern, historischen Artefakten und alter Kunst  wird noch ein  Boot aufbewahrt, das offensichtlich als sehr bedeutend angesehen wird. Leider war niemand da, uns die Bedeutung verständlich  zu erklären, und im Internet finde ich auch nur Fotos.

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In einem kleinen Pavillon ausserhalb des Museums hängt noch eine“heilige Glocke“, _IGP5198.JPGderen Klang 3 km weit schallen soll, selbst wenn man sie nur mit der Faust anschlägt. Wir hätten das ja alle gerne ausprobiert, aber leider hat man uns nicht nah genug daran gelassen.

Nach dem Mittagessen, koreanisch, mit Bulgogi (=Rindfleisch) und Kimchi und vielen unbekannten Genüssen ging es weiter nach Bulguksa.

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Endlich Herbstlaub, in Japan war es ja noch zu früh dafür, aber hier waren schon viele Bäume wunderschön gefärbt.

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Und eine sehr grosse und eindrucksvolle Anlage. Über und über bemalt und dekoriert und mit Blumen geschmückt. Mir scheint, mit schlichter Eleganz haben es die Koreaner wohl nicht so, eher könnte man einen horror vacui vermuten…

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Aber nicht zuletzt deswegen gibt es auch sehr viel zu entdecken in diesem weitläufigen Gelände.

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Und immer wieder die 5 Farben, die Richtungsfarben, wie man sie hier nennt:

Weiss = Westen

Schwarz = Norden                 _IGP5016

Blau = Osten

Rot = Süden

Gelb = Mitte

Grün galt früher als eine Variante von Blau, aber westliche Einflüsse haben Grün mittlerweile zu einer eigenständigen Farbe mutieren lassen. Natürlich haben die Farben auch noch viele  andere traditionelle Bedeutungen. Aber die Himmelsrichtungen scheinen am wichtigsten zu sein.

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Noch ein paar Fotos von Busan:

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Irgendwo zwischen den vielen Hochhäusern steckt die „Trump City“, so genannt, weil die koreanische Firma Daewoo den Trump Tower in New York erbaut haben soll.

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???

 

 

 

 

 

 

Und das Highlight des Abends, die Rainbow Bridge. Ich habe keine Ahnung, wieviele Fotos ich hier gemacht habe – es müssen Hunderte sein, aber mit diesem Vollmond…

 

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Vor lauter Fotografieren bin ich kaum dazu gekommen, selbst zu gucken!

Am nächsten Tag legten wir an der Jejudo an, der Insel Jeju . Hier gab es zunächst einen phantastischen botanischen Garten zu sehen. Ein riesiges Treibhaus mit den unterschiedlichsten Klimazonen im Innern sieht von aussen aus wie ein gewaltiger Oktopus aus Glas und Stahl.

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Hier drin gab es so viel zu sehen und zu fotografieren,

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dass ich es leider nicht mehr schaffte, die Themengärten im Freien anzuschauen.

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Die Koreaner sehen hier eine Verwandtschaft mit den Moai der Osterinsel

Wir mussten schon bald weiter zum nahegelegenen Wasserfall. Der Weg führte zunächst über eine ziemlich bemerkenswerte Bogenbrücke

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und dann über Treppen, Treppen, Treppen. Hier hatten die Gehbehinderten, die unverdrossen wieder einmal die Warnung ignoriert hatten, dass der Ausflug anstrengend sei, echte Probleme. Man traf so manchen auf halber Strecke an, hechelnd und ausser Atem, die Krücken quer über die Stufen gestreckt. Heiss war es auch. Aber die Mühe lohnte sich. Die erste Treppe führte hinunter zu einem nicht sehr grossen, aber dafür sehr hübschen Wasserfall.

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Dann ging es wieder ein Stück nach oben und weiter zur nächsten Treppe, die zu einem (nachts, wenn’s leer ist) sehr romantischen Teich, umgeben von prächtig ausgeprägten Basaltsäulen aus der vulkanischen Vergangenheit der Gegend, führte. Die Kletterei hat sich wirklich sehr gelohnt, wenn ich es auch etwas schade finde, dass die Basaltsäulen an ihrem oberen Ende von einer Strasse gekrönt werden.

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Jetzt aber auf zum Mittagessen. Wir hätten alle gerne vor dem Einsteigen in den Bus noch Wasser gekauft oder eine der grünen Kokosnüsse, die am Kiosk ausgestellt waren. Aber leider, keiner da. Aber unser Führer hatte Verständnis und sprach uns Mut zu. Es dauere nicht lange. Gleich gibt es Mittagessen, dann könnt ihr trinken, soviel ihr wollt.

Das Mittagessen war, man glaubt es kaum, koreanisch_IGP5588.JPG und sehr gut, genau wie am Vortag. Das muss man den Koreanern zugute halten. Bei ihnen gibt es kein verballhorntes westliches Essen, sie setzen den Touristen das vor, was sie wirklich kochen können. Und immer begleitet von herrlich scharfem Kimchi.

Ich liebe das Zeug!

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Halloween

Danach ging es weiter zu einem buddhistischen Kloster mit sehr hübschen Details, wundervollen Drachen, die sich die Treppen und Säulen emporwanden

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und niedlichen kleinen Elefanten, welche die Gehwege säumten.

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Hier sahen wir auch ganz viele der merkwürdigen Figuren, von denen die Einheimischen zu behaupten scheinen, dass sie den Steinfiguren der Osterinsel ähneln . Naja, schon, irgendwie, aber nicht so direkt…

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Und einen Kiosk gab es, mit einer wunderschönen kleinen Guanyin. Die wollte ich unbedingt haben, und sie war noch dazu spottbillig. Wir hatten zwar immer noch keine Möglichkeit gehabt, Bargeld zu besorgen, aber an der Theke stand ein grosses Schild „Mastercard Welcome“.

Tja, das Schild war da, aber sie nahmen nur Bargeld. Kreditkarte ging nicht, hätten sie nicht, wollten sie nicht. Und sie verstanden auch nicht, was ich an ihrem Schild auszusetzen hätte.

Wieder einmal schade, schade.

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Also enttäuscht wieder in den Bus und zurück zum Schiff, vorbei an einer ganzen Reihe von Ferienanlagen und Hotels, von denen eins seine Einfahrt auch mit Osterinselfiguren geschmückt hatte.

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Wir fuhren in den Sonnenuntergang und diskutierten, ob nicht Jeju Island ein guter vacation spot sein könnte. Viel zu gucken, tolle Landschaft, grossartige Strände…

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Ob sie wohl in den Strandhotels, die wir vom Turm des Botanischen Gartens aus gesehen hatten, Englisch sprachen…

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Und nun zum Rezept – ich kann mich nicht entscheiden: japanisch oder koreanisch? Koreanisch oder japanisch?

Decisions, decisions…

Ach was, ich nehme ein koreanisches Rezept, das ich schon oft und gerne zubereitet habe:

Chap Chae

250 g Rinderfilet, in feinste Streifchen geschnitten

Marinade:       1 Tl Zucker

1 EL Sojasauce

2 Tl feingehackte Frühlingszwiebeln

1 Tl feingehackter Knoblauch

1 Tl gemahlener weisser Sesamsamen

¼ Tl schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen

1 EL Sesamöl

 

60 g Glasnudeln

70 g Chinakohl, in feine Streifen geschnitten

60 g Sojasprossen

125 g Karotten, in Julienne-Streifen geschnitten

1 Gemüsezwiebel, in sehr feine Ringe geschnitten

 

Nach Wahl noch weitere Gemüse, z.B.: Bambussprossen, Babyspinat, Pak Choy, Gurke – alles in feine Streifen geschnitten

 

Sojasauce                               )

Zucker                                    )

Schwarzer Pfeffer               )

Salz                                           )   jeweils nach Geschmack

Monosodiumglutamat        )

Weisse Sesamsamen            )

Sesamöl                                    )

Das Fleisch mit den Marinadezutaten vermischen und mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen. Glasnudeln 15-20 Minuten in heissem Wasser einweichen.

Fleisch und alle Gemüsesorten jeweils einzeln in heissem Öl pfannenrühren, anschliessend alles vermischen und mit den Würzzutaten abschmecken.

 

 

 

 

Ein Rheingau-Highlight

Am 13. März 2019 öffnet die Goldatzel endlich wieder ihren Gutsausschank.

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Noch 37 Tage.

Ich kann es kaum erwarten.

Es gibt ja so viele schöne Plätze im Rheingau.

Aber auf der Terrasse der Goldatzel über die Weinberge und über den Rhein hinweg weit nach Rheinland-Pfalz zu schauen – ich könnte schwören, dass ich schon den Donnersberg gesehen habe – , ein wunderbares Glas Wein vor mir und irgendeine schmackhafte, leichte und beschwingte Kleinigkeit zum Geniessen: das heißt leben!

Ich hoffe, dass am 13. März Terrassenwetter ist und dass ich Freunde mobilisieren kann, die mit mir hinfahren. Und dann teilen wir auf jeden Fall eine Portion „Dubbes“. Ja,ja, ich weiss, ich kann das auch nach Hause mitnehmen und brauche nur noch ein frisches Brötchen oder Baguette und ein bisschen mildes Olivenöl zum „Dubben“ (= stippen, tunken), aber da fehlt einfach genau diese Terrasse.

 

Ich zähle die Tage.

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Oh, Ihr wisst nicht, wo das ist?

Schaut einfach mal nach – unter goldatzel.de

Unterwegs in Japan und Korea

Tja, hier sollte jetzt eigentlich stehen:

Teil 4

Nagasaki, Busan und Jeju Island

Aber leider, leider, das wird noch ein bisschen dauern.

Ich wollte gestern Abend mit dem vierten Teil des Berichts über meine Erlebnisse auf dieser Reise online gehen; nur noch 2 Bilder löschen, die nicht da waren, wo sie hingehörten, 3 Bilder hinzufügen und eine Textstelle ändern und – geschafft!

So dachte ich mir das jedenfalls. Aber als ich das erste Bild zum Löschen anklickte, verschwand wie von Geisterhand der komplette Beitrag.

Ich habe nicht den Schatten einer Ahnung, in welches Paralleluniversum er entfleucht ist – im Papierkorb ist er jedenfalls nicht.

Wenigstens habe ich den Text zum grössten Teil offline geschrieben und kann den schnell wieder einfügen, aber die Fotos einzufügen, dauert länger als das Schreiben. Drückt mir bitte die Daumen, dass ich das einigermassen flott hinkriege.

Bin total demoralisiert…