12.4.2020
Ostersonntag
Nichtsahnend will ich morgens mit dem Hund in den Wald und werfe beinahe den Beutel mit dem liebevoll dekorierten Osterkuchen samt Ei zu Boden, der draussen an der Klinke hängt.
Vom Osterhasen.

Sehr netter Osterhase. Muss in der Nachbarschaft wohnen…
Und sehr guter Kuchen!
Ansonsten viel Facetime und Telefon. Der Wald ist voll. Also voll Menschen und Radfahrer. Ein Nachbar hat per WhatsApp angefragt, wer morgen Abend helfen will, den Parkplatz und die Wege in der näheren Umgebung zu säubern von dem, was die Feiertagsnaturfreunde so in die Natur schmeißen. Gute Idee.
13.4.2020
Ostermontag.
Faulheit pur.
Der Parkplatz sieht noch gar nicht so schlimm aus: ein kaputtes Kinderfahrrad – rosa , ein paar leere Dönerpackungen, Dosen und Gummibärchentüten – war schon schlimmer.

Eine liebe Freundin mit einem Risikopatienten im Haus freut sich über Familienbesuch mit vielen Kindern und darüber, dass die Putzfrau weiterhin zuverlässig kommt. Manchmal habe ich direkt Angst, dass mir der Kopf abbricht beim vielen Schütteln.
Der Herr Grölemeier wird im ÖR mit Lob überhäuft ob seiner Gesänge zum Lob der Helden der Arbeit – äh, des Alltags. Ich habe immer noch keine Hinweise darauf gefunden, dass er diesen Helden auch die Erträge des Werkes zukommen lässt.
Aber Weltstars veranstalten ein Benefizkonzert zugunsten besagter Helden – nun, zu den Weltstars gehört er ja auch wohl eher nicht.

Bin nachmittags eingeschlafen und kam zu spät zum Müllsammeln. War schon alles weg. Also, über die meisten meiner Nachbarn kann ich beim besten Willen nicht klagen.
14.4.2020
Heute wollte ich ja eigentlich nach Meran, also richtiger nach Dorf Tirol. Ich kenne da so ein schönes Hotel. Mit einer phantastischen Aussicht. Und einer phantastischen Küche. Hatte mich so darauf gefreut. Das ist schon sehr deprimierend.


Und kalt ist es auch geworden. Die Heizung ist natürlich schon längst abgeschaltet. Das ist alles nicht hilfreich.
In der Nähe meiner Wohnung gibt es übrigens eine Quelle, die sehr beliebt ist bei Wasserzapfern aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet – Offenbach, Gross-Gerau…
Diese Quelle ist wegen der gewaltigen Menschentrauben, die sich dort immer ums Wasser drängen, erst mit Flatterband abgesperrt und dann in einen Drahtkäfig gesperrt worden.

Jetzt wandern grosse Karawanen den Berg hinauf zu einer anderen Quelle. Zum Glück eignet sich dort die Topographie nicht so recht für grosse und dichte Menschenansammlungen. Dadurch sind die Leute doch ein wenig vor sich selbst geschützt.

Zu essen gab es heute Spargel mit verlorenen Eiern. Hat überraschend gut geschmeckt, und ich habe es ausnahmsweise sogar geschafft, die Eier so in die Brühe gleiten zu lassen, dass die Dotter komplett vom Eiweiss umhüllt waren. Die Brühe bestand übrigens aus 1/2 Weißwein und 1/2 Wasser mit einem Schuss aromatischem Essig, Salz, Pfeffer, Oregano, Rosmarin, Knoblauch und Trüffelpulver. Auf die Idee, das Werk zu fotografieren bin ich leider erst gekommen, nachdem ich alles aufgegessen hatte. Aber es hat ein bisschen gegen die depressive Stimmung geholfen.
15.4.2020
Ach ja, schon wieder Geburtstag. Die Jahre werden von Jahr zu Jahr kürzer. Und ich hatte so schöne Pläne für heute. Nach dem Frühstück eine kleine Wanderung mit dem Herrn Hund, vorzugsweise durch blühende Apfelbäume. Danach hinunter nach Meran, Schaufensterbummel durch die Portici, vielleicht etwas Hübsches finden, das ich mir schenken könnte. Beim Italiener zu Mittag Pasta mit Hummer – oh, sicher, es ist ein Touristenlokal, aber es ist hausgemachte Pasta und Hummer satt. Dazu ein Glas Grüner Veltliner – und das Ganze ist sogar sehr erschwinglich. Noch ein Bummel durch die blühenden Anlagen an der Passer.
Und dann wieder hinauf ins Hotel, vielleicht ein bisschen schwimmen, vielleicht eine Massage, danach eine Margarita an der Bar. Und nach dem Abendessen ein Glas Champagner…
Es wäre so schön gewesen…
Stattdessen sitze ich allein zuhause wie jeden Tag und vertreibe mir die Zeit mit dem Beantworten von Anrufen. Ich muss irgendetwas machen. Ich muss raus!
Besuchen kann ich niemand. Schaufensterbummel in der nächsten Stadt? Nicht sehr verlockend. Obwohl, eigentlich nicht verkehrt, so ein Schaufensterbummel bei Risikostufe Null angesichts geschlossener Geschäfte. Aber vor den interessanteren Auslagen stehen sicher schon Leute. Nee, lieber nicht.
Ich fahre einfach mal wieder zur Goldatzel. Wenn auch der Gutsausschank geschlossen ist, der Weinverkauf funktioniert, und dort ist es kein Problem, den nötigen Abstand zu wahren.
Gedacht, getan. Über Landstrassen bis zur B42. Der Rhein ist schon wieder fast leer, alle Sandbänke, Buhnen und was es sonst so am Boden des Flusses gibt, ist wieder freigelegt.
Bei der Goldatzel war man froh, eine Kundin zu sehen. Es gab ein ausgiebiges Schwätzchen – natürlich in gebührendem Abstand voneinander. Und die Freude wuchs sicher, als noch ein Kundenpärchen ankam, während mein Wein eingeladen wurde. Ich glaube kaum, dass ein Unternehmen wie dieses durch die Schliessung innerhalb weniger Wochen in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Aber Verluste, sogar starke Verluste gibt es sicher.
Nach dem Weinkauf habe ich mir überlegt, dass ja unter den gegebenen Umständen weniger Verkehr herrscht und dass es Spass machen könnte, ein Stück weit am Rhein entlangzufahren und dann durch das Wispertal hoch in den Taunus zu heizen.
Oh, das war schön!
Ein oder zwei entgegenkommende Motorradfahrer hatten etwas Mühe, beim Anblick meines Autos auf ihre Strassenseite zurückzukehren, und einmal steckte ich kurz hinter einem Bus fest. Aber sonst? Fahrspass vom Feinsten. Batterien sind aufgeladen – im Auto und auch in mir. Und der Hund ist nicht mal seekrank geworden, nur der Wein wird ein paar Tage ruhen müssen.

In der Zeitung steht, dass der Lockdown zumindest in Teilen doch noch bis in die erste Maiwoche bestehen bleiben soll. Kleine Läden und Betriebe sollen demnächst wieder unter strengen Vorsichtsmassnahmen öffnen können. Menschenansammlungen aller Art bleiben verboten.
16.4.2020
Jetzt meckern die Pfarrer. Sie finden es unpassend, dass Geschäfte öffnen dürfen und Kirchen zu bleiben. Sie übersehen dabei, dass von den Geschäften Menschen ihren Lebensunterhalt fristen müssen und bei zu langer Schliessung pleite gehen. Den Kirchen kann so etwas doch wohl eher nicht passieren. Da reichen die Geldvorräte sicher noch ein Weilchen.
Mal ganz abgesehen davon, dass es in manchen religiösen Gemeinschaften mit der Disziplin etwas mager aussieht. Nicht alle lassen sich wie brave Lämmlein regieren. Und wenn eine Gemeinschaft ihre Versammlungsorte öffnen darf, kann man es einer anderen nicht gut verbieten.
Es ist jetzt nur noch ein Monat bis zu meinem nächsten geplanten Ausflug. Ist zwar, wie gesagt, nur nach Coburg, aber auch dort möchte man gerne in einem Bett schlafen und hie und da etwas essen. Ich muss mal anfragen, welche Erwartungen die Hotelbesitzerin hegt, ob die Behörden schon etwas geäussert haben.
Ansonsten hat es heute eine ausgiebige Wanderung durch den zartgrünen und doch schon wieder extrem trockenen Frühlingswald gegeben und zum Mittagessen Spargel auf chinesische Art. Mit knusprig gebratenen Mie-Nudeln, Rindfleisch und Pilzen. Auch nicht schlecht!
17.4.2020
Scholz will die Reichen besteuern. Wer wohl für den Herrn Scholz reich ist? Alle, die mehr verdienen als er selbst? So eine Volkswirtschaft muss doch kaputtzukriegen sein! Der Beifall aus allen linken Ecken ist ihm sicher gewiss. Eigentlich schade, dass ein Finanzminister so gar keine Ahnung von Finanzen und Wirtschaft hat…
Eine Freundin konnte 2 Atemmasken ergattern – die mit Ventil – und hat mir eine abgegeben. Das ist wahre Freundschaft!
Die Übergabe der Maske hat beim Gassigehen im Bad Homburger Kurpark stattgefunden. Der Park ist, bei aller Schönheit der Anlagen, total zugekotet von diesen elenden Nilgänsen. Von Enten, Gänsen oder gar Schwänen keine Spur mehr. Diese Viecher vermehren sich schlimmer als sämtliche Karnickel und vertreiben unsere einheimischen Tiere total. Nur unter einem Busch kauerten zwei einsame Erpel und verstanden die Welt nicht mehr. Nirgendwo ein Weibchen. Wo doch Frühling ist…


Nur der Herr Hund fand es toll und hat sich ausgiebig im Kot der Nilgänse gewälzt. Jetzt stinkt er erbärmlich, guckt hochbeglückt und ahnt noch nicht, was zuhause auf ihn zukommt.
18.4.2020
Und schon wieder ein Wochenende!
Und schon wieder eine Stornierung!
Die Ballettaufführung in Lausanne – im Juni! – ist um ein jahr verschoben worden, weil die Truppe nicht üben kann.
Gut, dass ich nachgeschaut habe. Das Ticket bleibt gültig für nächstes Jahr, aber die Unterkunft wäre teuer gewesen, wenn ich die Stornofrist verpasst hätte…
Ich habe dann auch gleich einmal auf der Homepage des Rheingau Musik Festival nachgeschaut. Aber dort warten sie immer noch auf Auskunft. Man darf gespannt sein.
Die Stadtverwaltung von Bad Homburg ist auf eine hervorragende Idee gekommen. Sie verteilen wiederverwendbare, waschbare Masken an die Einwohner. Respekt!
Und die vorgebliche „Umwelthilfe“ wird von Kommissar Zufall gerade ad absurdum geführt. Das freut mich sehr. Vielleicht haben dann unsere Kernindustrien mit ihren unzähligen Arbeitsplätzen demnächst doch noch eine Überlenenschance.

Und mein Friseur hat angerufen: am 4. Mai darf er wieder öffnen und am 7. Mai darf ich kommen. Hurra.

Hm, Nagelstudio wäre auch nicht schlecht, aber ich glaube eher nicht, dass die auch schon öffnen dürfen. Und ich bin auch nicht sicher, ob ich mich dorthin trauen würde. Ich werde wohl noch ein bisschen weiter improvisieren müssen.

Ein trauriges Bild:
Noch ein paar Blümchen zum Trost: 
