1.4.2020
Der erste April.
Jemand hat sich gewünscht, dass sich das alles heute als misslungener Aprilscherz herausstellt. Schön wär’s. Aber nicht besonders witzig.
In der Zeitung steht heute, dass diese überaus bezaubernde Dame Esken der Ansicht ist, man solle die Corona-Krise nutzen, um den Reichen oder denen, die sie dafür hält, mehr Geld abzunehmen.Ich habe mir eine Leserzuschrift erlaubt, in der ich das zum Aprilscherz erkläre. Die Leserzuschrift wurde aber nicht veröffentlicht…
Schade.
Sonst? Ja, momentan nichts Neues. Im Wald machen alle weiterhin grosse Bögen umeinander. Wenn man Bekannte trifft, unterhält man sich kurz von einer Seite des Weges zur anderen und versichert sich gegenseitig, dass „uns nichts umbringen kann“.
Fast jedes Gespräch endet mit „bleib gesund“.
Immerhin reden wir noch miteinander, gelegentlich sogar mit Fremden. Ein Bekannter aus der Schweiz hat heute leicht bekümmert erzählt, dass dort die Leute nicht miteinander sprechen, wenn sie sich im Wald begegnen.
Der Himmel ist noch immer streifenfrei sauber. wenn es nicht so kalt wäre, könnte ich versuchen, meine Fenster in einen ähnlichen Zustand zu versetzen, aber es ist viel zu kalt. Wenn die Sonne ein wenig weiter nach Westen gewandert ist, werde ich versuchen, diesen blankpolierten Himmel auf einem Foto einzufangen.

2.4.2020
Was habe ich heute getan? Überaus wenig! Ein gewaltiger Gassigang in diesem herrlichen Sonnenschein, unterbrochen von einem sehr langen Schwätzchen mit einer Frau, die auf einer Bank sass und mir ihren Platz anbot. Ich wollte eigentlich weiter. Stattdessen haben wir uns darüber unterhalten, was wir alles nicht wissen – und über Toilettenpapier und die merkwürdige deutsche Toilettenpapiersucht. Später habe ich dann weiter in den Schubladen mit den Nähutensilien herumgeräumt, erfahren, dass noch ein weiterer ehemaliger Reisegenosse bei guter Gesundheit ist und fleißig desinfiziert. Den Rest des Tages habe ich mit Versuchen zugebracht, Bilder in meinen Blog einzufügen. Auf dem Tablet. Ich krieg‘s nicht hin. Wenn ich versuche, ein Bild einzufügen, macht wordpress immer ein Titelbild daraus. Das Einfügen über Medien geht auch nicht, weil ich meine Bilder natürlich nicht als zip-Dateien speichere, und die Tastaturabkürzungen funktionieren auch nicht. Muss wohl vor dem Veröffentlichen doch wieder an den PC. Wie öde! Falls ich’ s nicht doch noch hinkriege, bitte ich alle, die sich mit sowas auskennen, um Rat und Hilfe.

Von den infizierten Familienmitgliedern kommen gute Nachrichten. Geruchs- und Geschmackssinn kehren zurück. Fieber ist weg. Aber die Sache mit dem Testen funktioniert ja wohl gar nicht.



3.4.2020
Heute habe ich wieder Gemüse geholt für einige Nachbarn und natürlich auch für mich. Seit meinem letzten Besuch bei unserem Kultgemüsehändler hat sich da Einiges getan. Als ich vorige Woche zur Tür hineinschaute, wimmelte es drinnen von älteren Leuten, die dicht an dicht ihre Nasen ins Gemüse steckten, was mich zu dem Entschluss brachte, nichts zu kaufen, das ich nicht auspacken, schälen oder kochen kann…
Dieses Mal hing draussen bei der Tür ein grosses Plakat, dass höchstens vier Kunden gleichzeitig im Laden sein dürfen – und die Kunden hielten sich dran und warteten brav vor der Tür, bis jemand herauskam. Drinnen war die Kassentheke mit einem grossen Plexiglasschutz abgesichert, und alle Mitarbeiter trugen noch einen zusätzlichen Plexiglasschild vor dem Gesicht.

Das Angebot, eine Bestellung per Email oder Telefon aufzugeben und die Waren an der Ladentür abzuholen, wird offenbar auch gut angenommen.
Oben habe ich geschrieben, dass wir miteinander reden. Dabei ist natürlich die Corona-Krise das Hauptthema, insbesondere, nach der langen Zeit des „social distancing“ mit all seinen Begleiterscheinungen, die Frage, wie es wohl weitergehen wird.
Dabei kristallisiert sich heraus, dass es zwei Grundeinstellungen gibt.
Die eine ist Angst, eher diffuse Angst vor der Krankheit, vor dem Sterben, vor dem Alleinsein und bei jüngeren Selbständigen kommt allmählich die Angst vor der Pleite auf.
Die andere könnte man als völlige Sorglosigkeit ansehen. Immer wieder kommt die Frage, ob die hier in Deutschland ergriffenen Massnahmen nicht heillos übertrieben sind, ob es wirklich angemessen ist, die Wirtschaft so stark herunterzufahren. Immer wieder heisst es, das ist doch bloss eine leichte Grippe, jungen Menschen macht das gar nichts aus, es wäre besser, wenn wir es schnell hinter uns kriegen, es sterben doch kaum welche.
Vor allem auch ältere Leute gehen mit der Bemerkung „da habe ich schon ganz andere Sachen überlebt“ über alle Warnungen hinweg.
Wenn man dann darauf hinweist, dass in anderen Ländern viel mehr Leute sterben, dass wir hier in Deutschland bisher ein völlig unverständliches Glück hatten und dass es leicht ist, die Krankheit für harmlos zu halten, wenn man noch niemand hat sterben sehen – dann werden die Gespräche meist doch etwas nachdenklicher.
Ich denke, man könnte schon Gründe dafür finden, dass der Verlauf hierzulande bisher relativ harmlos ist. Die meisten von uns ernähren sich relativ gesund und sind körperlich fit. Die meisten von uns sind diszipliniert und halten Abstand. Das hilft. Zumindest im Moment. Aber die Kontakte werden über kurz oder lang zunehmen müssen, und dann werden wir voraussichtlich ein Problem haben.
(Übrigens, ein ganz besonderer Herd für unkontrollierbare Infektionen scheinen Alters- und Pflegeheime zu sein. Insbesondere die grossen.)
Dazu werden auch die fehlenden Gesundheitskontrollen an unseren Flughäfen ein gerüttelt Mass beitragen. Wenn wir aufhören, vorsichtig zu sein und denken, dass wir nach der langen Isolationshaft wohl virenfrei sind, werden die Neuankömmlinge, die sich ja nach wie vor frei bewegen können, schon ihr Teil dazu beitragen, die Krankheit zu verbreiten.
Manche führen auch an, dass das Virus ja nur in einigen eng begrenzten Hochburgen einen hohen Zoll fordert. In manchen Ländern sei niemand oder fast niemand krank.
Sicher?
Woher wollen wir das wissen? Afrikanische Länder? Nordkorea? Dem Anschein nach weitgehend coronafrei. Aber was ist dort wirklich los? Wir wissen es nicht. Der Nahe Osten, Kleinasien, Emirate und umliegende Gebiete, grosse Teile Südamerikas – von da hört man so gut wie gar nichts. Liegt das daran, dass das Virus dort nicht angekommen ist, keinen Schaden anrichtet oder daran, dass niemand sich darum kümmert, wieviele krank sind? Daran, dass keine Zahlen veröffentlicht werden (können)?
Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, was im Iran los ist. Es gibt nur Gerüchte, aber die klingen übel. China? China behauptet, sie hätten die Ausbreitung gestoppt. Kann ich das wirklich glauben? Bei manchen Ländern spielen ja auch Eitelkeiten eine wesentlich grössere Rolle, als sie eigentlich spielen sollten. Und in einigen Ländern Afrikas ist man wahrhaftig Schlimmeres gewöhnt und nimmt ein Coronavirus nicht weiter ernst.
Ich denke, wir müssen froh und dankbar sein, dass diese Pandemie, die uns so richtig eiskalt erwischt hat, etwas ist, was aller Voraussicht nach die Allermeisten von uns überleben werden. Ich sehe das als eine Art Generalprobe. Man wird jetzt wissen, was man zur Vorbereitung auf eine Pandemie hätte tun müssen. Und wenn dann etwas wirklich Übles kommt, z.B. so etwas wir Ebola, wo man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stirbt, und zwar nicht nur einfach so, sondern unter höchst schmerzhaften und widerlichen Begleitumständen, wird man hoffentlich vorbereitet sein.
Auf jeden Fall werden wir auf grundlegende Änderungen vorbereitet sein müssen. Unsere Wirtschaft wird nicht nur schrumpfen, sondern auf Sparkurs gehen müssen. So manche Grosszügigkeit, die wir uns bisher leisten konnten, wird zu teuer werden. Der Sozialstaat wird an Geldmangel leiden. Es werden nur noch die unterstützt werden können, die tatsächlich Unterstützung brauchen. Luxussoziales für Schmarotzer wird wegfallen müssen.
Es wird, da viele Unternehmen die Krise nicht überleben werden, Arbeitslose in lange nicht erlebter Zahl geben. Mein Vorschlag wäre, dass einige der Tüchtigeren Arbeitslosen sich der Politik zuwenden – sicheres und gehobenes Einkommen, und wir könnten mal ein paar Köpfe in der Politik gebrauchen, die gelernt haben zu denken und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, die vielleicht sogar Fachkenntnisse in einem Ressort haben? Fände ich gut.
4.4.2020
Im History Channel läuft gerade eine Doku über die Hexen von Salem. Eindringlich wird dargestellt, wie die Katastrophe damit anfängt, dass sich ein paar weibliche Teenager in den Vordergrund spielen wollen, indem sie hysterische Anfälle in Szene setzen und wilde Anschuldigungen ausstossen gegen Menschen, die aus irgendeinem Grund ihr Missfallen erregt haben.
Mehr und mehr junge Mädchen werden mitgerissen und sind begeistert dabei. Und mehr und mehr Menschen verlieren wegen unsinniger Anschuldigungen nicht nur alles, was sie sich erarbeitet haben, sondern sogar ihr Leben.
Und, oh Wunder, erwachsene Männer von Rang nehmen das alles gerne ernst, denn es gibt ihnen eine Möglichkeit, sich zu profilieren. Und dabei zu den Guten zu gehören.
Und Menschen von Einfluss und mit gutem Netzwerk erhalten die Gelegenheit, sich zu bereichern.
Komischerweise muss ich dabei immer wieder an FfF und an den Me-too-Kriegszug denken.
5.4.2020
Heute sagt die Bundesregierung, dass der Verlauf bisher in Deutschland recht mild war, dass aber in naher Zukunft mit einer heftigen Steigerung der Infektionsrate zu rechnen ist. Davon gehe ich auch aus. Es wird dann passieren, wenn wir wieder aufeinander losgelassen werden, die Wirtschaft wieder hochgefahren wird, Verwandte und Freunde einander wieder besuchen, voller Erleichterung, dass die schwierige Zeit des Getrenntseins vorüber ist – dann wird die Infektionskette Fahrt aufnehmen. Und genau davor habe ich Angst.
Das Virus ist da, und es wird nicht einfach so verschwinden. Und wir werden auch nicht auf wundersame Weise plötzlich immun dagegen sei.
Die Grüne Jugend fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden einzelnen Bürger. Wie bereits oben gesagt, Luxussoziales werden wir uns nicht mehr leisten können. Die Steuern, aus denen dieses Geld kommen soll, müssen erst einmal erarbeitet werden. In einer Rezession dürfte das etwas schwierig werden. Ich frage mich, ob der Mathematikunterricht nur freitags gehalten wurde und jetzt die Defizite sichtbar werden.
Ich jedenfalls fürchte ernstlich, Covid-19 wird uns dahin bringen, dass Hilfe nur noch für Menschen möglich sein wird, die sich selbst nicht helfen KÖNNEN. Hoffentlich! Für Menschen, die sich selbst nicht helfen WOLLEN, wird einfach nicht mehr genug da sein.
