Eigentlich wollte ich jetzt zuerst über meine Antarktiskreuzfahrt schreiben, oder über die Maremma.
Aber ich habe gerade einen akuten Sehnsuchtsanfall:
Rio
Rio de Janeiro
Es war ein Traum von frühester Jugend an, und endlich konnte ich dort sein.
Nur ein paar Tage, aber die Sehnsucht wird mich wohl nie wieder loslassen.
Genau jetzt, im verschneiten Wald, umgeben von Nebel und nasser Kälte, möchte ich wieder an der Copacabana sitzen, Caipi trinken und dem Leben um mich herum zuschauen.
Ich möchte mich wieder von Pedro durch die Stadt kutschieren lassen und mit ihm über das Leben – seins und meins – diskutieren.

Ich möchte wieder stundenlang durch die Stadt stromern und einfach nur Schönheit geniessen.
Ich möchte wieder am Kai sitzen und den Möwen zuschauen und mit wildfremden Menschen wild philosophieren.

Ich möchte wieder in dieser unglaublich überladenen und zugleich unglaublich schönen Kirche sitzen und leicht zerrupften gregorianischen Gesängen lauschen. Und dabei den innigen Glauben und die Hingabe der Menschen um mich herum geradezu körperlich spüren.

Rio war so lange ein Sehnsuchtsort. Nun war ich dort und es ist mehr denn je ein Sehnsuchtsort…
Aber von Anfang an:
Ich hatte Dreamlines gebeten, mir im Anschluss an die Kreuzfahrt noch zwei Anschlussprogramme zu organisieren – Iguazu (das wird ein eigener Beitrag, war so überwältigend, muss ich erst noch verkraften) und Rio.
Ich landete in Rio bei strömendem Regen –
nicht so ganz das, was man erwartet. Aber der Fahrer war nett, hat unterwegs viel erklärt und viele nützliche Tips gegeben

und mich dann zu einem sehr gepflegten Mittelklassehotel direkt an der Copacabana gebracht, dem Windsor Excelsior Copacabana.
Ok, der Blick auf Meer und Strand war ein bisschen schräg, aber Zimmer und Bad
waren komfortabel und gut ausgestattet, das Frühstück war hervorragend und die Mitarbeiter(innen) an der Rezeption erste Sahne.
Und wie wohl alle, die in Rio in ein Hotel einchecken, erhielt ich ein kleines Geschenk und eine Einladung von H. Stern. Man freue sich so sehr darauf, mich kennenzulernen. Ach ja. Hätte ja die Einladung nur zu gerne angenommen, aber ich kenne mich: Versuchungen kann ich nur widerstehen, wenn sie abwesend sind. Das Risiko war mir viel zu gross.
Am ersten Nachmittag wollte ich sowieso nur eins – das leichteste Fähnchen anziehen, das ich dabei hatte, Sandalen, die leicht auszuziehen waren, ein kleines bisschen Bargeld in die Tasche und – COPACABANA!

Trotz Regen war das erfreulicherweise kein Problem, denn es ist nicht wie hier bei uns; Regen heisst nicht eisige Kälte, scharfer Wind, Schüttelfrost und Schniefnase. Hier heisst Regen einfach nur, dass die herrlich warme Luft nass ist und man auf’s Kämmen getrost verzichten kann. Also, los.
Zwischen der Copacabana und mir lag nur eine breite Strasse, die schnell überquert war. Dann kam eine Reihe von Strandlokalen, die sich nach rechts und links hinzogen, soweit das Auge reichte. Hm, soll ich erst zum Wasser gehen oder soll ich erst Speisekarten studieren? Erst mal ans Wasser!

Hier gab es richtig schöne Wellen, die grün wie Jade leuchteten. Ein paar Surfer waren auch da. Über ihnen ein grosser Vogelschwarm, der wohl nachschauen wollte, ob es da etwas zu futtern gäbe; aber bei näherer Betrachtung waren ihnen die Surfer vielleicht doch einen Tick zu gross.

Für Sport ist hier sehr gut gesorgt – es gibt alles, was man braucht, um Fussball, Beachvolleyball, Badminton und was weiss ich was noch zu spielen.

Nach einer Weile wurde mir das Stapfen durch den nassen Sand aber dann doch etwas zu mühsam und ich beschloss, erst einmal Speisekarten zu studieren.

Caipi und Corona gab es so ziemlich überall. Da musste ich nur noch
unters
uchen, wo die Caipi am besten schmeckte. Essen war schon schwieriger. Da half nur durchprobieren.
Ich setzte mich also an einen der heute sehr vielen freien Tische, schaute auf’s Meer und die Wolken, hörte dem Regen zu, der auf den Plastiksonnenschirm plätscherte und bestellte erst einmal eine Caipirinha. Danach galt heftiges Überlegen: auf jeden Fall die Cassavatasche mit Shrimpfüllung, ach ja, und dazu die fritierten Calamari. Der Berg war riesig, und alles schmeckte sehr, sehr lecker.

Aber danach brauchte ich dringend noch eine Caipirinha! Und dann war es auch schon Zeit zum Schlafengehen.
Hoffentlich würde das Wetter morgen besser…
Am nächsten Morgen ein hoffnungsvoller Blick Richtung Meer. Ach herrje, es regnet immer noch. Was soll ich denn jetzt mit dem Tag anfangen? Nach dem reichhaltigen Frühstück mit ganz hervorragendem Kaffee und sehr, sehr aufmerksamem Service ging ich dann erst einmal zur Rezeption und erkundigte mich nach den Möglichkeiten, eine Stadtrundfahrt zu machen.
Einen Hop-on-hop-off-Bus gibt es nicht. Sonst gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber alles klingt nicht so recht befriedigend. Da hat die Rezeptionistin noch eine weitere Idee: warum miete ich nicht ein Auto mit Fahrer – ist nicht so teuer, ich sehe in kürzerer Zeit viel mehr und habe es viel bequemer. Und der Fahrer würde anhalten, wann immer ICH das will.
Das klang richtig gut.
Der Preis war schnell ausgehandelt. Sie rief an, und eine halbe Stunde später stand Pedro am Empfang, um mich zu seinem frisch gewienerten Auto zu geleiten.
Das war wirklich die perfekte Methode, eine Stadt anzusehen. Wahrscheinlich habe ich eine ganze Menge Dinge nicht gesehen, zu welchen Touristen normalerweise geschleift werden. Aber dafür habe ich alles gesehen, was Pedro als Einheimischer besonders schön und sehenswert fand. Und noch dazu konnte ich mich mit ihm über das Leben in Rio unterhalten.
Das Leben in Rio scheint nicht gerade einfach zu sein. Zum einen gibt es übermässig viel Kriminalität. Mein Entschluss, nur in einem schlichten Sommerfähnchen oder Jeans herumzulaufen, ohne Uhr, ohne jeglichen Schmuck, ohne Karten, ohne grosse Kamera und nur mit einem kleinen Geldbetrag bewaffnet, war goldrichtig. Pedro meinte: “Dress like a carioca and they will think you are a native. Natives never carry anything valuable when they walk through town. So, the thieves know they’d be wasting their time.” Zum anderen sind die Einkommensunterschiede schon extrem. Dagegen ist die Schere, die hier nach Ansicht so vieler Leute so fürchterlich weit zwischen Arm und Reich klafft, einfach nur ein Witz, und nicht mal ein guter. Und es gibt allem Anschein nach kein soziales Netz, welches die Leute auffängt, die sich aus irgendeinem Grund nicht nach oben kämpfen können. Krank geworden? Pech gehabt. Zu alt zum Arbeiten? Dumm gelaufen. Eine Menge hungrige Kinder? Ja, und?
Es gibt in dieser wunderschönen Stadt mehr Armut und Elend, als man sich hierzulande vorstellen mag. Vielleicht habt ihr einmal den Film „Orfeo Negro“ gesehen? Die Geschichte von Orpheus und Eurydike im Karneval von Rio. Ein wunderbarer Film mit bezaubernder Musik, der nicht nur ausserordentlich spannend ist, sondern schon auch einen Eindruck davon vermittelt, wie die meisten Menschen hier leben.
Ich hätte mir ja gerne auch einmal die Favelas angesehen, oder wenigstens eine. Aber Pedro hat sich strikt geweigert. Sein Auto ist sein Lebensunterhalt, da kann er kein Risiko eingehen.
Stattdessen hat er mir viele wunderbare Ausblicke über die Stadt
und die vielen Inseln und über das Meer gezeigt.

Und die Innenstadt mit all den prächtigen Bauten.
Die allerdings zwei Tage später, bei Sonnenschein deutlich besser aussahen…
Und eine unglaubliche Treppe mit ganz vielen verschiedenen Kacheln aus aller Welt. 



Eine Strasse, in der es kein Haus ohne Graffiti gibt.

Den Zuckerhut von unten.
Das Sambadrom (menschenleer und bei dem Mistwetter wirkt es doch sehr betrüblich). 
Eine hochmoderne Kirche mit Wahnsinnsfenstern – und ganz ohne Türen.

Der Kirchturm steht daneben, als sei er dem Architekten gerade noch so im letzten Moment eingefallen. Und Märkte, auf denen man keinen einzigen Touri sieht. Und den riesigen Binnensee mitten in der Stadt.
Und San Bento, eine alte Klosterkirche, völlig überladen mit Gold und Schnitzarbeiten.

Eigentlich kitschig, aber gerade, weil sie so total überladen ist, doch schon wieder schön. San Bento ist berühmt für seinen Mönchschor: Gregorianische Gesänge. Das muss ich auch hören.

Am Tag unserer Stadtrundfahrt gibt es keinen Gottesdienst, aber in 2 Tagen. Pedro will mich hinfahren.
Aber jetzt näherte sich unsere Stadtrundfahrt leider schon dem Ende. Ich muss auch gestehen, dass ich ziemlich erschlagen war von all den Eindrücken. Das schlechte Wetter hatte ich schon fast vergessen. Zurück im Hotel zog ich trockene Sachen an, denn inzwischen hatte es etwas aufgeklart, und überlegte, wo ich zu Abend essen wollte. Sowohl der Fahrer, der mich nach der Ankunft ins Hotel gebracht hatte, als auch die nette Rezeptionistin hatten mir Restaurants in der näheren und weiteren Umgebung empfohlen, aber eigentlich dachte ich, das Beste sei doch eine kleine Strandwanderung mit anschliessendem Essen in einer der Strandbars. Restaurants gibt es zuhause auch. Und wenn auch die Speisekarte in Rio sicher anders aussieht als in Frankfurt oder München, einen weltberühmten Strand und die dazugehörige Atmosphäre gibt es dort nicht.
Ich bin also wieder ein wenig durch den nassen Sand gestapft, habe den wenigen Enthusiasten bei der Leibesertüchtigung zugeschaut
und dann wieder Speisekarten studiert. Die Wahl fiel auf eine wilde Mischung aus allen möglichen Zutaten. Wurst, Seafood, allen möglichen Gemüsen und Pommes Frites. Wie das alles serviert würde, ging aus der Speisekarte nur so halbwegs hervor. Es sah dann so aus:

Ein Riesenberg, den auch ein grösserer Mensch nicht geschafft hätte. Schon ein bisschen zum Fürchten, hat aber überraschend gut geschmeckt. Als ich satt war, den Berg kaum angekratzt hatte und kein Essen mehr sehen konnte, kam der Kellner und erkundigte sich, ob er meine Reste für die Bettler einpacken dürfe. Ja, natürlich durfte er. Daraufhin packte er alles vorsichtig in eine Plastiktüte und zwar so, dass es nicht unappetitlich wurde. Das machte schon nachdenklich…
Nach einer weiteren Caipirinha wanderte ich noch ein bisschen durch die Strassen der Umgebung. Aus vielen kleinen Lokalen drang Musik, die Berufstätigen eilten noch durch die Geschäfte, und ein Mitarbeiter eines sehr teuren Juweliers nicht weit vom Hotel fand offenbar, dass ich sehr wohlhabend wirkte und wollte unbedingt, dass ich in den Laden komme und etwas kaufe. Aber dummerweise hatte ich gerade so gar keine Zeit. Nächstes Mal ganz bestimmt…
Am Tag darauf hat es nicht mehr geregnet, dafür hingen die Wolken sehr tief, man sah vom Zuckerhut gar nichts. Der Christus auf dem Corcovado tauchte gelegentlich schemenhaft aus den Nebelschwaden auf,
so dass ich den Mut aufbrachte, mich zu erkundigen, wie man dorthin kommt. „Am besten mit den Sonderbussen, die ein Stück weiter am Strassenrand stehen.“ Ich musste eine Karte kaufen, dann zu den Minibussen gehen, die in Reih und Glied parkten und wurde dort einem Bus zugeteilt. Der fuhr durch die Stadt und durch ein nicht besonders verlockendes Viertel, dann durch ein Villenviertel, das schon ziemlich hoch oben lag. Dann musste man umsteigen in einen anderen Bus, und damit ging es dann ganz hinauf. Alles sehr gut durchorganisiert. Oben war dicke Waschküche. Man hatte mich ja bei der Kartenverkaufsstelle gewarnt, es sei heute kein guter Tag für den Corcovado, aber was soll man tun, wenn man nur so wenige Tage hat…
Ich stolperte recht unzufrieden zum Aussichtspunkt, beschloss, nicht in das dort geschickt positionierte Schnellrestaurant zu gehen – hatte eh keinen Hunger, und ohne Aussicht machte es irgendwie keinen Sinn, sich dorthin zu setzen – und stand eine Weile unschlüssig an der Brüstung herum.
Und Ihr werdet es kaum glauben, aber die Wolken rissen auf!

Nicht lang, aber doch lang genug, um zu sehen, wie herrlich die Stadt mit ihrer wundervollen Bucht da unten liegt.

Als die Wolken sich wieder schlossen, ging ich dann hoch zur Statue. Unterwegs war die ganze Anlage der Stadt mit Topographie und vielen Informationen zu besichtigen. Dann ging es viele Treppen hoch, zum Schluss auch noch eine
Rolltreppe und dann – Nebel. Während ich die Rolltreppe hinauf fuhr, kam immer mal schemenhaft ein riesiger, gespenstischer Umriss zum Vorschein.
Und plötzlich stand dann tatsächlich diese gewaltige Christusstatue in ihrer ganzen unnachahmlichen Hässlichkeit vor mir. Umgeben von Tausenden Touristen aus aller Welt.

An strategischen Punkten hatte eine fürsorgliche Touristikbehörde (oder so) Matten ausgelegt. Auf diese Matten legten sich dann die Leute mit ihren Handies und fotografierten ihre Begleiter/innen aus dem Liegen vor der Statue. Sehr merkwürdig.
Viele haben versucht, einen Eiffelturmeffekt zu erzielen, indem sie vorgaben, mit der Hand die Statue zu stützen, aber ich glaube nicht, dass die Perspektive dafür so recht geeignet war.
Ich habe mich damit begnügt, das hässlichste Souvenir zu kaufen, das ich jemals gesehen habe. Der Cristo Redentor (so heisst die Statue) mit samtiger Oberfläche in knallpink. Habe lange geschwankt zwischen Giftgrün und besagtem Knallpink, aber das Pink hat gewonnen, es war doch das Scheusslichere von den beiden. Die Idee dabei war eigentlich, das Ding jemand zu schenken, den ich nicht mag, aber zuhause musste ich dann feststellen, dass ich niemanden kenne, den ich SO wenig mag. Jetzt steht es auf der Fensterbank im Treppenhaus neben einer Queen Elizabeth mit Solarpaneel auf der Handtasche und Winkearm. Die hatte ein Nachbar gespendet, der wohl ähnlich motiviert war wie ich. Weiss nicht wer, niemand bekennt sich schuldig. Jetzt dürfen sich alle Hausbewohner an den beiden Mitbringseln erfreuen.
Die Rückfahrt zog sich dann etwas hin, die war offenbar nicht so perfekt organisiert. Man musste lange Schlange stehen, bis ein Bus kam, mit dem man hinunter zur Umsteigestation fahren konnte. Dort ging es dann allerdings flott. Und irgendwann am Nachmittag war ich wieder an der Copacabana und bin ein bisschen über die Touristenmärkte dort geschlendert. Dort gab es viele hübschere Souvenirs für die Leute, von denen ich auch unterwegs wusste, dass ich sie mag. Vögel aus Halbedelsteinen, Lederarbeiten, erstaunlich viel Macramé (dachte, das wäre längst aus der Mode…). Auf die prachtvollen Hängematten musste ich schweren Herzens verzichten – zu schwer für’s Flugzeug. Ausserdem müsste ich dafür ja zwei Bäume haben…

So allmählich wurde es wieder Zeit für Caipirinha und Abendessen.
Heute wurden es Shrimps mit Bratkartoffeln, einer Art Mayonnaise und einem merkwürdigen Bällchen aus Cassavamehl (= Maniokmehl) mit Nüssen. Hat überraschend gut geschmeckt.

Als ich fast fertig war und von den Bratkartoffeln (in sehr grossen Stücken) noch fast alles übrig war, kam eine Frau mit einem kleinen Mädchen an den Tisch, erkundigte sich höflich, ob ich ihr erlaube, die Kartoffeln zu nehmen. Und als ich „ja“ sagte, nahm sie sich eine Papierserviette, faltete sie sorgfältig auf und nahm sich damit die Kartoffelstücke ganz vorsichtig und geradezu elegant vom Teller.
Wow!
Darauf gleich noch eine Caipi!
Der Himmel fängt an, immer vielversprechender auszusehen. Vielleicht haben wir morgen, an meinem leider schon letzten Tag, endlich richtig gutes Wetter.
Ja! Gleich beim Aufwachen habe ich aus dem Fenster geschaut. Das war schon ein anderes Bild als am ersten Tag! Die Strasse war trocken, das Meer war blau, die Luft war klar und die Palmen wurden von einer sanften Brise leicht gewedelt. Jetzt aber schnell fertigmachen und frühstücken, damit ich Pedro nicht warten lassen muss, wenn er mich zu den Gregorianischen Gesängen abholt.
Bei der Kirche war ziemlich viel Andrang. Ich ging schon hinein, um einen Platz
zu suchen und auch für Pedro einen freizuhalten, während er einen Parkplatz suchte. Aber er kam und kam nicht, und die Kirche wurde immer voller. Den Platz noch länger freizuhalten war ganz unmöglich. Während des Gottesdienstes kam immer wieder eine Einlage mit Gesängen; allerdings waren die sicher eindrucksvoller, als es im zugehörigen Kloster noch mehr Mönche gab. Und diese vielleicht auch ein bisschen jünger waren. Die paar alten Männlein und die hervorragende Akustik der Kirche gaben ihr Bestes, aber was bei mir im hinteren Teil der Kirche ankam, war doch recht schwächlich und dünn, ein bisserl zerrupft halt. Trotzdem war der Gottesdienst ein Erlebnis, denn die meisten Anwesenden schienen von so tiefer Religiosität und Inbrunst erfüllt, dass diese fast greifbar schienen.

Danach fuhr Pedro mich noch zu einem Markt, den er besonders interessant fand für mich und entliess mich unter tausend Warnungen aus dem Auto – hier müsste ich meine Brieftasche ganz besonders festhalten! Das tat ich denn auch, obwohl ich öfter an mein Geld musste als erwartet – hier gab es wirklich schöne kunsthandwerkliche Arbeiten. Da mussten doch noch ein paar Mitbringsel gekauft werden. Dann musste ich mich von Pedro verabschieden, denn er hatte für den Nachmittag einen Auftrag.
Ich fuhr dann mit einem Taxi ins Zentrum und lief dort ein paar Stunden herum. Schon sehr eindrucksvoll. Selbst hier keine Stadt wie jede andere. Und als ich an einem düsteren Torbogen vorbei kam, hörte ich laute Musik und Lachen.
Da musste ich natürlich nachschauen: allem Anschein nach ein Strassenfest. Eine Band spielte, viele Leute hatten viel Spass bei Barbecue, Rotwein und Bier. Am liebsten hätte ich mich dazugesetzt, aber es gab noch so viel zu gucken! Schliesslich, als ich müde wurde, setzte ich mich für eine Weile auf eine Bank am Hafen, schaute den Möwen zu und den Schiffen, die gelegentlich weiter draussen vorbeizogen und freute mich auf’s Abendessen.



Das wurde dann – wie überraschend! – Caipirinha, fritierte Calamari mit Cassava in noch einer anderen Variante

und heute, da Sonntag war, auch Musik und Tanz (bei dem ich allerdings nur zuschaute. Manchmal ist es doch ein Nachteil, allein unterwegs zu sein).

Am Strand war heute richtig viel los. Alle Möglichkeiten, Sport zu treiben, wurden lebhaft genutzt.

Viele machten Picknick unter Palmen.
Verkäufer liefen von einem zum anderen und versuchten, Erdnüsse und Souvenirs Made in China an den Mann und an die Frau zu bringen.

So hatte ich mir die Copacabana eigentlich auch vorgestellt. Schade, dass das schon mein letzter Abend war…
Und jetzt zu ein paar Rezepten.
Das wichtigste ist natürlich die
Caipirinha
Ist zwar nicht zum Essen, aber dafür mit dem vielen Vitamin C sicher unheimlich gesund.
1 Limone in Spalten oder Stücke schneiden, Rohzucker nach Geschmack dazu geben.
Limonen mit dem Zucker gründlich im Glas stampfen, bis der Zucker weitgehend im Limonensaft gelöst ist, mit Eiswürfeln auffüllen, Pitu oder Cachaça dazu. Ein bisschen umrühren.
Wie stark ihr sie macht, müsst Ihr selbst entscheiden.
Rezepte für fritierte Calamari oder Shrimps muss ich euch sicher nicht aufschreiben.
Aber ich denke, der grosse Berg, mit dem ich nicht fertig wurde, das war so eine Art
Feijoada.
In den Rezepten steht die zwar immer als so eine Art Eintopf, eher suppig, aber sie soll sehr variabel sein. Ich habe sogar ein Rezept für Feijoadaklösse gefunden, aber das schiebe ich noch vor mir her. Sonst habe ich halt ein bisschen herumprobiert, und das ist dabei herausgekommen:
Zutaten:
300 g Bohnen, grosse schwarze oder Kidney
5-600 g verschiedene Fleischsorten: Schwein, Rind, gerne auch teilweise gepökelt oder geräuchert
200 g Paprikawurst, Cabanossi oder Chorizo in Scheiben
100-150 g Bacon, gewürfelt oder in kleine dünne Scheiben geschnitten
Wahlweise eine Handvoll Garnelen, mit oder ohne Schale
1 Zwiebel, fein gehackt
2-3 Knobauchzehen, zerdrückt
4 El Olivenöl
Frischgemahlener Pfeffer
1 Lorbeerblattt
1 Prise Kreuzkümmel, frisch gemörsert
1 Prise Koriandersamen, frisch gemörsert oder gemahlen
Und zur Dekoration:
1 paar Basilikumblätter
und eine unbehandelte Orange, beides zur Dekoration
Zubereitung:
Am Vortag die Bohnen gründlich waschen und in reichlich Wasser einweichen. Das Fleisch würfeln und mit dem zerdrückten Knoblauch und frisch gemahlenem Pfeffer, evtl. auch einem Schuss mildem Essig vermengen und über Nacht in den Kühlschrank stellen.
Vormittags die Hälfte der gehackten Zwiebeln mit dem Bacon, Lorbeerblatt und Kreuzkümmel anbraten, die Bohnen samt Einweichwasser dazugeben und 1-2 Stunden köcheln. Währenddessen die restlichen Zwiebeln und das Fleisch in Öl andünsten und ca. 1 ½ Stunden schmoren. Dann zu den Bohnen geben, die Wurstscheiben dazu und alles zusammen mit gerade so viel Flüssigkeit, dass nichts anbrennen kann, köcheln, bis die Bohnen weich sind.
Was sich bei meinen Versuchen gut gemacht hat, war, mit Rotwein aufzugiessen, wenn die Flüssigkeit verdampft war.
Zum Schluss die Garnelen in Öl braten, bis sie schön rosig sind, und in die Mischung aus Fleisch und Bohnen geben – nicht mehr kochen! Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Anrichten mit Orangenscheiben und Basilikumblättern dekorieren.
Das ist jetzt nicht so trocken wie in der Strandbar, aber ich finde, es schmeckt besser…
Und der merkwürdige Ball war
Farofa.
Denke ich.
Zutaten:
200 g Maniokmehl
50 g feingehackten Bacon
50 g Schweineschmalz oder Palmöl (manche Rezepte verlangen sogar Butter, aber ein neutrales Öl tut es auch)
50 g gehackte Erdnüsse
Salz
Zubereitung:
Das Maniokmehl trocken in der Pfanne anbraten, allmählich das Schmalz zugeben, bis das Mehl gerade anfängt, sich zu bräunen. Separat den Bacon und die Erdnüsse rösten.
Beides mit dem Maniokmehl vermischen. In kleinen Schälchen, die mit Schmalz oder Butter ausgestrichen wurden, formen, stürzen und mit ein paar gerösteten und gehackten Erdnüssen garnieren.