
Vor kurzem war ich wieder einmal in Dresden. Dort bin ich oft, denn es ist meine Heimatstadt. Aber dieses Mal war ich mit einer guten Freundin dort, der ich Dresden zeigen wollte. Deshalb habe ich einfach alles das gemacht, was bessere Touristen so in Dresden machen – oder meiner Ansicht nach machen sollten.

Wir waren bei prachtvoller Sicht in der Sächsischen Schweiz und sind von einem Aussichtspunkt zum anderen gekraxelt.

Sogar die Reste der Burganlage haben wir uns angeschaut, vor denen ich mich bisher immer gedrückt hatte – die waren sehr viel interessanter als erwartet. Nur, wie die alten Rittersleut dort gehaust haben sollen, übersteigt meine Vorstellungskraft; manche der Räume können nicht viel grösser gewesen sein als ein etwas beleibter Mensch!

Als wir dann ganz viele Kalorien verbraucht hatten, sind wir ins Restaurant gegangen und haben sehr viel besser gespeist, als dies in einem Touristenrestaurant normalerweise möglich ist, haben uns im Andenkenladen die bezaubernden Thüringer Glasprodukte angeschaut (und ein Geschenk für eine Freundin gekauft – jetzt muss sie mich aber auch einladen!) und uns auf dem Rückweg zum Parkplatz gefreut, dass wir so schön nahe geparkt hatten und nicht erst wieder mit dem Bus zum ersten Parkplatz fahren mussten, auf den ich beinahe wieder hereingefallen wäre. Denn aus der Beschilderung dort könnte man den Eindruck gewinnen, dass es näher bei der Bastei keine Parkplätze mehr gibt…
Auf der Rückfahrt haben wir dann noch einen Bummel durch Bad Schandau gemacht, sehr hübsch. Und in der Apotheke nahe der Touristen-Information, an die ich mich gewendet hatte, weil mein rechtes Auge plötzlich entzündet war und gemein weh tat, hat man mich hervorragend beraten und versorgt. Also, ein Ausflug nach Bad Schandau lohnt sich durchaus.
Dem Auge ging es jetzt wieder besser, im Auto sind auch die Kleider, die von einem etwas sehr plötzlichen Gewitterregen völlig durchnässt waren, schnell wieder getrocknet (den Gedanken an eine Dampferfahrt hatten wir allerdings fallen gelassen…), so dass wir bei der Weiterfahrt noch fit genug waren für einen Besuch der Burg Hohnstein.
Die Burg und das dazugehörige Dörfchen sind bezaubernd und dass man uns im Dorflädchen am Fuss der Burg noch ein paar Flaschen gekühltes Wasser verkaufte, obwohl eigentlich schon Ladenschluss war, hat uns zutiefst beeindruckt – wie oft habe ich anderswo schon gehört: nee, das geht jetzt nicht mehr, wir haben schon Kasse gemacht, obwohl noch eine Viertelstunde Zeit war bis Ladenschluss…
Und sogar das Kunstblumenstädtchen Sebnitz haben wir noch mit knapper Not geschafft und uns ein paar dekorative und dauerhafte Blumensträusse binden lassen – auch hier hat man sich einfach nur gefreut, dass noch Kunden kamen und den Feierabend ein bisschen aufgeschoben. Beeindruckend!
Abends sind wir auf der Suche nach etwas Essbarem im Sophienkeller gelandet,

unter dem Taschenbergpalais, wo wir nicht nur meinen heissgeliebten Goldriesling in hervorragender Qualität trinken konnten, sondern auch sehr liebevoll bedient und beraten wurden (das Spanferkel, frisch gegrillt und „live vom Spiess geschnitten“, wie es hiess, ist wirklich sehr, sehr gut) Und als dann auch noch im Lauf des Abends August der Starke höchstpersönlich auftauchte und seine Aufmerksamkeit meiner (chinesischen!) Freundin widmete, war die hellauf begeistert.

Am nächsten Tag war das Wetter nicht ganz so schön, also sind wir in der Stadt herumgewandert, erst zum Elbeflohmarkt, den ich nie auslasse. Auch dieses Mal gab es eine reiche Ausbeute an interessanten Kochbüchern und Blumenvasen. Nachmittags haben wir die Altstadt erkundet und für den Spätnachmittag hatte ich Karten für ein Konzert im Marmorsaal des Zwingers besorgt. Die jungen Künstler des Dresdner Residenz Orchesters boten mit Vivaldis Vier Jahreszeiten einen ganz aussergewöhnlichen Kunstgenuss, der noch durch die Intimität des verhältnismässig kleinen Saales intensiviert wurde. Vor allem die junge Violinistin Juhee Sohn hat uns hingerissen – ich habe mir noch nachträglich ein Programm gekauft, damit ich den Namen nicht vergesse und Karten kaufe, wenn sie irgendwo in meiner Nähe spielt. Denn dass sie eine ganz grosse Karriere machen wird, steht für mich ausser Zweifel. Nach dem Konzert nutzte ich die Gelegenheit, meiner Freundin noch das Nymphenbad zu zeigen, das vom Aufgang zum Marmorsaal aus zu erreichen ist und wir sind ein bisschen auf dem Zwinger herumspaziert. Das hat was!



Abendessen gab es im Sächsischen Teil des Italienischen Dörfchens mit Blick auf die Augustusbrücke – trotz der Kälte bestanden wir darauf, auf der schmalen Terrasse zu sitzen und waren sehr erleichtert, als eine fürsorgliche Mitarbeiterin uns Decken brachte. Denn von der Stelle rühren wollten wir uns nicht: erstens war der Blick auf die Elbe mit der allmählich einbrechenden Dunkelheit und der Brückenbeleuchtung wunderschön und zweitens hatten wir voll Optimismus – nachdem ja meine Freundin gestern schon festgestellt hatte, 
dass meine Begeisterung für den Goldriesling absolut berechtigt ist – eine ganze Flasche Wein bestellt. Die musste ja nun ausgetrunken werden. Und das ging nicht so schnell…
Der Sonntag war Lauftag. An den Elbufern entlang, immer wieder neue Ausblicke auf die Dresdner Silhouette entdeckend.

Über die Augustusbrücke, die gerade repariert wird, zur Neustadt, durch die Künstlerhöfe – es ist sicherer, dort sonntags durchzulaufen, dann haben die meisten Läden zu! Über die Brühlsche Terrasse, ein leichter Brunch dort im Restaurant, während vor uns eine Gruppe Touristen in historischen Kostümen eine Stadtführung, naja, zelebrierten. Schöööön!

Dann mit dem Auto schnell nach Pillnitz und wieder laufen. Hier gibt es so viel zu sehen. Der grosse Park, die riesige Kamelie mit ihrem fahrbaren Haus, die chinesisch angehauchten Gebäude,

die meine Freundin schon mit einer gewissen Belustigung zur Kenntnis nahm. Sogar das Schlossmuseum ist durchaus sehenswert – und wir versuchten, uns vorzustellen, wie die Gräfin Cosel, offizielle Mätresse Augusts des Starken, während ihrer zeitweiligen Verbannung dort residierte.
Einkaufen kann man dort natürlich auch. Mich begeistern vor allem das Antiquariat, das bei jedem meiner Besuche grösser ist und bei den alten Kochbüchern fast immer die eine oder andere Überraschung bereithält und der Laden, der regionale Produkte wie die überaus gute Trinkschokolade und Badeessenzen und Lotions der Firma Dresdner Essenzen bereithält. Die gibt es zwar mittlerweile überall, aber dort ist das Sortiment einfach grösser
Und ja, gut essen kann man dort auch und zwar im Restaurant des Schlosshotels.
Ich habe hier nur einen Kritikpunkt: wenn man mit vollem Magen und wunden Füssen wieder dem Parkplatz zustrebt, wäre es schön, wenn es eine Drehtür nach aussen aus den Parkanlagen in den öffentlich zugänglichen Teil der Anlagen gäbe. Aber man muss den ganzen Weg zurück zum Einlass machen…
Schade. Aber wir haben es ja dann doch geschafft.
Am Montag verbrachten wir viel Zeit in den beiden Grünen Gewölben. Ich kann über die dort ausgestellte Pracht nicht schreiben – das muss man sehen! Diese Herrlichkeiten von Dinglinger bis zum Grünen Dresden (das ist ein Diamant, bei dem meiner Freundin und mir derart das Wasser im Munde zusammenlief, dass wir aufpassen mussten, um nicht zu sabbern vor Gier) übersteigen jede Vorstellungskraft.

Danach ging es nach Meissen. Und da ich, zwecks ordnungsgemässer Erfüllung meiner Touriführerpflichten, den Hund zuhause im Hundehotel gelassen hatte, konnte ich auch endlich einmal den Meissner Dom von innen sehen.
Eindrucksvoll, sehr eindrucksvoll, insbesondere, wenn man sich die Baugeschichte durchliest und dann nach den dort beschriebenen Details Ausschau hält.

Auf dem Weg durch das, mittlerweile auch endlich recht ordentlich restaurierte Städtchen zur Burg kommt man natürlich an dem einen oder anderen Laden vorbei, in dem es Meissner Porzellan gibt. Mir scheint, es ist dort teurer als hier? Interessanter erschienen uns die kleinen Werkstätten, wo Porzellanmaler die Gunst des Ortes nutzen und ihr Handwerk ausüben in der Hoffnung auf Touristen, die ein originelleres Souvenir suchen als normales Meissner Porzellan. Da gibt es echte Künstler, die sehr, sehr hochwertige Werke schaffen.
Natürlich sind wir auch noch zur Manufaktur marschiert, sind aber leider zu spät gekommen, um noch eine Führung durch die Schauwerkstätten mitzumachen. Die sind wirklich sehr interessant. So konnten wir nur im Laden ein wenig herumstöbern und uns über die doch sehr überzogenen Preise wundern.
Für den Abend hatte ich einen Tisch im Spitzhaus gebucht.

Das ist ein absolutes Muss, wenn ich in Dresden bin. Wunderschöne Lage inmitten von Weinbergen, ein herrlicher Blick über Radebeul und Dresden,

hervorragende Küche, an warmen, trockenen Tagen eine grosse, baumbestandene Terrasse, überaus aufmerksamer und liebevoller Service – was will man mehr?
Übrigens gibt es die Möglichkeit, von Radebeul aus über eine lange, steile Treppe hinaufzusteigen – naja, wie gesagt, es gibt die Möglichkeit…
Früher gehörte zu meinen absolut notwendigen Anlaufpunkten auch der Luisenhof auf dem Weissen Hirsch. Eine bessere Aussicht über Dresden gibt es nirgends und die Auffahrt mit der Zahnradbahn ist schon ziemlich pittoresk. Aber im Moment ist das Lokal, das hervorragend war, leider nicht in Betrieb. Es soll dort jetzt ein Café geben, aber das haben wir zu meinem Leidwesen nicht geschafft.
Schon Dienstag. Du lieber Himmel. Morgen ist unsere Zeit hier schon wieder herum. Und beim Losfahren erschien uns eine Woche so lang! Nun, für heute geht es in die Gemäldegalerien. Zuerst die alten Meister in der Sempergalerie.
Da wird leider gerade schwer gebaut und renoviert. Aber die wichtigsten Werke sind ausgestellt.
Und vielleicht hätten wir, wenn die ganze Galerie zugänglich gewesen wäre, keine Kraft für das Porzellanmuseum gehabt (ebenfalls im Zwinger), das durchaus interessant und sehenswert ist. Allerdings fiel uns dort auf, dass es viele kleine Porzellanfiguren gab, die irgendwelche Männer darstellten und jeweils als „Ein Pagode“ bezeichnet werden. Die waren mir schon früher aufgefallen, aber mein Chinesisch ist wacklig und ich bilde mir auch nicht ein, dass ich allwissend wäre, deshalb dachte ich, vielleicht kenne ich ja diese Art, das Wort “Pagode“ zu gebrauchen, nur nicht. Aber dieses Mal hatte ich ja eine Fachfrau dabei, eine echte Chinesin, die ich fragen konnte. Und die fand „der Pagode“ als Bezeichnung einer Darstellung eines Menschen überaus erheiternd. Sie versicherte mir, dass es nur „die Pagode“ gibt und dass es sich dabei eindeutig um eine Gebäudeform handelt. Keine Ahnung, was sich die Experten des Museum dabei gedacht haben…
Nach dem Mittagessen im Kunstcafé
in der Terrassengasse zwischen Brühlscher Terrasse und Hilton (auch da muss ich jedes Mal hin! Leider öffnen sie jetzt zu spät zum Frühstücken, aber einmal muss ich hin, denn es gibt dort unglaublich viel zu gucken, und man kann alles kaufen – den Stuhl auf dem man sitzt, den Tisch, auf dem der Teller steht, die Lampe, unter deren Schein wir die Speisekarte lesen, die Bilder an der Wand – einfach alles!) ging es dann noch ins Albertinum zu den Neuen Meistern.
Beeindruckendes von den Romantikern 
und verstörendes von Dix und viele, viele Werke von Malern des Blauen Reiters und der Brücke – die gehört ja schliesslich zu Dresden. Da ist es ganz klar, dass dort auch herausragende Werke der Künstler dieser Gruppe ausgestellt sein müssen.
Danach mussten wir uns ausruhen. Denn für den Abend hatte ich Opernkarten: Cavalleria Rusticana und Bajazzo – herrlich. Die Semperoper ist ja schon wegen ihrer Schönheit einen Besuch wert, aber sie ist auch eindeutig eine der besten Opern der Welt, mit umwerfender Akustik.
Und um meine Freundin auch wirklich gründlich zu beeindrucken, hatte ich für die Pause das Geniesserpaket bestellt – wir fühlten uns wirklich enorm exklusiv (wie die Made im Speck?) Und nach dem Genuss hatten wir auch noch Zeit, ein wenig mit unserem Champagner auf der Terrasse zu stehen und den Blick auf die Hofkirche zu bewundern.

Ach, das Leben kann so schön sein…
Am Mittwoch hiess es dann packen, bezahlen, Koffer ins Auto laden und erst einmal zur Sächsischen Vinothek an der Frauenkirche (https://www.saechsische-vinothek.de), wo ich mir mehrere Kistchen mit Goldriesling reserviert hatte. Jetzt war die Frage, was machen wir noch? Zum Heimfahren war es noch zu früh. Um etwas Grösseres zu unternehmen, war es zu spät. Da fiel mir der Grosse Garten ein. Und die Hutmacherin. Den Grossen Garten muss man ja nun wirklich gesehen haben. Auch wenn ich in dieser Woche bei weitem nicht geschafft habe, meiner Freundin alles zu zeigen, was ich für zeigenswert hielt, allerhöchstens die Hälfte der wichtigsten Sachen, diese beiden Dinge konnten wir noch schaffen. Also erst einmal zu Hutmacherin gleich am Anfang der Bautzner Strasse (http://www.hutkunst-japee.de/). Diese Frau ist eine Zauberin. Meine Freundin hat gleich zwei gekauft – einen für den Sommer und einen für den Winter. Ich werde noch einen für den Winter kaufen, wenn ich das nächste Mal dort bin… Und sie meine Farbe hat…
Eingeplant hatte ich ein paar Minuten und bin dann angesichts der Ekstase meiner Freundin hastig zum Auto zurück, das im Halteverbot stand.
Als sie sich endlich losgerissen hatte, sind wir gleich noch die paar Meter weiter zur Molkerei Pfund (sehenswert, aber zu touristisch geworden) und dem Senfladen daneben. Immer noch eine unglaubliche Auswahl an Senfsorten, aber leider haben sie keinen Macadamia-Senf mehr. Gut, dass ich mich beim letzten Mal so gründlich eingedeckt hatte…
Und jetzt auf in den Grossen Garten. Am Grossen Palais und den Kavaliershäusern vorbei zum Carola-Weiher und Mittagessen auf der Terrasse des Carola-Schlösschens – ein Gedicht. Die Sonne schien. Drinnen waren mehrere Hochzeiten, die Limonaden sind überaus interessant und originell, das Essen gut und reichlich (auf meinen Goldriesling habe ich schweren Herzens verzichtet, wollte ja in einem Stück nach Hause kommen!)
Und auf dem Rückweg hat sogar die Parkeisenbahn uns den Gefallen getan und sich in einem der kleinen Bahnhöfe von uns fotografieren lassen.
Jetzt konnten wir nach Hause fahren.
Ich habe übrigens vorhin bei der Fotoauswahl festgestellt, dass wir auch in Moritzburg waren, aber ich weiss beim besten Willen nicht mehr, an welchem Tag wir das dazwischen gepackt hatten…

Für die Heimfahrt war noch ein kleiner Höhepunkt vorgesehen: eine Bratwurst. Alle, welche öfter auf der A4 unterwegs sind, wird das nicht überraschen. Für alle anderen hier die Erklärung: unmittelbar nach der Wiedervereinigung hat an einem kleinen Rastplatz am Schorbaer Berg ein Bratwurststand aufgemacht. Ich bin damals öfter mit meinem Vater nach Dresden gefahren und wir haben die Bratwurst dort geliebt. Ich bin eigentlich kein grosser Freund von Thüringer Bratwurst, aber dort schmeckte sie ganz toll. Als dann der Jagdbergtunnel gebaut wurde und der Verlauf der A4 sich änderte, erhielt der Metzger, ein Herr Haase, keine Erlaubnis, erneut einen Bratwurststand aufzumachen. Er war gezwungen, abseits der Autobahn einen Imbissstand zu eröffnen, darf aber an der Autobahn nicht darauf hinweisen. Man glaubt wohl behördlicherseits, dass man dadurch verhindern kann, dass den genehmen Betreibern wie Serways usw. Kunden entgehen. Aber natürlich haben wir uns kundig gemacht, und ich wollte auch schon auf der Hinfahrt nach Dresden dort einkehren, aber da goss und hagelte es dermassen heftig, dass ich das Schild mit der Ausfahrt nach Magdala verpasste. Auf der Rückfahrt war das Wetter gut und ich fand die Ausfahrt. Falls Ihr die Bratwurst noch nicht kennt, schaut mal auf die Webseite (https://www.facebook.com/Imbiss-Haase-Magdala-ehemals-Rastplatz-Schorba-432465786847212/) und probiert sie bei der nächsten Fahrt aus. Ich nehme mir immer noch Vorrat für zuhause mit. Übrigens, der Kartoffelsalat ist auch sehr gut.
Jetzt möchte ich nur noch ein paar Worte zu Unterkünften in Dresden sagen. Es gibt dort sehr, sehr viele zentral gelegene Hotels und Apartments, teils teuer, teils preiswert. Ich habe schon einige ausprobiert und kehre immer wieder zu denselben zurück. Da ist einmal das Bellevue in der Neustadt, direkt an den Elbwiesen gelegen. Dort wohne ich gerne, wenn ich den Hund dabei habe, denn der Hinterausgang führt direkt zu den Elbwiesen. Wenn ich mit Freunden in Dresden in und den Hund nicht mitnehmen kann, bin ich bis jetzt immer bei Drescher gelandet. Die Fa. Drescher hat eine ganze Reihe von Hotels und Häusern mit Ferienapartments mitten in der Altstadt, die meisten rund um die Frauenkirche. Perfekte Lage. Im Hotel am Schloss wohnt man schön und ruhig, aber wenn ich ein Apartment mit 2 Schlafzimmern brauche (was angenehm ist, man kann sich abends noch im Wohnzimmer unterhalten, wenn man schon umgezogen ist und muss nicht von Hotelzimmer zu Hotelzimmer schleichen) dann lande ich meist in einem Apartment in der Münzgasse. 
Auch dieses Mal war das der Fall, und es war das allererste Mal, dass ich wirklich unzufrieden war. Ich bin dort ja gewissermassen Stammgast und habe erwartet, dass man dem bei der Reservierung dort Rechnung trägt und mir, wie gewünscht, ein geeignetes Apartment mit 2 Schlafzimmern für 2 Erwachsene gibt. Ich hatte da schon sehr schöne, mit 2 gleichwertigen Schlafzimmern und einem geräumigen Bad. Aber dieses Mal? Ein kleines Schlafzimmer mit Doppelbett, das auf den nachts sehr lauten Hof ging (dort vertrieben sich die Restaurantangestellten ihre Pausen in grosser Lautstärke und dort stehen Müllcontainer aller Art – auch die für Glas, und ein noch kleineres Schlafzimmer mit 2 Einzelbetten, das auf die Münzgasse ging und dort war bis nachts um 3 Remmidemmi. Geschlafen haben wir sehr wenig und sehr schlecht. Und das Bad? Grünlich gekachelt, spärlich beleuchtet. Der Blick in den Spiegel hat uns regelmässig zwei etwas ältere Leichen gezeigt…
Aber die gute Dresdner Küche (und der Goldriesling) haben uns glücklicherweise immer wiederbelebt. Und damit kommen wir zu den Dresdner Spezialitäten. Da gibt es ja so einiges: Christstollen – zum Leidwesen der Familie war mir aber immer ein Marzipanstollen oder ein Mohnstriezel lieber. Soljanka – ist erst durch die russische Besatzung zu einer Dresdner Spezialität geworden; ich denke, das klammere ich aus. Dresdner Sauerbraten – da bin ich in einem Konflikt, denn meine Grossmutter, geboren in Köln, alt geworden in Dresden, hat mir erklärt, der Unterschied zwischen einem rheinischen Sauerbraten und einem sächsischen solchen liege darin, dass die Rheinländer Rosinen in der Sauce haben und die Sachsen nicht. Aber man sieht jetzt nur noch Sauerbraten mit Rosinen in Dresden und wird belehrt, das sei original sächsisch. Weiss nicht, wer da falsch liegt: alle Sachsen oder meine Oma? – da muss ich mich noch informieren. Aber ein Rezept gibt es doch, mit dem ich keinerlei Probleme habe: es ist dresdnerisch und noch dazu ziemlich leicht zuzubereiten. Und das sind meine heissgeliebten Quarkkeulchen. Man nehme:
½ kg am Vortag gekochte Pellkartoffeln (mehlig kochend), schäle und reibe sie.
Dann vermische man sie mit 250 g Quark oder Topfen, 3-4 Eiern (je nach Grösse), etwas abgeriebener Zitronenschale, ca. 150 g Zucker und soviel Mehl, dass eine geschmeidige Masse entsteht, die sich gut zu kleinen Keulchen formen lässt.
Diese brät man in Butter von beiden Seiten goldbraun, wälzt sie sofort nach dem Braten in einer Mischung aus Zucker und Zimt und fertig.
Wenn man das Rezept etwas variieren möchte, kann man gehobelte oder grob gemahlene Mandeln in den Teig mischen. Manche Leute geben auch Rosinen hinein – aber das sollten dann unbedingt die grossen Sultaninen sein.
Dazu passt Apfelmus, aber eigentlich braucht man nur Quarkkäulchen.
