Kochkurs in Puerto Montt

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Puerto Montt

Ihr fragt Euch, wo oder was ist Puerto Montt?

Lasst mich erläutern:

Letzten Winter habe ich mir eine ganz besondere Reise gegönnt – eine Kreuzfahrt von Valparaiso die südamerikanische Westküste hinunter bis Kap Hoorn, dann ein paar Tage kreuzen in der Antarktis, und anschliessend mit einem Abstecher zu den Falklands die südamerikanische Ostküste Richtung Norden bis Buenos Aires. Über diese Reise mitsamt den Vor- und Nachprogrammen in Santiago de Chile, Rio de Janeiro und Iguazu werde ich noch ganz viel schreiben. Heute nur so viel: ich habe diese Reise gemacht, weil mir der Veranstalter Dreamlines und die Kreuzfahrtgesellschaft Holland-America ein Angebot gemacht haben, das ich nicht ablehnen konnte – vorher hatte ich mir diese Reise schon jahrelang gewünscht, aber sie war mir immer zu teuer. Dieses Angebot konnte ich mir – mit etwas Mühe – leisten. Wahrscheinlich lag der günstige Preis daran, dass das Schiff, die MS Zaandam, schon etwas in die Jahre gekommen ist.

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Aber was soll’s? Wer wird sich denn über Kleinigkeiten aufregen, wenn die Reise umwerfend, das Wetter meistens super und die Stimmung an Bord phantastisch ist…

Aber ehe ich rhapsodisch werde, zurück zum heutigen Thema.

Puerto Montt war der erste Hafen, den wir anliefen. Eine hübsche, leider verregnete, Kleinstadt. Am ersten Tag an Bord hatte ich mir angesehen, welche Ausflüge angeboten werden, viele wollte ich nicht buchen, denn ich bin lieber auf eigene Faust unterwegs. Aber als ich dann sah, dass es in Puerto Montt einen Kochkurs mit einem Sternekoch gibt, naja, also, wie hätte ich da widerstehen können.

Am zeitigen Morgen stand ich also, nachdem das Beiboot angelegt hatte, mit einer kleinen Truppe Mitreisender am Hafen von Puerto Montt und wartete darauf, dass wir abgeholt würden. Von Puerto Montt war im Regen und angesichts der tiefhängenden Wolken nicht viel zu sehen. Eine lustige Skulptur eines Pärchens, das auf’s Meer hinausschaut, _IGP9171.JPG

ein paar alte Lokomotiven dekorativ in der Landschaft verteilt, das war’s auch schon. _IGP9167.JPG

Aber da kam auch schon unsere Fahrerin Lilly mit einem Minibus – später stellte sich heraus, dass sie die Ehefrau des Sternekochs war.

Zunächst ging es zur Markthalle,173AA75A-D9CB-4214-86EC-1D90C86F7990.JPG

wo wir Richard Knobloch trafen, A0437258-9ED8-434D-80A5-B40383C9CB02.JPG

den Koch, der aus Deutschland nach Chile ausgewandert und dort sehr erfolgreich ist. Er pendelt ständig zwischen seinem Restaurant in Santiago und seinen diversen gastronomischen Unternehmungen in Puerto Montt, bzw. Puerto Varas, hin und her.

Aber die kleinen Kochkurse für Kreuzfahrer machen ihm ganz offensichtlich Spass. In der Markthalle wählte er die Zutaten aus, die wir brauchten: Gemüse, Seafood, Obst

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– es gab gerade frische Kirschen!, im November…5BE4945E-70C2-4B91-810A-FD5E439325BE

Fleisch und Fisch. Während er sorgfältig seine Auswahl traf, hat er uns erklärt, was das eigentlich für Köstlichkeiten sind, die wir sahen. Denn manches war doch sehr exotisch. Und die vielen verschiedenen Sorten Mais und Kartoffeln, Eier, die von den Hühnern schon grün oder blau gelegt werden,E69EDEB5-2DC7-46AC-8D5C-AE4F34DD28F9

und Meeresfrüchte und Fische, die aussahen wie von einem anderen Stern. Und die Leute an den Ständen waren auch sehr grosszügig – was immer man kosten konnte, durften wir probieren. Bis wir aus der Markthalle heraus kamen, waren wir schon nicht mehr wirklich hungrig…

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Das hat alles einen Riesenspass gemacht.

Dann ging es schwer beladen weiter nach Puerto Varas, der Stadt der Rosen am Llanquihue-See mit Blick auf einen imposanten Vulkan, den Osorno. Leider haben wir weder Rosen noch Vulkan gesehen, nur Wolken und natürlich den See, denn das Restaurant, in dem das alles stattfinden sollte, das Bravo Cabrera, liegt direkt am Seeufer.

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Jetzt ging es in die Küche. Wir bekamen Schürzen und Hauben _IGP9215.JPG

und waren zunächst einmal voll mit Lachen beschäftigt und damit, uns gegenseitig zu fotografieren. Aber bald gab es Aufgaben für uns, Gemüse putzen und schnibbeln, Saucen rühren, Temperaturen überwachen: Die wichtigsten Sachen hat Richard selbst erledigt – so viel Vertrauen hatte er doch nicht zu uns. An Fisch, Fleisch, Mixer und die wichtigeren Töpfe durften wir nur mit der Kamera.

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Aber wir hatten trotzdem gut zu tun.

Schliesslich durften wir Schürzen und Hauben ablegen und in den gemütlichen Gastraum gehen, wo eine Tafel für uns hergerichtet war.

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Das Menu umfasste Muscheln und eine höchst interessante Sauce,

A5001F3E-F01A-4215-8377-9510975EA55A.JPGerstklassigen (einheimischen!) Käse, Oliven, die mit Chilies gefüllt waren, Ceviche, eine Muschelsuppe mit geräucherten Muscheln,

_IGP9249.JPGgebratene Kartoffelküchlein mit Schwartenstückchen (dänische Art),

_IGP9201.JPGin Court-Bouillon sautierten Fisch auf Kartoffelscheiben mit frischen Limabohnen, Chili- und Paprikajulienne.

_IGP9254.JPGAbgerundet wurde das Ganze dann noch mit frischen Kirschen und einem überaus leichten Sabayon mit frischen Heidelbeeren. Fusion cooking vom Feinsten…

Zum Trinken hatten wir Pisco Sour und sehr süffigen Wein bis zum Abwinken._IGP9251.JPG

Und um den Tag perfekt zu machen, hat mir Lilly dann auch noch ein Kochbuch gefunden, denn selbst hätte ich gar nicht gewusst, wo ich nach einem Buchladen suchen sollte, der Kochbücher in einer Sprache führt, die ich lesen kann.

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Jetzt noch das Wichtigste, ein paar Rezepte:

Pisco Sour ist DAS Standardgetränk in den Andenländern und besteht aus 3 Teilen Pisco (Gibt es hier auch), 1 Teil Zitronensaft, 1 Teil Zuckerlösung und gefriergetrocknetem Eiweiss (das ist der schwierige Teil!), Das wird alles geschüttelt und schmeckt eindeutig nach mehr.

Kartoffelküchlein werden je zur Hälfte aus roh geriebenen und gekocht geriebenen Kartoffeln hergestellt, mit etwas Salz und Pfeffer vermengt, sowie mit kleinen Stückchen sehr knusprig gebratener Schwarte oder Bacon. Aus der Masse flache Küchlein formen und braten.

Für die Sauce brauchen wir zunächst einen Schöpflöffel kräftige Brühe.   Petersilien- und Korianderblättchen braten wir in Öl knusprig und löschen sie dann noch in der Pfanne mit Eiswürfeln ab kräftige Brühe.  Danach kommen sie mit der Brühe, ein paar gerösteten Chilies, ein paar Algen, kleingeschnittenen Tomaten und reichlich Knoblauch in den Mixer. Eine halbe Stunde bei niedriger Temperatur ziehen lassen und  mit Creme Fraiche etwas sämiger machen. Ich rühre dann gerne noch eine gute Handvoll gebratene Petersilienblättchen hinein. Die Menge der Zutaten ist variabel und richtet sich ein bisschen nach den persönlichen Vorlieben – ich bin zum Beispiel bei Koriander und Algen eher zurückhaltend.

 

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