Die Toskana: Siena

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

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Es ist schwer zu glauben, aber ich war dort dieses Jahr zum ersten Mal!

So oft schon in der Toskana, aber immer nur Florenz oder Meer oder beides.

Hätte ich nur gewusst, wie schön es dort ist!

Natürlich war im Zentrum viel Betrieb, aber es war März – nach Meinung der Einheimischen die perfekte Zeit für einen Besuch:

Warm, aber nicht heiss.

Lebhafter Betrieb, aber nicht überfüllt.

Aber ich sollte mit dem Anfang beginnen…

Zunächst einmal hatte ich etwas Sorge, weil man mir in Florenz gesagt hatte, in Siena dürfte ich nicht in die Stadt einfahren, dort sei man noch strenger als in Florenz. Aber bei einem Zwischenstop in San Gimignano

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kam ich mit einer Malerin aus Neuseeland ins Gespräch, die wunderschöne Aquarelle von Mohnblüten, Zypressen und unverschämt frechen Hähnen ausstellte (die beiden Hähne habe ich gleich mitgenommen – falls ihr neugierig seid: www.susanmonk.it, aber die Hähne sind auf der Webseite nicht abgebildet…).

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Sie verriet mir, dass man auf manchen Strassen in die Stadt fahren kann, wenn man darauf achtet, dass es nur eine einzige Zufahrt gibt, durch die Porta San Marco. Von da war es nur eine kurze Strecke zu dem Hotel, das ich mir ausgesucht hatte, weil es mit zentraler UND ruhiger Lage geworben hatte.

Palazzo Ravizza. (www.palazzoravizza.it)

Natürlich fuhr ich erst einmal vorbei – den Namen über der Eingangstür sah ich nicht, zu unauffällig, zu dezent. Aber man kann ja fragen. Es waren nur ein paar Meter zurückzufahren. Und ich musste feststellen, mit dieser Buchung hatte ich wirklich Glück gehabt. Mitarbeiter, die einwandfrei Englisch sprechen (mein Italienisch ist nur ausreichend zum Einkaufen und zum Bestellen von Essen). Ein wunderschönes Zimmer, eigentlich schon eine Suite, mit antiken Möbeln und bemalter Decke.

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Ein Parkplatz für’s Auto. Und eine prachtvolle Gartenterrasse mit einem unbezahlbaren Blick in die Landschaft, wo ich mich gerne abends niederliess und noch ein Glas Wein trank. Herrlich ruhig. Und zentral.

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Von hier konnte ich ganz bequem immer wieder ausschwärmen. Siena hat überaus viel, was man unbedingt sehen muss: einen prachtvollen Dom,

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den Campo mit seinen vielen Restaurants und interessanten Geschäften. Als ich dort war, gab es auf dem Campo gerade einen Markt für Schokolade, Honig, Pralinen, und alle möglichen Süssigkeiten – und dabei soll man abnehmen können!

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Schon allein der Duft macht dick! Zum Glück kann man in den vielen Gassen und Gässchen wieder ein bisschen abtrainieren. Immer wieder finden sich interessante Durchgänge und Ausblicke, Fotogelegenheiten ohne Ende. Und interessante Läden.

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Ich war ja nun gerade vorher in Florenz gewesen, hatte dort gründlich zugeschlagen und dachte nun, ich sei gegen jede Versuchung gefeit. Naja. Kleidern und Schuhen konnte ich widerstehen, aber mich von den interessanten Laden mit Antiquitäten, insbesondere antikem Schmuck, insbesondere antikem Schmuck mit Mikromosaiken loszureissen – das fiel schwer.

Und als ich dann den Fehler machte, aus purer Neugier in einen Kerzenladen einzutreten, der mit seinen bunten Farben lockte, war leider kein Halten mehr. Die hatten dort nicht nur Kerzen. Sie hatten auch Blumen. Sahen aus wie Glas. War aber keins. Es waren Seidenblumen, die man mit farbigem Wachs überzogen und dann lackiert hatte. Das war eine Sorte Touristenkitsch, der ich dann doch nicht widerstehen konnte.

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Die Schleusen waren geöffnet. Jetzt brauche ich lange keine Blumen mehr zu kaufen. Der Laden heisst La Fabbrica delle Candele, und ich kann nur jedem sparsamen Menschen empfehlen, einen grossen Bogen darum herum zu machen. Nicht, weil die Blumen so teuer wären. Sind sie ja eigentlich nicht. Aber weil man immer noch eine findet, und immer noch eine, und die da hinten, die habe ich ja noch gar nicht angeschaut!

Puuh!

Übrigens, Kaufrausch beiseite, es gibt in Siena auch ein sehr interessantes kleines archäologisches Museum. Das Gebäude, in dem es sich befindet, sieht irgendwie aus wie ein Krankenhaus. Und siehe da, bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts war es das auch. Jetzt findet man dort ziemlich interessante Exponate aus der Zeit der Etrusker, natürlich auch aus der römischen Zeit und den darauf folgenden Perioden. Aber mich faszinieren die Etrusker ganz besonders. Wir wissen immer noch so wenig über sie…

Natürlich gibt es dort noch jede Menge andere Museen, aber die habe ich noch nicht geschafft. Nächstes Mal! Im Frühjahr 2018 bin ich wieder da, ein bisschen länger und werde dann all das anschauen, was ich dieses Mal nicht geschafft habe und ausserdem Siena als Basis nutzen für Ausflüge in die bekannteren Weinregionen, nach Volterra und in andere landschaftlich, kulinarisch und historisch intereressante Regionen.

Dieses Mal war ich einfach zu beschäftigt mit Kennenlernen und Geniessen.

Nach Volterra habe ich allerdings schon dieses Mal einen Ausflug gemacht, der Ort hat so viel zu bieten, dass wiederholte Besuche sich anbieten.

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Unterwegs nach Volterra

 

Aber bis ich in Volterra ankam, war mir der Spass erst einmal gründlich vergangen. Unterwegs, in einer engen Kurve der kleinen Nebenstrasse, die ich entlangfuhr, gab es einen lauten Knall. Das klang, als ob ein Stein gegen die Karosserie geflogen wäre. Aber sonst bemerkte ich nichts, fuhr also weiter. Wenig später sah ich im Rückspiegel, dass mir ein kleines Auto folgte, aufgeregt hupend und blinkend. Mich packte jetzt die Sorge, dass doch ein Schaden an meinem Auto entstanden sein könnte – es ist ja nicht mehr das Jüngste –und hielt an. Ein baumlanger Kerl sprang aus dem Auto und fragte aufgeregt, ob ich nicht das „Bumm“ gehört hätte. Ja, schon, ein Stein wohl. Nein, sein Auto kaputt. Sein Auto hatte in dieser Kurve neben der Strasse gestanden. Er behauptete, ich hätte seinen Seitenspiegel zerstört, als Beweis zeigte er mir sein kaputtes Spiegelglas und einen schwarzen Strich an der Seite meines Autos. Es war völlig klar, dass das Blödsinn war, aber der Kerl war gross, ich bin eher klein. Die Strasse war menschenleer – also habe ich brav bezahlt. Später fand ich dann auch die Delle auf der Motorhaube von dem Stein, den er mir ans Auto geworfen hatte. Der Strich war Marker…

Tut schon weh… Das Etruskermuseum in Volterra muss ich mir wohl noch einmal mit etwas weniger Wut anschauen.

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Lieber schnell zurück nach Siena zum Kennenlernen und Geniessen.

Von meinen Zimmerfenstern und auch von der Terrasse aus hatte ich einen wunderbaren Blick über die Hügel der Toskana. Und ganz im Vordergrund, anscheinend am Ortsrand von Siena, lag ein grosser Zypressenhain.

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Da  trieb mich jetzt die Neugier hin. Der Weg war wirklich nicht allzu weit und führte an interessanten Häusern vorbei durch ein Stadttor, entlang einem Zaun, der über und über mit blühender Wisteria prunkte.

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Der Zypressenhain stellte sich dann als ein grosser Friedhof heraus. Das hatte ich eigentlich auch erwartet. Ein wunderschöner friedvoller Ort. Unter den Zypressen und zwischen den reich geschmückten Gräbern herumzuwandern, wirkte sonderbar beruhigend.

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Aber es machte auch hungrig und durstig.

Ich hatte ja schon einige der Restaurants ausprobiert, sogar eines am Campo, wo es doch wirklich sehr touristisch zugeht – aber in Siena wie in der Toskana überhaupt, ist es recht schwierig, schlechtes Essen zu bekommen. Was immer ich bestellt habe, war frisch zubereitet und von guter Qualität. Auch der Wein war immer kühl, trocken und erfrischend, so, wie man sich das wünscht.

Aber trotzdem wollte ich heute einmal eines der von der Hotelrezeptionistin als Top-Restaurants gelobten ausprobieren.

Sie hatte mir einen Tisch in der Taverna di San Giuseppe reserviert.

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Eine Offenbarung. Da möchte ich unbedingt wieder hin. Die Taverna ist nicht gerade billig, aber angesichts der Qualität des Gebotenen, der gewaltigen Menge an Trüffeln und des bezaubernden Ambientes würde ich doch sagen: ausgesprochen preiswert!

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Und das bringt mich zu einem Punkt, der mir enorm wichtig ist: wenn ich etwas Gutes gegessen habe, dann möchte ich wissen, wie es geht, damit ich es selbst auch machen kann. Und wenn das klappt, dann möchte ich, dass andere auch etwas davon haben. Früher habe ich Kochbücher geschrieben, jetzt möchte ich in meinem Blog ein paar Rezepte mit Euch teilen, die ich unterwegs kennengelernt habe.

In der Toskana sind das definitiv Pici, diese dicken, aromatischen Nudeln mit der phantastischen Textur, und Trüffeln. In der Taverna waren es zwar getrüffelte Gnocchi, zur Tagliata ein überaus zarter Genuss. Aber Pici sind so typisch für die Toskana. Sie sind kerniger, einen Hauch deftiger und entwickeln das Trüffelaroma wieder völlig anders. Und es geht so einfach:

Pro Person ein Nestchen Pici in sprudelndem Salzwasser (Meersalz!) garen, bis sie al dente sind. Das dauert ewas länger, so ca. 20 Minuten. Mit Vollkornpici sogar 40.

Abschütten, mit etwas gutem Trüffelöl vermischen. Rohe Trüffel darüber hobeln und mit frisch geriebenem Parmigiano Reggiano bestreuen – mehr brauche ich nicht.

Aber natürlich möchten Sie auch gerne wissen, wie die Tagliata geht – dafür gibt es etwa so viele Rezepte wie Köche, die es zubereiten. Wenn man in Deutschland Tagliata bestellt, bekommt man oft ein paar dünne, fritierte Filetscheibchen. Das issses nicht, ganz und gar nicht.

Für eine Tagliata brauche ich den dicken Teil eines Rinder- oder auch Kalbsfilets, gleichmässig zurechtgetrimmt. Dieses reibe ich von allen Seiten mit einer Mischung aus grob gemahlenem schwarzem Pfeffer, gemörsertem Rosmarin, evtl. etwas zerdücktem Knoblauch und einem guten Olivenöl (es darf nicht bitter sein) ein. Im gleichen Olivenöl brate ich es dann in der Pfanne von allen Seiten scharf an und gebe es anschiessend in den vorgeheizten Backofen. Dort bleibt es, bis es innen den gewünschten Gargrad erreicht hat – nicht sehr lange, die Zeit richtet sich nach der Dicke des Fleischstücks und danach, wie blutig man es haben möchte. Danach wird das Filet in dünne Scheiben geschnitten und angerichtet, traditionsgemäss auf Rucola, aber wenn ich mit Trüffeln serviere, dann lasse ich den Rucola weg und hobele nur die Trüffeln über die Fleischscheiben.

Zu den Trüffeln gibt es nicht viel zu erklären: auf keinen Fall in irgendeiner Form garen – ihr volles Aroma haben sie nur roh. Also einfach gründich unter fliessendem Wasser abbürsten, in feine Scheiben hobeln und geniessen.

Ach ja, fast vergessen, zum Abschluss noch ein Tipp für die Leser, die im Rhein-Main-Gebiet zuhause sind: an jedem ersten Samstag im Monat gibt es beim Lebensmittelgrosshändler Hellriegel in Kronberg-Oberhöchstadt frische Trüffeln in der besten jeweils verfügbaren Qualität zu etwas erträglicheren Preisen als in der Kleinmarkthalle (http://www.hellriegel.com) auch für uns Endverbraucher. Dazu findet Ihr hier noch eine Menge andere gute Sachen für die italienische Küche.

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